Die Corona-Einschränkungen sorgen auch im Lollarer Jugend- und Beratungszentrum für einen anderen Alltag. FOTO: LKL
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Die Corona-Einschränkungen sorgen auch im Lollarer Jugend- und Beratungszentrum für einen anderen Alltag. FOTO: LKL

Ein Jahr des Umdenkens

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Videochats statt Gruppentreffen, Brieffreundschaften statt Fahrradkursen: Die Jugend- und Gemeinwesenarbeit in Lollar blickt auf ein Jahr zurück, in dem in vielen Bereichen neu gedacht werden musste.

Jugend- und Gemeinwesenarbeit leben vom direkten Kontakt zu Menschen. Umso härter haben die coronabedingten Einschränkungen diese Bereiche getroffen - auch in Lollar, wie kürzlich im Sozialausschuss deutlich wurde. Dort trugen Jugendpfleger Martin Eichler und Sarah Arendt, die in Lollar für Gemeinwesenarbeit zuständig ist, ihre Berichte für 2020 vor.

Eichler informierte über ein aus seiner Sicht "sehr turbulentes Jahr". Anfang des Jahres habe man sich noch neue Konzepte überlegt und etwa das Programm "Bleib cool" zur Konfliktbewältigung im Alltag initiiert. Im März folgte dann die Schließung des Jugendzentrums im Zuge des ersten "Lockdowns". Danach, so Eichler, habe sich der Fokus der Jugendarbeit hin zu Hygieneplänen und Online-Angeboten verschoben, wobei auch Fragen des Datenschutzes eine Rolle gespielt hätten. "Das meiste lief über Telefonate oder wir haben uns über das Fenster unterhalten - eher suboptimal", blickte Eichler zurück.

Virtuell habe die Jugendpflege unter anderem Chats und eine Online-Schnitzeljagd angeboten, außerdem einen Spiele- und Buchverleih für Kinder und Jugendliche aufgebaut. Als digitale Lernhilfe wurde die Hausaufgabenbetreuung per Videochat gestartet, "da wurde klar: Es gibt unglaublich viel Bedarf". Beim digitalen Lernen, das in Schulen auf einmal zum Gebot der Stunde wurde, seien einige Kinder und Jugendliche seinem Eindruck nach kaum noch hinterhergekommen, so Eichler, vor allem auch in Familien mit Migrationshintergrund. Die Frustration sei bei manchen groß gewesen, die Selbstorganisation vielen schwer gefallen.

Im Sommer "vorgetastet"

Im Sommer konnten laut des Jugendpflegers wieder einige Veranstaltungen in Kleingruppen angeboten werden, man habe sich "vorgetastet". Unter anderem veranstaltete die Jugendpflege einen Grillabend und einen Zoobesuch. "Steter Begleiter war die regelmäßige Änderung der Hygienevorschriften", sagte Eichler. Erschwerend sei hinzugekommen, dass es "keine speziellen Regelungen für die Jugendarbeit" gegeben habe. Man sei aber in engem Austausch mit der Kreis-Jugendförderung und dem Jugendring gewesen.

Das Projekt "Lollar spielt" habe er 2020 leider nicht umsetzen können, äußerte sich Eichler. Stattdessen habe er mehrere Familiennachmittage angeboten.

Im Zuge des erneuten "Lockdowns" mussten die offenen Angebote wieder eingestellt werden. Eichler zeigte sich abschließend froh darüber, dass die außerschulische Lernförderung auch für 2021 bewilligt worden sei. Dadurch könne man eine studentische Hilfskraft beschäftigen.

Auch die Gemeinwesenarbeit-Verantwortliche Arendt, beschäftigt über ZAUG, blickte auf ein "schwieriges Jahr" zurück. Am 8. März habe sie noch ein Treffen für Frauen mit rund 60 Teilnehmerinnen in Kooperation mit der jesidischen Gemeinde veranstaltet, kurz darauf folgte der erste "Lockdown". Um der Einsamkeit in Pflegeheimen entgegenzuwirken, habe man mit der Lollarer Grundschule Brieffreundschaften mit Bewohnern geknüpft, "das hat wunderbar funktioniert". Ferner hätten Ehrenamtliche Masken genäht, die dann in der Grundschule genutzt wurden.

Durch die Corona-Einschränkungen hätten vor allem auch Angebote zur Sprachförderung gefehlt, so Arendt. 2021 wolle man da wieder ansetzen. Auch einen Fahrradkurs für Frauen in Kooperation mit der Integrationsbeauftragten habe sie wegen Corona nicht anbieten können, dies solle aber sobald wie möglich nachgeholt werden.

Arendt berichtete auch von Beschwerden über Treffen am Parkplatz im Bereich Schur vor dem Jugendzentrum. Sowohl Anwohner als auch die dortige Moscheegemeinde hätten sich über den hohen Geräuschpegel beklagt. Man sei mit den betreffenden Gruppen ins Gespräch gekommen, habe einige auch für das Bewerbercafé gewinnen können. Im Zuge der Gespräche, so Arendt, habe sie auch die Kontakte zur bulgarischen Community gestärkt. Nun sei ein "Runder Tisch" angedacht, auch Anwohner sollten dabei sein.

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