anj_Vertragliche_Regelun_4c
+
Lag der mittlere Preis für Ein- und Zweifamilienhäuser im Gießener Land 2010 noch bei 168 000 Euro, so hat sich jener Durchschnittswert 2020 bereits um 100 000 Euro auf 268 000 Euro erhöht. SYMBOLBILD. DPA

Immobilienmarkt scheint immun

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
    schließen

Die Pandemie zwingt viele Branchen in die Knie. Ängste um den Arbeitsplatz sind mehr als berechtigt. Auf dem Immobilienmarkt im Kreis Gießen aber ist von Verunsicherung bislang nichts zu spüren: Die Statistik für 2020 weist gar neue Rekorde aus.

Seit vielen Jahren bereits hält deutschlandweit der »Run aufs Betongold« an. Immobilien als Alterssicherung und/oder Wertanlage sind in der Niedrigzinsphase im klaren Vorteil. Vor allem in den Metropolen explodieren die Preise. In München etwa kostete 2014 ein Wohnhaus in einfacher Lage im Schnitt knapp 660 000 Euro - heute sind es 1,2 Millionen Euro.

»So schlimm sieht es bei uns nicht aus«, sagt Tobias Rhiel. Seit Dezember leitet er die Geschäftsstelle des Gutachterausschusses im Amt für Bodenmanagement Marburg. Als Beleg liefert er auf Nachfrage zwei »nackte Zahlen«: 2010 lag danach der mittlere Preis für Ein- und Zweifamilienhäuser im Landkreis (außer Stadt Gießen) bei 168 000 Euro, im Vorjahr waren es »nur« 100 000 Euro mehr.

Nur eine Zahl, die sich im aktuellen Immobilienmarktbericht des Gutachterausschusses für die Kreise Gießen, Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill sowie die Stadt Wetzlar findet (die Städte Marburg und Gießen unterhalten eigene Ausschüsse). Der Bericht beruht auf 90 bis 95 Prozent der 2020 geschlossenen Kaufverträge für bebaute und unbebaute Grundstücke. Die Daten wurden »statistisch bereinigt«, gewähren somit einen aussagekräftigen Trend, wie aus der Landesbehörde verlautete.

Ein Blick in die Statistik für das Gesamtgebiet bestätigt: Der regionale Immobilienmarkt floriert. Was die Verkäufe von Ein- und Zweifamilienhäusern betrifft, erhöhte sich der Geldumsatz im letzten Jahr um satte 15 Prozent, die Zahl der verkauften Objekte stieg um vier Prozent, einzig in Wetzlar gab es einen Rückgang. Stagniert sind dagegen die Bauplatz-Verkäufe, was aber offensichtlich aus einem Mangel an Fläche resultiert.

Richtet man bei der Durchsicht der Statistiken den Fokus auf den Kreis Gießen, wird zunächst eines deutlich: Mit einem Plus von knapp zehn Prozent bei der Zahl der verkauften Ein- und Zweifamilienhäusern nimmt dieser einen Spitzenplatz in der Region ein. Zum Vergleich: In Marburg-Biedenkopf betrug das Plus noch acht Prozent, im Lahn-Dill-Kreis nur ein Prozent, in Wetzlar war es gar ein Minus von fast 14 Prozent.

Die erhöhte Nachfrage nach Immobilien schlägt sich bei den Preisen nieder: Im Gießener Land stiegen sie um 9,8 Prozent, ein Mittelwert für die Region. Dort, so weiter ein Ergebnis der Gutachter, gebe es mittlerweile ein »Süd-Nord-Preisgefälle«: Häuser im Marburger Land kosten im Schnitt 183 000 Euro, im Kreis Gießen schon 268 000 Euro.

Verdopplung des Umsatzes seit 2014

2020 gingen hierzulande 649 Ein- und Zweifamilienhäuser »über den Tresen«, 57 mehr als im Vorjahr. Mithin wechselten 46 Hektar Grund den Besitzer, ein Plus von 2,1 Hektar. Bezahlt wurden dafür 179 Millionen Euro, nochmals 31 Millionen mehr als 2019. Den immensen Anstieg der Investitionen ins »Betongold« veranschaulicht erst recht der Vergleich mit 2014: Damals betrug der Geldumsatz noch 95 Millionen Euro.

Was die unbebauten Grundstücke angeht, so sanken wenigstens hier die Preise. In der Region betrug er im Schnitt 93 statt 102 Euro/Quadratmeter, ein Minus von gut neun Prozent. Doch warnt Rhiel, daraus einen Trend abzuleiten: »Bauplätze werden weiter nachgefragt, doch der Bedarf an Flächen kann eben häufig nur in stadtfernen Gebieten und daher oft preiswerteren Lagen bedient werden.«

Im Gießener Land wurden vergangenes Jahr 186 Parzellen verkauft, 15 Prozent weniger als 2019. Von einem Abwärtstrend ist hier nichts zu bemerken. Im Gegenteil: Im gesamten Kreisgebiet - bekanntlich wird das Bauland billiger, je weiter man sich von Gießen entfernt - stiegen die Preise um 4,7 Prozent. Im Schnitt kostete der Quadratmeter 166 Euro, ein Plus von acht Euro. Und das, obgleich 17 000 Quadratmeter weniger den Besitzer wechselten.

Ein signifikanter Einfluss auf den regionalen Immobilienmarkt, so das Fazit Rhiels, sei derzeit nicht nachweisbar. Bei weiter niedrigen Zinsen dürfte die Nachfrage noch anhalten, »doch gemäßigter als in den Vorjahren«.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare