srs-schule2_130421_4c
+
Annelie Müller hat herausgefunden, dass die tänzelnden Figuren des Wandreliefs eine Botschaft darstellen, die sich an die Schulgemeinde richtet.

Kampf für ein Kunstwerk

  • vonStefan Schaal
    schließen

Die Limesschule in Pohlheim erhält bis Frühjahr 2023 für 11,5 Millionen Euro ein neues Gebäude, die alten Klassenräume sollen danach abgerissen werden. Doch was passiert mit einem alten Kunstwerk im Eingangsbereich der Schule? Eine frühere Lehrerin setzt sich für den Erhalt des Wandreliefs ein.

Sie haben ohne Schäden bereits mehr als fünf Jahrzehnte überlebt, sie haben Wind und Wetter getrotzt, Generationen an Schülern sind auf dem Weg in die Klassenräume an ihnen vorbei gelaufen: Schwarze Metallplastiken aus Kupfer und Glas im Eingangsbereich sind bis heute Wahrzeichen der Limesschule. Eine ehemalige Lehrerin der Schule befürchtet nun, dass das Kunstwerk im Rahmen des aktuellen Neubaus verschwinden könnte.

Annelie Müller spaziert über den Pausenhof der Limesschule. An einer Wand aus hellbraunen Backsteinen bleibt sie stehen. Die schwarzen Metallplastiken schweben wie tanzende Figuren auf der Mauerwand.

Sie habe vor mehreren Monaten einen Bericht in der Gießener Allgemeinen Zeitung über den Neubau der Limesschule gelesen, erzählt Müller. Dabei sei auch das Wandrelief abgebildet gewesen. »Ich war über den guten Zustand des Kunstwerks erstaunt«, sagt sie. Sie habe dann begonnen, zu dem Relief zu recherchieren. »Alles in allem unterstreichen die Funde meine Bemühungen, das Wandrelief zu retten und an dem Neubau einen guten und würdigen Platz zu finden«, sagt sie. Dann fügt sie hinzu: »Mich treibt vor allem die Frage um, was damit passiert, wenn der Altbau abgerissen wird?«

Die Metallplastiken stammen vom bedeutenden Gießener Maler und Grafiker Walter Kröll, der nach seinem Tod 1977 in der Region etwas in Vergessenheit geraten ist, dem in den vergangenen Jahren allerdings wieder Ausstellungen gewidmet waren - zuletzt 2019 im Kloster Arnsburg. Kröll hat die Plastiken für die Einweihung der Schule 1965 erstellt, die damals noch den Namen Mittelpunktschule des Schulverbands Watzenborn-Steinberg, Hausen und Garbenteich trug. Als 1978 der Neubau der Adolf-Reichwein-Schule fertiggestellt war, zog die Grundschule in das Gebäude, seit 1985 trägt sie den Namen Limesschule.

Wer die schwarzen Figuren genauer ins Auge nimmt, erkennt zwar kleine Spuren der Zeit. Kleine Initialen verliebter Schüler, die sich hier einmal verewigt haben, sind zu erkennen. Ansonsten locken die Plastiken noch immer zum Verweilen und so manchen auch zum Rätseln, was sie darstellen. Müller hat herausgefunden, dass die Figuren eine Botschaft darstellen, die sich an die Schulgemeinde richtet.

Kröll, der Künstler, hat selbst einmal formuliert, worum es ihm in dem Relief geht. Die Figuren stehen demnach symbolisch für Fertigkeiten und Tätigkeiten, die an der Schule neben der Wissensvermittlung wichtig sind: Spiel, Musik, Sport und die Kunst. Der künstlerische Schmuck einer Schule solle etwas darüber aussagen, »was in diesem Haus geschieht, welcher Geist in ihm herrscht«. Wichtig sei ihm ein »ungezwungener, allen Zweigen des Lebens gegenüber aufgeschlossener Geist«.

Müller befürchtet, dass der Wert des Kunstwerks keine Beachtung findet. »Leider zeigen mittlerweile einige auch in Gießen verschwundene, abgerissene oder übermalte Wandgemälde oder Wandreliefs, dass den Kunstwerken aus dieser Zeit nicht der ihnen gebührende Respekt entgegengebracht worden ist«, sagt sie. »Das ist ein Jammer.«

Doch die Chancen, dass das Relief trotz des Neubaus erhalten bleibt, sind groß. So hat Müller, ehemalige Stadträtin der FDP in Pohlheim, Mitstreiter gefunden. Das Stadtparlament hat einstimmig beschlossen, sich für den Erhalt einzusetzen. Auch Schulleiterin Katharina Hilberg hat signalisiert dass man sich für eine Lösung einsetzt, das Kunstwerk nicht verschwinden zu lassen.

Und auch Philipp Altschuck, Projektleiter des Neubaus der Limesschule, versichert im Gespräch mit dieser Zeitung, dass man das Relief nicht vergessen werde. »Wir wollen in der neuen Eingangshalle einen Platz für das Kunstwerk finden.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare