In fast der Hälfte aller Streitigkeiten geht es im Kreis Gießen um private Dinge. SYMBOLFOTO: DPA
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In fast der Hälfte aller Streitigkeiten geht es im Kreis Gießen um private Dinge. SYMBOLFOTO: DPA

Streitatlas

Jeder Vierter in Rechtsstreit verwickelt - so streitet der Landkreis

  • vonred Redaktion
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Statistisch gesehen war knapp jeder vierte Kreis-Gießener 2018 in einen Rechtsstreit verwickelt. Der jüngst veröffentlichten Streitatlas zeigt zudem, dass Fälle mit hohem Streitwert zunehmen.

Wer einen Blick in den jüngst veröffentlichten "Streitatlas 2019" wirft, der kommt zu folgendem Ergebnis: Deutschland ist ein ausgesprochen streitfreudiges Land. Auch die Menschen im Gießener Land bilden da keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil, geht es um das eigene Recht, beweisen sie enorme Leidenschaft und Ausdauer.

Statistisch gesehen war 2018 fast jeder vierte Einwohner im Landkreis in einen Rechtsstreit verwickelt, genau genommen waren es 23,1 Streitfälle pro 100 Einwohner. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 24,7 Streitfällen. Interessant ist auch ein Vergleich mit den Nachbarkreisen. Im Lahn-Dill-Kreis wurden geringfügig mehr Zwistigkeiten registriert (23,7) als im Kreis Gießen. Im Vogelsbergkreis waren es dagegen erheblich weniger Streitfälle (19,2).

Vor allem Streit über Privates

Doch nicht nur die Anzahl der Dispute haben die Macher des Streitatlas analysiert. "Seit unserem ersten ›Streitatlas 2013‹ haben wir gut zwei Millionen Streitfälle in Deutschland ausgewertet", sagt Peter Stahl, Vorstandssprecher bei Advocard, dem Rechtsschutzversicherer der Generali in Deutschland. Generali führt die groß angelegte Studie auf Basis der Daten von Advocard alle zwei Jahre durch. "Sie erlaubt uns wertvolle Einblicke in die Streitkultur", sagt Stahl. In zunehmendem Maße beobachten er und seine Kollegen, "dass die Menschen immer häufiger und heftiger miteinander streiten: Insbesondere das private Umfeld bietet hierzu viele Anlässe."

Im Kreis Gießen stehen eben jene Auseinandersetzungen über Privates unangefochten an erster Stelle (42 Prozent), gefolgt von Verkehrsstreitigkeiten (31 Prozent) und Dispute der Kategorie Arbeit und Unternehmen (14,3 Prozent). Im Arbeitsumfeld hängen die Streitgründe häufig mit der Vergütung, Arbeitszeugnissen oder der Kündigung des Arbeitsverhältnisses zusammen.

Streitwert nimmt zu

Rund jeder zehnte Streit im Kreis Gießen übersteigt übrigens einen Wert von 10 000 Euro. Auch damit liegt der Kreis im Bundesschnitt. Und noch etwas ist auffällig: Während Fälle mit geringem Streitwert abgenommen haben, haben jene mit einem Wert bis zu 50 000 Euro zugenommen. Eine mögliche Erklärung könnten Prozesse im Dieselskandal sein, sagen die Experten.

Imposant ist ebenso, wie ausdauernd gestritten wird. Fast die Hälfte aller Fälle in Deutschland dauert zwölf Monate oder länger. Das ist gleichbedeutend mit einem Anstieg von 4,5 Prozent im Vergleich zur vorangegangenen Datenerhebung 2016. Die Studienmacher gehen davon aus, dass dies mit langwierigen Gerichtsprozessen und dem immer häufiger genutzten Gang durch mehrere Instanzen zusammenhängt.

Männer streiten häufiger

Das streitstarke Geschlecht ist wie schon in den vorangegangenen Studien das männliche. Zwei Drittel aller Auseinandersetzungen geht auf die Kappe der Herren. Und das ist nicht der einzige geschlechtsspezifische Unterschied. Männer zoffen sich vor allem beim Thema Verkehr und Mobilität. Bei Frauen liegen Dispute im Bereich Privat- und Strafrecht an erster Stelle.

"Möglicherweise zeigt sich hier auch das Klischee, dass Frauen bei persönlichen Angelegenheiten das Zepter in der Hand halten und Männer sich eher ums Auto kümmern", sagt Experte Stahl. Beim weiblichen Geschlecht verraucht die Wut übrigens schneller, gut jeder fünfte Streit wird innerhalb von drei Monaten geklärt. Männer benötigen dafür dann doch etwas mehr Zeit.

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