so_istayfo1_120721_4c_1
+
Istayfo Turgay war fünf Jahre lang ehrenamtlicher Dezernent.

Integration als bleibende Aufgabe

  • Rüdiger Soßdorf
    VonRüdiger Soßdorf
    schließen

Die Kreistagssitzung heute in Buseck ist die letzte für Istayfo Turgay als Dezernent. Der Sozialdemokrat hat sich fünf Jahre lang als politischer Quereinsteiger im Ehrenamt für Antidiskriminierung, Integration und Teilhabe engagiert. Dem heute neu zu wählenden Kreisausschuss wird Turgay wohl nicht mehr angehören.

Die Zahl der ehrenamtlichen Beigeordneten im Kreis soll von bislang 16 auf nun zwölf reduziert werden. Auch die beiden ehrenamtlich geführten Dezernate Sport und Integration sollen wegfallen. Darauf hat sich die CDU-geführte Koalition im Kreistag verständigt. Das bislang von Istayfo Turgay geleitete Dezernat wird wohl künftig von einem hauptamtlichen Dezernenten betreut. Über die Aufgabenverteilung entscheidet letztlich die Landrätin.

Turgay, als Quereinsteiger in die Politik gekommen, spricht von einer »turbulenten und spannenden Zeit«, wenn er auf die vergangenen fünf Jahre zurückblickt. Und zeigt sich zufrieden, dass die Arbeit des Dezernats verstetigt wurde. Gerade Integration sei »eine Aufgabe, die uns in den nächsten Jahren weiter begleiten wird«, sagt der Sozialdemokrat aus Pohlheim. Er unterstreicht die Bedeutung der Stabstelle in ihrer Querschnittsfunktion im Miteinander mit anderen Abteilungen. Ob sozialer Wohnungsbau, Jugendförderung, die Arbeit der Ausländerbehörde oder des Impfzentrums - die Anknüpfungspunkte der Stabsstelle sind vielfältig, legt der scheidende Dezernent gemeinsam mit Stabsstellenleiter Israel Be Josef dar.

Eines von vielen Beispielen: Angesichts von Corona wurde eine AG gegründet, um allen Menschen Informationen zu Covid 19 verständlich zugänglich zu machen. Neben Info-Flyern und Plakaten in sieben Sprachen wurde ein Dolmetscher-Angebot auf die Beine gestellt. Eben damit Impfwillige im Impfzentrum umgehend in ihrer Sprache informiert werden. Drei Schwerpunkte nennt Turgay bei seiner bisherigen Arbeit sowie jener der Stabsstelle: Antidiskriminierung, interkulturelle Öffnung der Verwaltung und das Schaffen einer Willkommenskultur.

Wider jegliche Diskriminierung

So wurde nach längerer Vorbereitung der Verein Antidiskriminierung Mittelhessen gegründet. Ziel ist die Sensibilisierung für dieses Thema in die Gesellschaft hinein. Dazu wird seit 2018 ein Antidiskriminierungsnetzwerk für Mittelhessen aufgebaut.

Derzeit wird am Einrichten einer Antidiskriminierungsstelle gearbeitet, übrigens interkommunal. Der Anstoß zu einer solchen Anlauf- und Beratungstelle für Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, kam vom Kreisausländerbeirat. »Nur wenn wir immer wieder aufzeigen, dass Diskriminierung sowohl einzelnen Menschen als auch unserem gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt enorm schadet, können wir Toleranz und Demokratie stärken«, unterstreicht Turgay.

Weiterer Schwerpunkt: Bei der Arbeit der Verwaltung wurde dafür Sorge getragen, im Sinne von Barrierefreiheit eine einfache und verständliche Verwaltungssprache zu etablieren, die dennoch rechtssicher ist. Dazu wurde begonnen, Bescheide und Formulare anzupassen. Das große Ziel des Projekts »Klipp und klar«: Bis 2025 soll alles entsprechend überarbeitet und auf das Nötigste verschlankt sein. Nicht zuletzt wurde seit 2014 mit den Einbürgerungsfeiern begonnen, eine neue Willkommenskultur zu etablieren: Denn, so weiß Turgay: Die Staatsbürgerschaft ist ein klares Bekenntnis zu dem Land, in dem man lebt.

Rege genutzt wird auch die »Integrat-App des Landkreises Gießen, auf der aktuelle Informationen in Englisch, Arabisch, Farsi, Türkisch (und selbstverständlich Deutsch) zur Verfügung gestellt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare