Immer weniger Rinder

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In den vergangenen fünf Jahren ist der Bestand an Rindern hierzulande um zwölf Prozent gesunken. Damit liegt der Landkreis im bundesdeutschen Trend. Doch der Verbrauch steigt weiter an.

Rund 11,6 Millionen Milchkühe, Mastrinder, Zuchttiere, Mutterkühe oder Kälbchen standen im November 2019 in den Ställen und auf der Weide von Flensburg bis Berchtesgaden. Das sind rund 310 000 weniger als ein Jahr vorher und bedeutet einen Rückgang um 2,6 Prozent.

Der Landkreis Gießen liegt diesbezüglich im bundesdeutschen Trend. Auch hierzulande geht die Rinderhaltung zurück, wenn auch weniger deutlich: Im November 2019 (aktuellere Zahlen sind noch nicht verfügbar) wurden im Gießener Land 12 349 Tiere gehalten, 43 weniger als noch im Jahr davor. Das entspricht einem Rückgang um 0,35 Prozent.

Der Rindfleischverbrauch in Deutschland steigt aber an. Die Lücke wird durch Importe geschlossen: Aktuell liegt der Selbstversorgungsgrad laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft bei 97,1 Prozent. Zehn Kilo Rindfleisch isst der Deutsche derzeit pro Kopf, weitere 4,6 Kilo werden anderweitig verwendet, beispielsweise als Leder oder Hundefutter. Bedeutend ist auch die Funktion als Milchlieferant. 3482 der 12 349 Rinder im Landkreis sind Milchkühe.

18,5 Prozent weniger Milchkühe

Weit aussagekräftiger aber als nur ein Rückblick von 2019 auf 2018 ist die Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren: 2014 registrierten die Statistiker im Kreis Gießen 14 043 Rinder (Milchkühe: 4274). Im vergangenen November waren es eben jene bereits genannten 12 349 Rinder (Milchkühe: 3482). Die Zahl der Rinder ging in jenem Zeitraum also um zwölf Prozent zurück, die Zahl der Milchkühe sogar um 18,5 Prozent.

Wenn es darum geht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, haben die Landwirte im Grunde drei Möglichkeiten: Zuchtvieh, Milchvieh und Mastvieh. Gut koppeln lassen sich Milcherzeugung und Fleischproduktion. Die zuletzt gezählten 3482 Milchkühe machen dabei momentan 28,2 Prozent des gesamten Rinderbestands aus (2014 waren es noch 30,4 Prozent). Deutschlandweit dagegen kletterte dieser Anteil in den vergangenen fünf Jahren von 33,7 Prozent (2014) auf 34,5 Prozent (2019).

Nun ist aus der Ernährungsfrage mittlerweile fast schon eine Glaubensfrage geworden. "Kein anderer Sektor trägt so massiv zum Verlust der Artenvielfalt, der Rodung von Wäldern und der Zerstörung unseres Klimas, der Gefährdung unserer Gesundheitssysteme und zum Leid der Tiere bei wie die industrielle Fleischproduktion", sagt etwa die Heinrich-Böll-Stiftung, die parteinahe Stiftung von Bündnis 90/Die Grünen, die den soge-nannten "Fleischatlas" herausgibt.

Im Situationsbericht 2019/20 des deutschen Bauernverbandes wurden die Verbraucherpreise als ein Grund für den Rückgang bei der Rinderhaltung genannt. Im Grunde lässt sich die Gemengelage auf diesen Nenner bringen: Fleischesser profitierten, Landwirte eher nicht. Für ein Kilo Rindfleisch zum Kochen müsse der Deutsche heute 27 Minuten arbeiten, statt 72 wie 1970.

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