Vom Immobilienboom profitieren

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Gießen/München (pm). Wie können der ländliche Raum, aber auch die Ballungsgebiete der Region von der Dynamik des Immobilien-Booms profitieren? Diese Frage stand für viele Vertreter der Kommunen und Unternehmen am mittelhessischen Gemeinschaftsstand auf der Expo Real in München im Fokus. 36 Teilnehmer haben sich zusammengetan, um auf der größten europäischen Immobilienmesse Präsenz zu zeigen, Kontakte zu pflegen und Projekte zu entwickeln, darunter 16 aus dem Gießener Land, der Wetterau und dem Vogelsberg.

Die Experten sehen noch kein Ende des Booms, wie Sina Lupp von der Adolf Lupp GmbH & Co KG aus Nidda erklärt: "Wir sind bis Ende des nächsten Jahres komplett ausgelastet." Auf der Messe hat das Unternehmen einen Vertrag über die Erstellung eines Hochhaus-Rohbaus für das Frankfurter Büroturmprojekt "99 West" als Teil des Senckenberg-Quartiers unterzeichnet. Jörg Fischer von der Gesellschaft für Handel und Immobilien sagte, "man macht sich aber auch Gedanken: wohin geht die Reise im Immobilienmarkt?" Er beschäftigte sich konkret mit einem großen Pflegeheim mit betreutem Wohnen in Weimar und ein Fachmarktzentrum in Braunfels.

Ansiedlung kompensiert Jobverlust

Einer der Besucher auf dem Mittelhessenstand war der Hessische Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Tarek Al-Wazir, der sich bei Vertretern der Banken über die Gefahr einer Immobilienblase erkundigte. Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen, verneinte das für die Region. "Solange Mieten bezahlt werden, gibt es der Markt her", hieß es von den regionalen Bankern, und dass Mittelhessen ein Standort sei, an dem man gut miteinander umgehe. Ilona Roth, Vorstand der Sparkasse Gießen, sagte: "Wenn Immobilien da sind, werden sie vom Markt aufgenommen. Es mangelt eher an Flächen."

Bei Daniel Beitlich von der Revikon GmbH erkundigte sich der Minister nach der Akzeptanz in der Bevölkerung bei der Ansiedlung von Logistik-Unternehmen wie dem Versandhändler Otto in Gießen. Da das "Gewerbegebiet am alten Flughafen" bereits vor der Konversion für Logistik genutzt worden sei, gebe es hier keine Schwierigkeiten. Vielmehr kompensiere die Ansiedlung den Jobverlust, der durch den Abzug der US-Armee und ihrer Einrichtungen entstanden sei. Gießens Bürgermeister Peter Neidel berichtete von großem Interesse bei Investoren. Die Stadt habe keine eigenen Flächen mehr, "aber wir haben private Investoren und Eigentümer von Flächen, wo wir vermitteln und Ansiedlungen befördern möchten."

Mit seiner Regionalplanung war das Regierungspräsidium Gießen zum ersten Mal auf der Messe vertreten. Harald Metzger erklärte, "in der Neuaufstellung des Regionalplans wird das Thema Gewerbeflächen ein beherrschendes Thema. Wir sind im Moment dabei, ein Gewerbeflächenkonzept aufzustellen, das derzeit in die Endphase geht." Auf der Messe komme man auch informell mit den Betroffenen ins Gespräch.

Jochen Ahl, Senior-Partner der IMAXX, bilanziert: "Eine so starke Dynamik habe ich seit 30 Jahren bisher nicht erlebt, der Markt ist extrem in Bewegung, wir in Mittelhessen sind mittendrin und haben einen guten Anteil daran. Durch die Nähe zum Rhein-Main-Gebiet profitieren wir gewaltig."

Bei Stephan Faber von Faber & Schnepp erfuhr der Minister von den Problemen mittelständischer Bauunternehmen: So gebe es mangels neuer Steinbrüche kaum Möglichkeiten, bei Bauarbeiten entstandenen Erdaushub zu verfüllen. Zudem gebe es Rohstoff-Probleme beim Straßenbau. Der für Asphalt notwendige qualitativ gute Stein wandere zunehmend in die Beton-Mischungen der Baustellen im Rhein-Main-Gebiet.

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