Inklusiver Pakt für den Nachmittag

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Gießen(pm). Die Kreisfraktion der Freien Wähler setzt gemeinsam mit ihren Koalitionspartnern SPD und Grüne die Anpassung der Betreuungs- und Beratungsbedingungen für Kinder mit Behinderung auf die Tagesordnung des nächsten Kreistages.

"Es ist erklärter Wille der Koalitionsfraktionen, dass auch Kinder mit Behinderung am vollen Angebot des Paktes für den Nachmittag teilnehmen können. Das heißt, dass die Schülerbetreuung bis 17 Uhr inklusiv gestaltet werden muss", sagt FW-Fraktionsvorsitzender Günther Semmler. Aktuell sei dies nur eingeschränkt bis 14.30 Uhr möglich. Aufgrund der unklaren Rechtslage werden die notwendigen Teilhabe-Assistenten nicht für die volle Zeit bewilligt. "Mit einer vollständigen Kostenübernahme durch den Landkreis wird gewährleistet, dass behinderte Kinder allen übrigen Kindern gleichgestellt werden", ergänzt Sozialausschussvorsitzende Claudia Zecher. Die Kosten für die vollständig inklusive Gestaltung der Schülerbetreuung betragen rund 20 000 Euro. Das Geld soll im Haushalt 2020 bereitgestellt werden. Dieser wird im Januar beraten.

Der Pakt für den Nachmittag sieht auch eine Betreuung der Schüler für drei Wochen während der Sommerferien vor. Da dies aber keine schulische Veranstaltungen sind, wird aus dem Pakt für den Nachmittag kein Zusatzaufwand für Kinder mit Behinderung finanziert. "Auch hier haben betroffene Familien mit einer Benachteiligung zu kämpfen", sagt Semmler. Für Kinder mit schwerer mehrfacher Behinderung gibt es derzeit keinerlei Betreuungsangebote in den Schulferien. Diese Kinder können nur an Angeboten teilnehmen, die auf ihre Beeinträchtigungen zugeschnitten sind. Daher ist für schwerstmehrfach-behinderte Kinder ein besonders Angebot zu finanzieren, ähnlich wie es schon z. B. durch die Lebenshilfe in den Herbstferien 2019 bereitgestellt wurde. Ergo soll mit weiteren 25 000 Euro ein gleichwertiges Betreuungsangebot geschaffen werden.

Schnittstelle Kita/Schule

"Wir wissen, dass eine qualitativ hochwertige Beratung und Begleitung der Familien mit Kindern mit Behinderung durch den Dschungel von Hilfen und Behörden eine wesentliche Voraussetzung für eine gelingende Inklusion ist", so Claudia Zecher. Bislang erhalten die Familien bis zum Schuleintritt eine Begleitung von der Frühförderung der Lebenshilfe Gießen. "Mit Übergang vom Kindergarten in die Schule endet diese wichtige Unterstützung der Kinder und Familien meist abrupt", weiß Semmler. Nach dem Bundesteilhabegesetz fällt ab 1. Januar 2020 die gesamte Eingliederungshilfe für Kinder mit Behinderung bis zum Ende der Schulzeit in den Zuständigkeitsbereich des Landkreises. Die Freien Wähler befürchten, dass die erforderliche Beratung und Begleitung ad hoc weder quantitativ noch qualitativ für den Landkreis zu leisten ist.

Zwar gibt es seit 2018 eine ergänzende unabhängige Teilhabe-Beratungsstelle. Diese darf jedoch nur eine Erst- und Verweisberatung anbieten, nicht aber eine Fallberatung und -begleitung. Die Koalitionsfraktionen plädieren dafür, die Mittel für die Frühförderstelle der Lebenshilfe um 10 000 Euro aufzustocken, um eine Begleitung von Kindern mit Behinderung und deren Familien bis zum Übergang in eine weiterführende Schule sicherzustellen.

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