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Impfberechtigte, die Vertrauen in AstraZeneca haben, sollen nun kurzfristig zum Zug kommen können. SYMBOLFOTO: DPA

Impftermine über Landkreis buchbar

  • Jonas Wissner
    VonJonas Wissner
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Auch im Kreis Gießen droht der Impfstoff von AstraZeneca zum Laden- hüter zu werden, 519 Termine sind im April ungenutzt verstrichen. Der Kreis steuert nun nach: Wer berechtigt ist und das Vakzin erhalten möchte, kann ab Sonntag kurzfristig und auf direktem Weg einen Termin buchen.

Der Zick-Zack-Kurs bei der Verwendung des Corona-Impfstoffes von AstraZeneca hat deutschlandweit zu viel Verunsicherung geführt, auch für die Impfkampagne im Kreis Gießen ist das zum Problem geworden: Seit 1. April haben 519 Menschen ihren über das Land gebuchten Impftermin mit diesem Vakzin nicht wahrgenommen, allein am vergangenen Mittwoch waren es dem Kreis zufolge 281.

Dafür gibt es laut Mario Binsch, dem Leiter des Heuchelheimer Impfzentrums, mehrere Gründe: So sei es teils zu Doppelbuchungen gekommen, teils hätten Menschen zuvor kurzfristig eine Impfung beim Hausarzt erhalten. Am deutlichsten schlägt aber offenbar die Skepsis gegenüber dem Impfstoff aus britisch-schwedischer Produktion zu Buche, wie am Freitag bei der vierten Sitzung des Impfbeirats deutlich wurde. Hintergrund: Nachdem anfangs nur Menschen unter 65 Jahren die Substanz erhalten sollten, wurde nach einem kurzzeitigen Impfstopp für AstraZeneca kürzlich für Deutschland verfügt, das Vakzin im Regelfall nur Menschen über 60 zu verabreichen. Anlass sind vereinzelte Fälle von gefährlichen Hirnvenenthrombosen in zeitlichem Zusammenhang mit Impfungen.

»Wir haben große Probleme, AstraZeneca zu verimpfen und müssen uns nun überlegen: Wir gehen wir damit um?«, sagte Landrätin Anita Schneider bei dem virtuellen Treffen am Freitag, das vor allem dem Austausch und der Information dienen soll. Damit möglichst keine Impfdosen verfallen und nicht wahrgenommene Termine kurzfristig wieder vergeben werden können, steuert der Landkreis nun mit einem neuen Angebot nach. Ab Sonntag soll eine Online-Plattform des Landkreises verfügbar sein, bislang erfolgte die Terminvergabe nur zentral über das Land.

Kreisbewohner jenseits der 70, die sich bereits über das Land registriert haben und schon über einen Termin verfügen oder noch auf diesen warten, können sich über die neue »eletronische Impfbrücke« dann kurfristige Termine ab Montag für eine Impfung mit AstraZeneca sichern. Bislang konnten sich Impfberechtigte nicht direkt für eine offene Uhrzeit eintragen, sondern bekamen einen Termin zugewiesen.

Die neuen Zeitfenster sollen nach Rücksprache mit dem DRK jeweils morgens von 7 bis 10 Uhr und abends von 19 bis 22 Uhr angeboten werden - abhängig von den »No Shows«, also ungenutzten Impfterminen. Die Termin-Zeiten werden vom Impfzentrum mit drei bis vier Tagen Vorlauf eingestellt. Erreichbar ist das Portal laut Kreis ab Sonntag über https://corona.lkgi.de. Termine, hieß es weiter, würden direkt per Mail bestätigt. Im Impfzentrum erfolge eine Kontrolle über die vom Land vergebenen Buchungscodes, Zweittermine würden beim Check-out vergeben.

Das Land, so Binsch, habe diesem unbürokratischen Prozedere unter der Maßgabe zugestimmt, dass die Priorisierung eingehalten werde. Das neue Portal biete als Ergänzung den Vorteil, dass übrig gebliebene Dosen nun schneller anderweitig verimpft werden könnten als über das Landesportal, wo im Fall einer telefonischen Anmeldung frei gewordene Zeiten erst per Post versandt würden. Unabhängig von diesem neuen Terminsystem würden auch ungenutzte Dosen anderer Vakzine weiter über die »Resteliste« kurzfristig verabreicht, etwa an Mit- arbeiter von Abstrichzentren oder Feuerwehrsanitäter.

»Es ist ärgerlich, wenn Leute auf eine Impfung warten und andere ihren Termin nicht wahrnehmen«, sagte Binsch mit Blick auf AstraZeneca. »Manche sagen: Ich will es gar nicht mehr haben.« Hessenweit fielen aktuell etwa 30 Prozent der Impftermine für AstraZeneca aus. Die verfallenen Termine hätten im hiesigen Impfzentrum zu großen organisatorischen Herausforderungen geführt. Trotzdem seien unterm Strich nur wenige Dosen der verschiedenen Vazkine aus unterschiedlichen Gründen verfallen: Insgesamt waren es laut Binsch 177 bei knapp 75 000 Impfungen.

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