Mmmmmh, lecker! - Bulldogge "Diesel" freut sich aufs Futter. FOTO: MARTIN
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Mmmmmh, lecker! - Bulldogge "Diesel" freut sich aufs Futter. FOTO: MARTIN

Is(s)t der Hund gesund…

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Gesundes Essen? Klar doch! Ernährungsberatung? Überaus hilfreich. Auch bei Tieren? Aber sicher, sagt Maren Martin. Die junge Frau aus Kinzenbach bietet diesen Service für Hunde an - oder besser gesagt: Für Herrchen und Frauchen.

Macht Hundekuchen dick? Das kommt ganz auf die Menge an. Da geht es den Tieren wie den Menschen. Denn auch Tiere können Stoffwechselprobleme haben, können auf Bestandteile ihres Futters allergisch reagieren oder unter Unverträglichkeiten leiden. Von falscher Ernährung mal ganz zu schweigen. Klar doch - der Blick aus Hundeaugen kann (fast) unwiderstehlich sein. Aber es ist grundfalsch von Frauchen, mit ihrem Liebling auf vier Beinen die Weinbrand-Böhnchen zu teilen.

Maren Martin aus Kinzenbach bietet ihre Dienste als Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen an. Wie kommt man dazu? Aus eigener Betroffenheit. "Diesel" hatte Durchfall. Immer wieder Durchfall. Die Englische Bulldogge war schon als Welpe arg gebeutelt. Maren Martin und ihr Lebensgefährte waren nachvollziehbar genervt. Und zunehmend in Sorge. Denn die Tierärztin des Vertrauens bekam die Verdauungsprobleme des jungen Hundes nicht so recht in den Griff. Erst die zurate gezogenen Tierheilpraktikerin Viktoria Beck konnte helfen, so schildert es Maren Martin. "Diesel" ist heute ein putzmunterer dreijähriger Rüde.

Und seitdem hat sie die Idee nicht mehr losgelassen: "Ich wollte verstehen, wie das alles ineinandergreift". Frei nach der Redewendung: "Is(s)t der Hund gesund, freut sich der Mensch".

Die junge Frau hat sich ein Jahr lang zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde ausbilden lassen, hat ein Webinar bei Swanie Simon belegt, die sich als Tierheilpraktikerin in den USA und in Europa einen Namen gemacht hat. Sie gilt als Spezialistin für das sogenannte "Barfen": Das Akronym BARF steht im deutschen Sprachraum gemeinhin für Biologisch Artgerechtes Rohes Futter. Eine Ernährungsmethode, die zunehmend Anhänger findet, wenngleich sie in der klassischen Tiermedizin nicht unumstritten ist und zudem vor Risiken gewarnt wird.

Auch Martin hat ihre beiden Hunde auf Rohfutter umgestellt und berichtet von überaus guten Erfahrungen. Seit Anfang April arbeitet die 33-Jährige mit der Tierheilpraktikerin Viktoria Beck zusammen. So finden sich auch die "Kunden" respektive Klienten. Denn es gibt immer mehr Hunde mit Unverträglichkeiten, mit Allergien, mit Stoffwechselproblemen … Ernährung kann da ein Baustein sein, um dem Liebling auf vier Pfoten zu helfen. Werbung für ihre Dienstleistung macht Maren Martin nicht. Es läuft sehr viel über Mund-zu-Mund-Propaganda. In Abstimmung mit der Tierheilpraktikerin werden individuell zugeschnitte Futterpläne für jedes Tier erarbeitet. "Und dann kommt nahezu zwangsläufig die Frage: Kann ich das Futter auch bei Ihnen kaufen?", berichtet Maren Martin.

Angefangen hat alles mit zwei Tiefkühltruhen und einem Regal voller Leckerlis zur "Untermiete" in der Hundeschule "Miteinander" von Lena Lemp in der Rodheimer Straße in Heuchelheim. Mittlerweile betreibt Martin ein eigenes kleines Geschäft, "Diesel’s Diner", im Wohnhaus der Familie in Kinzenbach.

Zum Futterplan für Bello und Wuff gibt es für deren Halter bei der Ernährungsberatung eine dreimonatige Inklusivbetreuung unter anderem beim Zubereiten des Futters, denn Martin weiß: "Mit Ernährung kann man sehr viel unterstützen". Aber sie rät davon ab, einfach irgendwas selbst zusammenzurühren, denn genauso schnell kann man mit Ernährung auch viel falsch machen: Etwa bei einer Über- oder Unterversorgung mit einzelnen Nährstoffen: Die falsche Menge Eiweiß, fehlende Mineralstoffe, nicht die richtigen Ballaststoffe.

Die Zutaten für den jeweils individuellen Futter-Mix bezieht sie von drei zertifizierten Herstellern und Lieferanten aus Deutschland. Die Ware kommt komplett gefrostet, wie beim "Eismann".

"Viele denken, Barfen kostet einen Haufen Geld oder macht mehr Arbeit", sagt Martin. Aber es ist nach ihrer Erfahrung nicht wirklich viel teurer als ein Sack gutes Trockenfutter. Sie gibt ihren Kunden allerdings mit auf den Weg: Es muss klar sein, dass es etwas mehr Arbeit bedeutet, als nur gepresste Pellets abzuwiegen und in den Napf zu schütten. Um das Futter für "Diesel" und dessen Mutter "Agathe" in genau dem richtigen Mix herzustellen, braucht es jede Woche rund eine Stunde Arbeit.

"Zuerst wurde ich dafür von der Familie und von Freunden belächelt. Der Vater, ein gelernter Metzger und Jäger, war Anfangs der größte Kritiker", erzählt Maren Martin: "Jetzt ist auch er begeistert".

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