Die Küstentanne im Brunnental, die ebenso wie die Lärche dahinter (diese nur wegen des Fallwinkels) weichen soll. FOTO: TB
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Die Küstentanne im Brunnental, die ebenso wie die Lärche dahinter (diese nur wegen des Fallwinkels) weichen soll. FOTO: TB

Kampf um die Küstentanne

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Grünberg(tb), Jüngst erst lagen sich der NABU und die Stadt wegen Fällungen am Freibad in den Haaren. Jetzt ein neuer Zwist: Die Naturschützer, vertreten durch ihren Vorsitzenden und Grünen-Stadtrat Lothar Peter, möchten eine große Küstentanne im Brunnental vor der Motorsäge retten. Rund 50 Jahre alt, stelle die eine Besonderheit in dem Naherholungsgebiet dar, sei von der Wurzel bis zur Spitze gesund und solle als Sauerstoffproduzent und CO2-Speicher erhalten bleiben.

Stadt: Wurzeln behindern Drainage

Für den NABU nicht nachvollziehbar ist, dass der Baum nahe des 125 Jahre alten Maschinenhauses für eine Drainageleitung weichen muss. Die soll hinter der Mauer verlegt werden, welche die Naturbühne des Musikvereins begrenzt und unter der das Wasser durchsickert. Die Bautechniker, so der NABU, vermuteten, die Wurzeln der Tanne behinderten das Verlegen der Drainage. Sollte der Baum stehen bleiben, könnten nur zwei Drittel der Breite aufgebaggert werden. Hinter der Mauer jedoch befinde sich eine Quelle, deren Wasser dereinst in einem Becken gefasst und über ein Rohr durch die Mauer abgeleitet worden sei.

Peter: "Nachdem das Becken zugeschüttet wurde, könnte das Rohr verstopft worden sein und sich das Wasser den Weg nach unten durch die Mauer gesucht haben." Dies sollte zunächst geprüft werden, mit dem Ziel, die ursprüngliche Funktion wiederherzustellen. "Dann wäre eine neue Drainage überflüssig, wären Kosten eingespart - und die Tanne gerettet."

In der jüngsten Bauausschusssitzung brachte der Stadtrat das Thema unter Anfragen zur Sprache. Verwaltungschef Frank Ide (FW) verwies "ad 1" auf die Rechtslage, wonach der Bürgermeister Sprecher des Magistrats ist - Stadträte nur bei dessen Placet Rederecht erhalten. Doch ließ Ide die Rechtslage beiseite und widersprach zunächst der Behauptung des Grünen-Politikers, Fällungen seien erst ab Oktober erlaubt. Erforderliche Ausnahmegenehmigung habe man - wiewohl es dafür noch eines Ortstermins mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) bedurft hätte - erhalten, zeigte sich der Rathauschef auf GAZ-Nachfrage sicher. Habe doch die UNB keinen Hinderungsgrund gesehen, da der Baum nicht standortgerecht sei, es sich hier weder um ein Naturschutzgebiet noch einen Park handele. Dass es darum gehe, über die gesamte Breite zu drainieren, das Freimachen eines Abflusses wenig Sinn ergebe, merkte Ide an. Auch hätten die Baumwurzeln bereits die Mauer beschädigt.

Kein Einwand von UNB und Förster

Weiter: Vom Revierförster seien keine Einwände gekommen ("keine Brut"). Dafür habe dieser darauf aufmerksam gemacht, dass die Tanne ob der oberflächennahen Feuchtigkeit weiter wachse, dabei in die Breite wurzele - bei einem Sturm könnte sie dann womöglich in der Mitte abbrechen und aufs Maschinenhaus stürzen.

Ohne die Intervention des NABU bei der UNB, so machte der Bürgermeister klar, stünde der Baum nicht mehr. Jetzt warte man halt bis Oktober. Dass die Sache die Stadt teurer komme, merkte er abschließend an: Ob der Verzögerung werde die Sanierung der Mauer unterbrochen, könne auch die gerade in der Kernstadt tätige Firma die Fällung nicht miterledigen, was zusätzliche Anfahrtskosten bedeute.

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