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Bürgerbeteiligung in Zeiten der Pandemie: Viel Abstand zwischen den Stühlen. Ralf Ufer (links) stellt den Cleebergern im Waldhaus die Schwerpunkte des Projekts vor, André Haußmann vom »Team 360°« führt durch den Abend. foto. pad

»In dieser Gemarkung ist Potenzial«

  • VonPatrick Dehnhardt
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Bei der Flurbereinigung geht es meist darum, Flächen neu zu sortieren. In Cleeberg geht es allerdings um mehr: Das Umfeld des Dorfs soll sowohl für die Bewohner als auch Touristen und den Naturschutz attraktiver werden.

Die Cleeberger sind an ihrem Dorf interessiert. Die Auftaktveranstaltung zum SILEK im Waldhaus am Freitagabend war ausgebucht, in den Arbeitsgruppen diskutierten die Bürger dann zielgerichtet.

Hinter der Abkürzung SILEK verbirgt sich »Integrierte Ländliche Entwicklungskonzepte mit räumlichen und thematischen Schwerpunkt«. Was das genau bedeutet, erklärte Ralf Ufer vom Amt für Bodenmanagement in Marburg am Rande der Veranstaltung.

Cleeberg steht ein Flurbereinigungsverfahren bevor. Das liegt daran, dass die Europäische Union Vorgaben zur Wasserrahmenrichtlinie gemacht hat. In den nächsten Jahren müssen alle Gewässer in einen guten ökologischen Zustand versetzt werden.

Konkret bedeutet dies, dass unter anderem an Bächen Uferrandstreifen von 15 Metern Breite ausgewiesen werden sollen, um den Düngemitteleintrag zu reduzieren. Zudem sollen die Bäche aus Betonrinnen befreit werden und Platz zum mäandern - also schlängeln - bekommen. »Wir haben die Gewässer früher in der Flurbereinigung begradigt, nun machen wir sie wieder krumm«, sagte Ufer.

In den Uferrandstreifen soll nur noch schonende Landwirtschaft, etwa eine Mahd ein bis zweimal pro Jahr, möglich sein. Um Uferrandstreifen ausweisen zu können, muss man jedoch erst einmal im Besitz der Flächen sein. Dies soll im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens geschehen.

In der Gemarkung Cleeberg gebe es jedoch noch mehr zu tun, als den Bach zu befreien. Agrarprobleme seien vorhanden, zudem müsse Wegebau betrieben und der Naturschutz verbessert werden. Gleichzeitig biete der Ort Möglichkeiten: »In dieser Gemarkung ist Potenzial.«

Wenn man all dies angehen will, geht dies über eine reine Flurbereinigung hinaus - weshalb in Cleeberg ein SILEK stattfinden soll. »Weil die Menschen es hier wollen, wollen wir die gesamte Palette an Möglichkeiten zur Anwendung bringen.« Zudem könnten so auch verschiedene Fördertöpfe angezapft werden.

Ein weiterer wichtiger Unterschied: Eine Flurbereinigung bereitet das Amt vor und setzt sie um. Beim SILEK werden die Bürger mitgenommen und nach ihren Ideen und Kritikpunkten gefragt. »Ich finde es schön, dass wir miteinander arbeiten«, sagte Ortsvorsteherin Heidi Tonhäuser.

Begleitet wird das SILEK vom »Team 360°«. André Haußmann erklärte gleich zu Beginn im Waldhaus den wichtigsten Unterschied zum gleichzeitig stattfindenden Dorfentwicklungsprogramm: Beim SILEK ginge es um Wald und Flur rund ums Dorf, nicht das Dorf selbst.

SILEK dauere gut ein Jahr, sagte Andrea Soboth vom Team 360°. Zunächst gebe es eine Bestandsaufnahme. Soboth zählte zunächst auf, was Auswärtige in Cleeberg sehen. Mit 780 Hektar Wald und 402 Hektar Acker und Grünland sei Cleeberg ein flächenmäßig großes Dorf. Die Artenvielfalt auf den Weiden - von Rindern bis Lamas -, zudem der Panoramawander- und der Kleebachradweg, nicht zuletzt die Burg würden den Ort für den Tourismus attraktiv machen. »Damit kann man arbeiten.«

Wichtiger sei jedoch, wie die Einwohner ihr Dorf beurteilen, welche Verbesserungswünsche sie haben, welche Ideen es noch attraktiver machen könnten. Darum wurden kleine Arbeitsgruppen gebildet und zunächst Kritikpunkte und Ideen gesammelt. Als Mängel wurden dabei etwa die Wegeunterhaltung und fehlende Parkplätze genannt. Potenzial sehen die Cleeberger im Panoramawanderweg.

Die Arbeitsgruppen werden in den kommenden Wochen nun an einzelnen Projekten konkret weiterarbeiten. Das Team 360° wird zusammen mit dem Amt für Bodenmanagement überprüfen, ob und wie sich die Ideen umsetzen lassen, woher Fördergelder fließen könnten. Erst wenn feststeht, was sich ändern soll, wird das Flurbereinigungsverfahren starten.

Eine Flurbereinigung bedeutet stets Verhandlungen mit den Eigentümern. Je besser diese geführt werden, desto weniger führen später zu Rechtsstreitigkeiten. Ufer sagte, dass es in Hessen 200 angeordnete Flurbereinigungsverfahren gibt. Davon sind 120 000 Teilnehmer betroffen. »Unsere Widerspruchsquote liegt bei einem Prozent.«

Gute Verhandlungen brauchen aber Zeit. Allein für die Gespräche mit den Eigentümern in Cleeberg kalkuliert das Amt für Bodenmanagement mit ein bis zwei Jahren. Der Zuschnitt und die Umverlegung der Flächen, Planungen und die Beantragung von Fördermitteln werden ebenfalls Zeit brauchen. Das Verfahren dürfte daher nicht vor 2030 abgeschlossen sein. »Dafür aber fließen Fördermittel im hunderttausender Bereich«, sagte Ufer.

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