Individuelle Betreuung im Mittelpunkt

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Gießen(kme). Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen haben ein Recht auf Eingliederung in die Gesellschaft. Dies sicherzustellen ist Aufgabe des Landeswohlfahrtverbandes Hessen (LWV). Um die individuelle Beratung der Betroffenen stärker in den Mittelpunkt zu rücken, wurde nun in Gießen ein neuer Standort des LWV eröffnet.

Mit dem Auto zur Arbeit fahren, die eigene Wohnung putzen und abends mit Freunden treffen - alltägliche Situationen, die für einen gesunden Menschen keine Hürde darstellen. Mit einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung können solche Situationen jedoch eine große Hürde sein. Der LWV, getragen von den hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten, kümmert sich um die gesellschaftliche Eingliederung dieser benachteiligten Menschen, damit sie so selbstständig und selbstbestimmt wie möglich leben können.

"Die Beratung der Personen findet zu Hause oder in ihrem sozialen Umfeld statt, um individuelle Lösungen zu finden", erklärte Dr. Andreas Jürgens, Erster Beigeordneter des LWV.

Nach einem Gespräch werde der Bedarf der Unterstützung ermittelt und in einem Teilhabeplan festgehalten. Nach diesem Plan werde Unterstützung bei zum Beispiel Mitgliedern des gemeindepsychiatrischen Verbundes Gießen gesucht. "Unser berufserfahrenes Team an Sozialpädagogen hilft vor Ort und individuell", sagte Katja Genieser, Teamleiterin des LWV in Gießen. "Die Wünsche und Bedürfnisse zur Eingliederungshilfe müssen mit dem Betroffenen zusammen eingeschätzt werden." Der neue Standort helfe bei dieser individuellen Einschätzung.

"Es ist wichtig, dass wir landesweite Standards setzen, die Betreuung aber vor Ort, passgenau, dezentral und vor allem persönlich stattfindet", sagte Gerda Weigel-Greilich, Stadträtin und zuständige Dezernentin der Stadt Gießen.

Das 2017 in Kraft getretene Bundesteilhabegesetz besagt, dass jeder Mensch ein Recht auf Eingliederungshilfe hat. Es brachte damit erhebliche Veränderungen in der Eingliederungshilfe mit sich. Zur Finanzierung der Eingliederung gelte in Hessen das sogenannte Lebensabschnittsmodell, sagte Landrätin Anita Schneider. Der Landkreis komme für die Finanzierung der Eingliederung von Kindern und Jugendlichen bis zum Ende der Schulausbildung sowie für Eingliederungshilfen nach dem Rentenalter auf.

Das Land Hessen (LWV) übernehme die Finanzierung für die Altersklassen dazwischen. "Das Bundesteilhabepaket ist ein wichtiger Baustein hin zu einer inklusiven Gesellschaft", erläuterte Schneider. "Dadurch kann unabhängig vom Vermögen jeder Mensch an unserer Gesellschaft teilnehmen."

Doch nicht nur die Finanzierung muss regional stattfinden. "Anders als in anderen Bundesländern übernimmt hier der Kreis die Jugendbetreuung", sagte Weigel-Greilich. "Die inhaltliche, fachliche Betreuung von der Stadt und dem Kreis Gießen sind bereits auf einem sehr hohen Niveau." Jedoch gebe es Schnittstellen zwischen der Betreuung der Altersklassen. Diese Schnittstellen sollen durch den neuen LWV-Standort und die Vereinbarung besser koordiniert werden. Sie soll die Zusammenarbeit von Kreis und Land möglichst verbindlich und transparent regeln, sagte Jürgens. "Die Menschen mit Behinderung profitieren von einer koordinierten Zusammenarbeit."

In der Vereinbarung seien Ziele für die Region, Regelungen zur Kooperation, Planung und Qualitätssicherung festgehalten. "Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Gießen fördert inklusive Sozialräume und Lebensverhältnisse", sagte Jürgens. Die Einrichtung vor Ort und die Vereinbarung seien wichtige Schritte in Richtung einer inklusiven Gesellschaft, erläuterte die Landrätin. "Eine inklusive Gesellschaft stellt nicht die Frage nach der Leistung der Menschen, sondern ändert die Strukturen, damit alle Menschen teilhaben können."

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