Ein Jahr Jugendhaft auf Bewährung

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Gießen/Linden(se). Richterin Maddalena Fouladfar begleitete das Urteil mit mahnenden Worten: "Noch einmal kommen Sie mit der Mindeststrafe davon", wandte sie sich an den Angeklagten, der in sechs Wochen sein 21. Lebensjahr vollendet. Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Gießen sah es als erwiesen an, dass der Lindener am 28. April 2019 gegen 6.50 Uhr mit einem Auto und einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 165 km/h durch die württembergische Stadt Heilbronn gerast ist und sich dabei der Verkehrsgefährdung schuldig gemacht hat. Dabei verfügte der Angeklagte nicht einmal über einen Führerschein und stand zur Tatzeit unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln. Außerdem fanden die Polizisten im Kofferraum weitere Drogen "in nicht geringer Menge", in erster Linie Marihuana.

Zahlreiche Vorstrafen

Daher gaben sie ihren Gießener Kollegen den Tipp, auch einmal die Bleibe des jungen Mannes, der bei seinem Vater in Großen-Linden wohnt, in Augenschein zu nehmen. Auch hier wurden die Beamten fündig. Für den Eigenbedarf und zur Finanzierung seines Konsums, räumte der Angeklagte den Besitz ein.

Ein Jahr Jugendhaft auf Bewährung (drei Jahre) lautete das Urteil, das sich an die Forderung von Staatsanwältin Mareen Fischer anlehnte. Darüber hinaus darf der Angeklagte in den nächsten acht Monaten keinen Führerschein erwerben, muss 700 Euro an die Jugendgerichtshilfe abführen, wird einem Bewährungshelfer unterstellt und muss sich regelmäßig einer Drogenkontrolle unterziehen.

Die Kosten des Verfahrens hat der Angeklagte ebenfalls zu tragen. Das wird nicht ganz billig, denn allein sechs Zeugen reisten aus Heilbronn an, darunter fünf Polizeibeamte. Zwar hatte der Lindener die Fahrt nach Heilbronn sowie den Betäubungsmittelbesitz und -konsum gestanden, nicht aber die Verkehrsgefährdung.

In dieser Hinsicht waren die unmissverständlichen Aussagen der Polizeibeamten sehr hilfreich. Danach habe der 21-Jährige vier Personen gefährdet und nur durch Zufall nicht geschädigt. Nach seinem Husarenritt durch die Neckarstadt musste der junge Mann das Fahrzeug stehen lassen, floh zu Fuß weiter, wurde aber von der Polizei gefasst.

Verteidiger Klaus-Dieter Henze bemühte sich, ein weitgehend positives Bild von dem Mann zu zeichnen, der eine Lehre zum Kfz-Mechatroniker im Sommer abschließen will und danach bei seinem jetzigen Brötchengeber tätig sein kann. Für den Angeklagten sprachen sein Geständnis und kooperatives Verhalten. Ins Gewicht fallen allerdings seine zahlreichen Vorstrafen, die längere Gefängnisaufenthalte nach sich zogen.

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