BETTER FUTURE FOUNDATION

"Die kämpfen ums Überleben"

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Es gibt viele Regionen auf der Welt, in denen Menschen auf Hilfe angewiesen sind. In Lich hat sich im Frühjahr eine Organisation auf den Weg gemacht, um den Aetas auf den Philippinen und den Albinos in Tansania zu helfen. Das erste Projekt der Better Future Foundation ist bereits in der Umsetzung.

VON CHRISTINA JUNG

Sie sind von kleiner Statur, höchstens 1,50 Meter groß. Ihr Körperbau ist schmal, ihr Haar lockig. Seit Tausenden Jahren leben die Ureinwohner der Philippinen im Einklang mit der Natur. Tief im Dschungel. Doch ihr Lebensraum ist immer stärker bedroht - durch internationale Minengesellschaften, Chemiekonzerne, industrielle Landwirtschaft und den Klimawandel.

Zur Wehr setzen sich die Aetas nicht. Organisierte Verteidigung oder Besitzurkunden sind ihnen fremd. Stattdessen verlassen sie ihr Land und gehen in die Städte, wo sie zu einem Leben auf der Straße verdammt sind.

H ilfsorganisationen haben sich den Indigenen angenommen. Eine davon ist die Better Future Foundation (BFF) mit Sitz in Lich. Der Villinger Allgemeinmediziner Ralf Naujoks hat sie im Mai gegründet. Zusammen mit Freunden, darunter Ghirmay Habton, dem Betreiber des Restaurants Savanne, wo sich der sechsköpfige Vorstand gefunden hat.

Mittlerweile zählt der Verein zwei Dutzend Mitglieder und setzt im philippinischen Urwald gerade sein erstes Projekt um. Den Bau eines festen Hauses, das die Einwohner eines kleinen Dorfes in der Provinz Pampanga, 80 Kilometer nördlich von Manila, vor dem nächsten Taifun schützen soll.

"Der Rohbau ist bereits fertig", berichtet Naujoks, Präsident der Hilfsorganisation. Jetzt stehen Innenputz und -anstrich, Bodenverlegung sowie der Einbau von Türen, Fenstern und Küche an. Warum ein festes Gebäude für die Aetas so wichtig ist? Großkonzerne roden die Wälder und nehmen den Indigenen den Schutz vor den Wirbelstürmen, die im Frühjahr und Spätsommer über die Philippinen hinwegfegen, sagt der BFF-Gründer, der mit einer Philippina verheiratet ist.

Ohne den schützenden Wald haben die Taifune mit den Hütten der Aetas leichtes Spiel. Naujoks: "Sie wirbeln die Bambusstöcke wie Pfeile durch die Luft. Es gibt immer wieder Verletzte und auch Tote." In dem steinernen Haus, das die Organisation aus Lich in Zusammenarbeit mit der Olof Palme Peace Foundation International errichtet hat, sollen die Dorfbewohner in solchen Fällen künftig unterkommen.

Damit nicht genug. "Wir wollen noch einen Brunnen bauen", erzählt der Villinger. Oft sei die Wasserversorgung sehr schwierig. Zarte Frauen in hohem Alter liefen täglich kilometerweit mit einem 20-Liter-Kanister auf dem Rücken, um die Ressource heranzuschaffen. Naujoks: "Die kämpfen jeden Tag ums Überleben." Auch andere Dörfer sollen in den Genuss der mittelhessischen Unterstützung kommen. Und es ist vorgesehen, Urwaldschulen zu gründen. Denn mit dem Zugang zu Bildung hätten die philippinischen Ureinwohner auch in den Städten eine Chance.

Aber nicht nur den Aetas will die Better Future Foundation zur Seite stehen. Die Organisation hat auch die Albinos im afrikanischen Tansania im Fokus. Zusammen mit der dortigen Regierung und der HEMFA (Healthy Education and Medicare Foundation for Albinos) wollen sich die Kreis-Gießener ab 2020 für die Minderheit starkmachen. Weil diese Menschen aufgrund ihrer hellen Haut einem erheblichen Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind. Weil sie von der Gesellschaft diskriminiert und mitunter immer noch verfolgt und getötet werden. Naujoks: " Ihre Körperteile gelten als magisch und werden von afrikanischen Medizinmännern zu angeblichen Zaubermitteln verarbeitet. "

Für beide Projekte benötigt die Organisation finanzielle Unterstützung. Glaubwürdigkeit gegenüber ihren Geldgebern spielt für Naujoks und sein Team dabei eine entscheidende Rolle. Deshalb hat sich die BFF einen Ehren- und Verhaltenskodex gegeben, außerdem Projektregeln festgelegt. "Das wollen wir auch den Behörden vor Ort vorlegen", sagt der 65-Jährige, der externe Kontrolle nicht scheut. Im Gegenteil: "Wir wollen sie sogar , werden uns von Transparency International prüfen lassen." Bei dieser Organisation handelt es sich um eine Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Berlin, die sich die weltweite Bekämpfung von Korruption zur Aufgabe gemacht hat.

Wie viele ehrenamtliche Stunden er bereits in die Better Future Foundation und ihr erstes Projekt investiert hat? "Das weiß ich nicht, aber es sind viele", sagt Naujoks, der als Hausarzt mit eigener Praxis auch beruflich alle Hände voll zu tun hat. Dennoch führt für ihn an seinem Engagement kein Weg vorbei. "Wenn man das Elend dort gesehen hat, kann man nicht anders", sagt er. "Andere Leute spielen Tennis oder Golf, das ist eben mein Hobby."

Wer die Better Future Foundation (BFF) und ihre Projekte finanziell unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende bei der Sparkasse Gießen tun; Bankverbindung: DE73 5135 0025 0205 0661 27.

Die Internetseite der BFF ist noch im Aufbau. Wer sich informieren oder engagieren möchte, kann sich telefonisch an Ralf Naujoks wenden: 01 73/9 45 72 65. (ti)

,,Wenn man das Elend gesehen hat, kann man nicht anders als helfen

Ralf Naujoks

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