Mit jugendlichem Elan

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Lich hat schwierige Monate hinter sich, aber bei der Amtseinführung des künftigen Bürgermeisters ging es vorwiegend heiter zu. Vielleicht liegt es an der Person: Julien Neubert gilt nicht nur als schlau und selbstbewusst. Er lacht auch gerne.

Dr. Julien Neubert liebt Zitate. Auch für seine Antrittsrede als neuer Bürgermeister von Lich hatte er eines ausgewählt. "Schwerer Anfang ist allemal heilsamer als leichter Anfang." Dass die Stadt Lich eine schmerzliche Zerreißprobe hinter sich hat und der künftige Chef im Rathaus gute Nerven brauchen wird, klang bei der Amtseinführung des 32 Jahre alten Sozialdemokraten am Freitag in der Sport- und Kulturhalle Muschenheim immer wieder an. Aber die gelösten Momente überwogen. Das mag auch dem Charakter des neuen Bürgermeisters geschuldet sein, den sein Parteifreund Johannes Bork als energisch, selbstbewusst und heiter beschrieb.

Besondere Herausforderungen

Der offizielle Teil der Amtseinführung, der sich im Rahmen einer Stadtverordnetenversammlung vollzog, war schnell erledigt. Erste Stadträtin Barbara Kröger und Stadtverordnetenvorsteher Hans-Ludwig Ensle brauchten gerade einmal acht Minuten, um dem 32 Jahre alten Sozialdemokraten die Ernennungsurkunde zu überreichen, den Amtseid abzunehmen und ihm die goldene Amtskette um den Hals zu legen - ein Moment auf den sich Ensle, wie er gestand, ganz besonders gefreut hatte.

Neubert geht die ihm übertragene Verantwortung mit Zuversicht an. "Immer wieder bekomme ich in letzter Zeit gesagt, dass man mich um meine Aufgabe nicht beneidet. Doch ich sage: Ich freue mich darauf," sagte er in seiner Antrittsrede. Den demografischen Wandel, die Digitalisierung und den Klimawandel sieht der gebürtige Licher als besondere Herausforderungen, die er im Zusammenspiel mit den vielen engagierten Menschen in Lich angehen möchte. "Immer dann, wenn wir uns in Lich im Miteinander den entscheidenden Zukunftsfragen stellten, haben wir die richtigen Antworten gefunden und werden sie auch weiter finden", betonte er. Das gemeinsame Ziel, die Stadt voranzubringen, sei allerdings dann in Gefahr, wenn man die Regeln eines demokratischen Miteinanders aus den Augen verliere. Er wolle als Bürgermeister einen Beitrag dazu leisten, dass Ziele in gegenseitigem Respekt erarbeitet werden.

Ehe Neubert das Wort ergriff, hatten Sprecher aller im Stadtparlament vertretenen Fraktionen und Gruppierungen ihrem bisherigen Kollegen alles Gute gewünscht. Hörbar bewegt war Brigitte Block, die von Neubert den SPD-Fraktionsvorsitz übernommen hat und zunächst, wie später auch weitere Redner, dem abwesenden Bürgermeister Bernd Klein dankte. "Er hat viele Projekte angestoßen und umgesetzt, er hat es beispielhaft verstanden, bürgerschaftliches Engagement zu fördern." Künftig werde ein 32 Jahre alter Mann mit jugendlichem Elan die Verantwortung schultern. Gemeinsam habe man den Auftrag, nach dem besten Weg für die Stadt zu suchen. Offenheit, Transparenz und Sachlichkeit seien dabei die Richtschnur. "Die Bürger sollen wissen, was sie erwartet, aber auch, was von ihnen erwartet wird", betonte Block, die Neubert viel Glück wünschte. "Das braucht auch der Tüchtigste." Auf einen guten Start für den künftigen Bürgermeister hofft die CDU-Vorsitzende Josefine Lischka. Für das Amt bringe er gute Voraussetzungen mit: ein hohes Maß an Resilienz, dazu die Gabe, mit Stress umgehen zu können.

Wunsch nach frischem Wind

Dass Kommunalpolitiker in diesen Zeiten Mut brauchen, unterstrich Josef Benner, der Sprecher der Freien Wähler. "Es ist wichtig, Haltung zu bewahren und Beliebigkeit zu vermeiden", sagte er. "Wir freuen uns auf frischen Wind im Rathaus", sagte Ulla Limberger, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen. Sie hofft auf eine konstruktive Diskussion zwischen den kommunalpolitisch Handelnden und der Bürgerschaft. Andrea Kaup, die Sprecherin der FDP, zitierte Martin Luther: "Wenn der Bürgermeister seine Pflicht tut, werden keine Vier ihn mögen." Will heißen: Man kann es nicht allen Recht machen. Neubert bot sie die konstruktive Zusammenarbeit mit ihrer Fraktion an - "auch wenn wir sicher nicht immer einer Meinung sein werden." Zu guter Letzt wünschte auch Andreas Müller-Ohly, der einzige Stadtverordnete der DBL, dem künftigen Bürgermeister alles Gute. Es folgten ein musikalisches Intermezzo des Musikzugs Muschenheim und Grußworte.

Eher nachdenkliche Töne schlug Landrätin Anita Schneider an. Vielerorts, auch in Lich, sei eine Entfremdung der Bürger von der repräsentativen Demokratie zu spüren. Die Demokratie brauche starke Parteien genauso wie eine aktive Zivilgesellschaft. Und ebenso brauche sie Gesprächskultur und Kompromiss. "Gehen wir sorgsam mit dem politischen Ehrenamt um", forderte Schneider. Auch Karl-Christian Schelzke, der geschäftsführende Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebunds, macht sich Gedanken um die lokale Demokratie. Es sei gefährlich, jeden "Brast" gleich ungefiltert über die sozialen Medien in die Welt zu senden. Schelzkes Rat, der mit großem Applaus quittiert wurde: "Erstmal nachdenken, erstmal runterkommen und seinen Ärger dann in wohlgesetzten Worten äußern."

Launige Grüße der Bürgermeister-Kollegen übermittelte Dr. Bernd Wieczorek (Lollar), im Namen der schwedischen Partnerstadt Vänersborg gratulierte der stellvertretende Bürgermeister Gunnar Lidell. Und ein ganz besonderes Ereignis war die Amtseinführung schließlich für den SPD-Ortsverein Lich: "Es ist ja eher selten, dass die SPD Wahlsiege feiern kann", bemerkte Johannes Bork. Sein Appell an alle Anwesenden: "Geben Sie den Populisten keine Chance und unterstützen sie unseren Bürgermeister."

,,Gehen wir sorgsam mit dem politischen Ehrenamt um.

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