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Kita in Linden im Notbetrieb: »Jahrelange Fehlplanung der Stadt«

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Von: Stefan Schaal

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Die derzeitige Situation in der Kita Obergasse sei »misslich«, räumt Bürgermeister Jörg König ein. © Stefan Schaal

Erzieherinnen werden händeringend gesucht: Das hat Lindens Bürgermeister Jörg König kürzlich eingeräumt. Wegen eines Engpasses beim Personal der Kita in der Obergasse schlägt nun der dortige Elternbeirat mit deutlichen Worten Alarm.

Der Elternbeirat der Kindertagesstätte in der Obergasse in Großen-Linden richtet sich aufgrund eines aktuell erheblichen Mangels an Erzieherinnen in der Kita in einem Brandbrief an die Stadt.

»Diese Augen-zu-und-andere werden-es-schon-richten-Politik ist nicht mehr hinnehmbar«, wehren sich die Eltern. »Uns ist es wichtig, dass die Erzieherinnen gute Arbeitsbedingungen haben, weil sie sich nur dann gut um unsere Kinder kümmern können.«

Hintergrund ist, dass fünf Erzieherinnen in der Kita aktuell erkrankt sind. Hinzu kommt, dass zuvor in den vergangenen Wochen vier Erzieherinnen in die im Oktober eröffnete Einrichtung »Kinder(t)räume« im Rahmen interner Bewerbungen gewechselt sind. Statt dem Soll von 11,28 Vollzeitstellen sind daher nur noch 9,19 besetzt. Dies hat zu einem Engpass geführt, den am Dienstag auch Lindens Bürgermeister Jörg König eingeräumt hat.

Die Eröffnung der neuen Kita sei zunächst eine gute Nachricht, schreibt der Elternbeirat. Doch habe die Stadt dafür nicht ausreichend zusätzliche Erzieherinnen eingestellt. Tatsächlich wurde Personal zum großen Teil von anderen Einrichtungen der Stadt abgezogen. Was habe die Stadt getan, um angesichts des daraus resultierenden Personalmangels Abhilfe zu schaffen? »Nach Meinung des Elternbeirats der Kita Obergasse: zu wenig.«

Seit Dienstag laufen die Kindertagesstätten in Linden wieder im Notbetrieb, allerdings auf freiwilliger Basis. Der Bürgermeister hat die Eltern gebeten, zum Schutz vor Corona das städtische Betreuungsangebot nur noch im Notfall in Anspruch zu nehmen und ihre Kinder sieben, wenn möglich auch zwölf Tage zu Hause zu betreuen. In der Kita in der Obergasse herrscht indes bereits seit 18. November wegen der dortigen Personalsituation ein freiwilliger Notbetrieb.

Die derzeitige Lage in der Kindertagesstätte sei nicht eine Folge der Pandemie, betont der Elternbeirat der Kita Obergasse. Vielmehr sei die Situation »ein Resultat aus jahrelanger Fehlplanung und Desinteresse der Stadt Linden an der Qualität ihrer Kinderbetreuungsangebote.« Die Stadt habe versäumt, sich rechtzeitig und umfänglich um Stellenausschreibungen zu kümmern.

Die Stadt Linden sucht Personal per Dauerausschreibung auf der eigenen Homepage und unter anderem in Form von Zeitungsanzeigen. Der Elternbeirat kritisiert, dass die Stadt nicht auch auf üblichen Jobbörsen und Stellenportalen des öffentlichen Dienstes sowie der Arbeitsagentur suche. Ausschreibungen anderer Kommunen im Umkreis seien dort sehr wohl zu finden. »Da stellen wir als Eltern doch infrage, wie viel Mühe sich die Stadt Linden bei der Suche nach Personal gibt.«

Der Elternbeirat regt bei der Stadt auch an, die Personalsituation durch Kräfte im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs oder durch Praktika zu entlasten. »Uns ist klar, dass sich diese Probleme nicht innerhalb weniger Wochen lösen lassen«, endet das Schreiben. »Wir fordern allerdings die Stadt Linden auf, deutlich mehr Engagement in ihren Bemühungen zu zeigen, die Betreuungssituation in den Lindener Kitas zu verbessern.«

König kündigte an, sich mit dem Elternbeirat in Kontakt zu setzen. Die Situation sei »misslich«, gestand er am Dienstag in einer ersten Stellungnahme im Sozialausschuss. Corona und Quarantäne-Fälle in Kitas erschweren die Lage. »Wir sind bemüht, Stellen zu besetzen«, betonte er. Doch Erzieherinnen würden überall gesucht. »In einem Bewerbungsverfahren stellen sich zehn Erzieherinnen vor, von denen gerade mal drei geeignet sind. Am Ende bleibt nur eine Person übrig.«

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