Die Fillmore Brothers präsentieren am Donnerstag im Kino Traumstern ein besonderes musikalisches Projekt. Sie spielen das Livealbum "At Fillmore East" der Allman Brothers Band nach - und orientieren sich auch für ihr offizielles Bandfoto am Plattencover aus dem Jahr 1971. FOTOS: PM
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Die Fillmore Brothers präsentieren am Donnerstag im Kino Traumstern ein besonderes musikalisches Projekt. Sie spielen das Livealbum "At Fillmore East" der Allman Brothers Band nach - und orientieren sich auch für ihr offizielles Bandfoto am Plattencover aus dem Jahr 1971. FOTOS: PM

SÜDSTAATENBAND

Ein Jugendtraum erfüllt sich

  • Nastasja Akchour-Becker
    vonNastasja Akchour-Becker
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Jeder Musiker hat einen Traum. Helmut Fischer erfüllt sich seinen nun während der Licher Kulturtage. Zusammen mit Musikern aus der Region spielt er am Donnerstag auf der Traumstern-Bühne ein legendäres Konzert der Allman Brothers Band nach.

In einem Hinterhof in der Licher Oberstadt entsteht Großes. Dort laufen die Proben zu dem Musikprojekt "Fillmore Brothers". Helmut Fischer sitzt an der Orgel, Peter Herrmann spielt den Bass und Michel Schmied singt mit seiner rockigen Stimme in ein Mikrofon.

Am morgigen Donnerstag schon werden sie mit vier weiteren Musikern im Kino Traumstern auf der Bühne stehen. Deren Instrumente gibt es gleich zweimal: Peter Tesarek und Burkhard Meyer spielen die Gitarren, Johannes Langenbach und Moritz Weissinger sorgen jeder an einem eigenen Schlagzeug für den unverkennbaren Sound der Allman Brothers Band. Auf den Tag genau im 50. Jahr nach der Aufnahme des Albums "At Filmore East" zollen sie so einer der erfolgreichsten Rock-Bands der siebziger Jahre Tribut.

Für Fischer geht damit ein Jugendtraum in Erfüllung. "Mit 14/15 war ich immer im Haus der Jugend in Wetzlar", erzählt der Musiker, der auch Instrumentenunterricht gibt.

"Dort lief die Musik rauf und runter. Ich habe gedacht, was ist denn das für eine geile Band? Das, was der Orgelspieler da macht, habe ich ein Leben lang noch nicht gehört", erinnert sich Fischer. "›At Fillmore East‹ war für die Leute, die zu dieser Zeit Musik gehört haben, ein ganz großer Augenöffner", erzählt Fischer. Er meint die doppelte Besetzung von Schlagzeug und Gitarre. "Das war einfach etwas ganz Neues."

Die Allman Brothers haben viel improvisiert, das sei für Rockmusik eher untypisch, ähnelt eher dem Jazz, erläutert Peter Herrmann, wie die Band vorgeht. "Es gibt Themen, es gibt festgelegte Teile, die muss sich jeder draufschaffen. Und es gibt bestimmte Teile, wo man improvisieren kann, die können dann so und so lange dauern."

Die Band der Allman Brothers habe das richtig gut gemacht, sagt Fischer mit Blick auf deren instrumentalen Fähigkeiten. So soll auch Eric Clapton im Publikum gesessen und beschlossen haben, dass Duane Allman auf seiner neuen Platte die Sologitarre spielen sollte - ausgerechnet bei dem berühmten Stück "Layla", das Clapton für die Frau von George Harrison schrieb, die er verehrte, und für das er die Lorbeeren einheimste.

Nostalgisch oder altmodisch ist das keineswegs. Die Fillmore Brothers sehen ihr Projekt generationenübergreifend, denn drei der sieben Musiker sind unter 40, der älteste ist 65 Jahre. Zu alt sind die Allman Brothers für Sänger Michel Schmied nicht: "Ich mag Gesang, bei dem die Stimmlage höher ist", sagt der 31-Jährige, der die Band vorher nicht kannte.

Die Musiker hoffen nun, dass ihr Projekt einen Nerv trifft und ein Publikum findet. Doch sie sind zuversichtlich: "Peter Herrmann und ich merken, dass sich viele aus der jüngeren Generation die Musik, die eigentlich unsere Jugend repräsentiert, zu eigen machen", erzählt Fischer. "Sie steht im Gegensatz zur heutigen Musik, die auf eine immense Perfektion setzt." Die Musik der Allman Brothers Band lasse Zeit zur Entwicklung, das passiere in der modernen Musik nicht mehr.

"Heute muss alles ganz schnell rundfunktauglich und drei Minuten lang sein. Hier kann sich ein Stück auch mal fünf Minuten lang, vielleicht sogar zehn Minuten lang, entwickeln", sagt Fischer mit Blick auf sein Projekt. "Das ist hoffentlich etwas sehr Besonderes."

Und wenn es gut ankommt, dann gibt es sicherlich eine Wiederholung für die Fillmore Brothers, verraten die Musiker. Wer bei den Proben lauschen durfte, weiß: Wer gute, handgemachte Rockmusik hören möchte, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Die Brüder Gregg und Duane Allman sind die Namensgeber der Allman Brothers Band. Die Rockband stammt aus Georgia im Süden der USA und feierte ihre großen Erfolge Anfang der siebziger Jahre.

Ihre dritte Langspielplatte, das Doppelalbum "At Fillmore East" aus dem Jahr 1971 - benannt nach dem berühmten Musiktheater in New York City, wo das Konzert am 12./13. März 1971 aufgenommen wurde, brachte den Musikern den endgültigen Durchbruch. Sieben Lieder sind auf der Platte. Das längste Stück, "Whipping Post", geschrieben von Gregg Allman, dauert in der Liveversion fast 23 Minuten.

Wenig später starb Gitarrist Duane Allman nach einem Motorradunfall. Die Band machte in verschiedenen Besetzungen und Reunions weiter. 1995 wurde sie in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen.

Gregg Allman (Keyboard, Gesang) war in den 1970ern mit der Sängerin Cher verheiratet, sie haben einen gemeinsamen Sohn. Gregg Allman starb im Jahr 2017.

Eins der berühmtesten Stücke der Südstaatenband, der Song "Jessica", wurde vom zweiten Gitarristen Dickey Betts geschrieben. Das Lied wird als Meisterwerk des instrumentalen Southern Rock gefeiert und 1996 mit einem Grammy ausgezeichnet. nab

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