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Wildunfälle: In der Winterzeit steigt die Gefahr

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Von: Constantin Hoppe

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Im Kreis Gießen kommt es vermehrt zu Wildunfällen.
Im Kreis Gießen kommt es vermehrt zu Wildunfällen. (Symbolbild) © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Im Herbst und Winter steigt die Gefahr von Wildunfällen auf den Straßen. Im Landkreis Gießen sterben durchschnittlich zwei Rehe pro Tag im Straßenverkehr.

Gießen – In der dunkleren Jahreszeit häufen sich die Wildunfälle. Insbesondere rund um die Umstellung auf Winterzeit am 30. Oktober sollten Autofahrer deshalb besonders vorsichtig sein: Denn den Waldtieren ist die Uhrzeit egal. Sie orientieren sich am Tageslicht und sind vor allem in der Dämmerung aktiv – also nach der Zeitumstellung in den Stoßzeiten des Berufsverkehrs. Wildunfälle auf den Straßen lassen sich jedoch nicht ganz vermeiden.

Eine repräsentative Umfrage der Tankstellenkette HEM hat nun ergeben, dass sich ein großer Teil der Autofahrer in Deutschland nur ungenügend auf die Situation eines Wildunfalls vorbereitet sieht. Zwei Drittel der Befragten gaben dabei an, dass die hinweisenden Straßenschilder unzureichend seien und wünschten sich eine bessere Vorbereitung. Nur fünf Prozent der Befragten gaben an, so sicher hinter dem Lenkrad zu sein, dass sie mit jeder Wild-Situation zurechtkommen würden.

Kreis Gießen: Wildunfälle auf Landstraßen häufen sich

Auch im Landkreis Gießen kommt es immer wieder zu Wildunfällen. Nach Angaben des Landesjagdverbands Hessen wurden im Jagdjahr 2021/22 hier 803 Rehe und 132 Wildschweine bei Verkehrsunfällen getötet. Und die Dunkelziffer liegt noch sehr viel höher: Denn ein Unfall mit kleineren Tieren wie Hasen, Waschbären oder Füchsen werde meist nicht gemeldet.

Dieter Mackenrodt, Vorsitzender des Jagdvereins Hubertus Gießen und Umgebung, kennt einige er besonders gefährdeten Strecken, auf denen es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Autos und Wildtieren kommt: »Die Landstraße 3131 zwischen Garbenteich und Dorf-Güll ist so eine Strecke: Dort wird gerne schnell gefahren und an einer Stelle führt die Strecke durch ein kleines Waldstück. Genau dort kommt es dann zum Zusammenstoß.«

Weitere Strecken mit höherem Risiko im Landkreis sind nach Angaben des Jagdvereins die Landstraße zwischen Rodheim-Bieber und Königsberg, die Landstraße zwischen Krofdorf und Frankenbach im Bereich des Dünsberg sowie der Schiffenberger Weg zwischen Gießen und Hausen.

Wildunfälle im Kreis Gießen: Jäger fordern Geschwindigkeitsbegrenzung

Die Jäger würden gerne Geschwindigkeitsbegrenzungen auf diesen Strecken einrichten. Aber: »Bei HessenMobil ist es schwer, wegen Wildunfällen etwas zu erreichen. Dort gibt es andere Richtlinien und Zahlen, nach denen sie sich richten«, meint Mackenrodt.

Statistisch gesehen wurden in den vergangenen fünf Jahren jeden Tag zwei Rehe im Landkreis Gießen bei Unfällen getötet. Jeden zweiten Tag starb ein Wildschwein infolge eines Unfalls. »Es ist schade um jedes Tier, das totgefahren wird«, sagt Mackenrodt.

Die Statistik der Polizei spricht ebenfalls eine deutliche Sprache: Vom Jahr 2016 bis ins Jahr 2021 stieg die Zahl der Wildunfälle deutlich von 976 auf 1209, teilte das Polizeipräsidium Mittelhessen mit. »Eine mögliche Ursache für die steigenden Wildunfälle dürfte das veränderte Freizeitverhalten der Bürgerinnen und Bürger aufgrund der Corona-Pandemie sein«, sagt Poliei-Pressesprecher Jörg Reinemer. »Viele nutzen mit dem Fahrrad, zu Fuß oder auch auf dem Pferd den Wald für Freizeitaktivitäten. Das Wild weicht dann aus und flüchtet oftmals auf Straßen.« Eine weitere Ursache liegt nach Auskunft der Polizei auch an der Reduzierung des Lebensraums der Tiere, in den letzten Jahren.

Die Jäger im Kreis versuchen deshalb, durch verschiedene Aktionen Wildunfällen vorzubeugen: Reflektoren sollen die Unfallgefahr verringern und bei Häufungen von Unfällen, werden auch die Abschusszahlen erhöht, erklärt Mackenrodt: »Doch das hilft nur dann etwas, wenn Autofahrer der Gefahr durch Wildunfälle Rechnung tragen.«

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