+

Iris Berben und die Lesung in Lich

  • Norbert Schmidt
    vonNorbert Schmidt
    schließen

Nicht alle Nachrichten drehten sich vergangene Woche um die Pandemie und deren weitreichenden Auswirkungen, nicht alle um die Politik in Berlin oder Washington: Immer wieder tauchten der Name und das Antlitz einer in vielerlei Hinsicht faszinierenden Filmschauspielerin auf - Iris Berben. Den Feuilletonisten der Printmedien war der 70. Geburtstag dieser Frau am 12. August mindestens ein Seitenaufmacher wert, die Fernsehmacher hoben besondere Filme mit ihr als Darstellerin oder ein paar Folgen der "Sketchup"-Serie ins Programm.

Doch was soll das alles nun auf einer Seite im Kreisteil dieser Zeitung? Warum wird dieser Geburtstag ein Fall für die "Notizen aus der Provinz"? Nun, man könnte hier auf den Langgönser Christoph Amend verweisen, den Chefredakteur des "Zeit Magazins", dessen drittes Buch 2012 in Zusammenarbeit mit Iris Berben entstanden war, die ein Jahr lang in mehreren Gesprächen aus ihrem Leben erzählt hatte, weshalb das Buch auch "Ein Jahr - ein Leben" heißt.

Nein, zum Erinnerungsstück im Kreisteil wird der Geburtstag von Iris Berben aufgrund einer Veranstaltung mit ihr im November 2008 im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge zu Lich. Dort las sie aus dem Werk der aus Nieder-Ohmen stammenden Holocaust-Überlebenden Hilda Stern-Cohen. Nach ihrer Befreiung hat sie in mehr als 150 Gedichten und Prosastücken versucht, sich den Tod ihrer Angehörigen und das Grauen von Auschwitz von der Seele zu schreiben. Werner Cohen, Hildas Ehemann, den sie nach ihrer Emigration in die USA heiratete, hat die Texte erst nach dem Tod seiner Frau 1997 entdeckt und dafür gesorgt, dass sie veröffentlicht wurden. Die Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung hat die Texte 2003 herausgebracht, Iris Berben hat sie im November 2008 gelesen und anschließend tief ergriffen Werner Cohen, der eigens aus Baltimore angereist war, umarmt. Unserem Mitarbeiter André Gather gelang dabei dieses ausdrucksstarke Foto.

HR2, die Kulturwelle des Hessischen Rundfunks, hat die Lesung damals aufgenommen und später in voller Länge gesendet. Bis heute findet sich bei HR2 Kultur im Internet ein knapp sechsminütiger Beitrag unter dem Titel "Texte von Hilda Stern, gelesen von Iris Berben".

no/FOTO: ANDRE GATHER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare