Waschbären sehen knuffig aus, können jedoch zum Problem werden.
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Waschbären sehen knuffig aus, können jedoch zum Problem werden.

Ungebetene Gäste

Immer mehr Waschbären im Kreis Gießen

Waschbären sehen knuffig aus, können aber für viel Chaos sorgen. Das musste ein Anwohner in Odenhausen feststellen. Die Population der invasiven Tierart schein im Kreis Gießen weiter zu wachsen.

Die ungebetenen Besucher hinterließen nachts oft deutliche Spuren. Regelmäßig rissen sie den Kompostbehälter sowie die Mülleimer auf, um diese zu durchwühlen oder buddelten reihenweise Setzkartoffeln aus, die erst am Vortag mühevoll gepflanzt worden waren. Auch am Gartenteich machten sie sich zu schaffen. Die herausgerissenen Wasserpflanzen verteilten sie im Garten, und auch den kleinen Bewohnern des Gewässers ging es an den Kragen: »Viele Molche wurden gefangen und totgebissen«, berichtet der Besitzer des Grundstücks, der sich vor allem über die Kletterspuren auf halber Haushöhe am Fallrohr sorgte: Würden die Waschbären sich nun auf seinem Dachboden breit machen?

Waschbären im Kreis Gießen: Für Lebendfallen Lizenz erforderlich

Die Tiere auf eigene Faust zu fangen, ist verboten. Denn auch für Lebendfallen ist eine entsprechende Lizenz erforderlich. Und an einem anderen Ort freigelassen werden, dürfen sie Tiere sowieso nicht. Schließlich gilt der Waschbär als invasive Art - was auch in Bezug auf Waschbärvorkommen außerhalb von Wohngebieten für reichlich Zündstoff sorgt.

Ähnlich wie beim Wolf geht es dabei um Fragen der Populations-Regulierung. Sprich: darf und sollte man Waschbären abschießen? Der NABU verneint das, er lehnt die Jagd auf Waschbären ab. Die Gießener Pressesprecherin Peggy Schneeweiß nennt sie »unsinnig« und verweist auf Untersuchungen aus Skandinavien, die gezeigt hätten, »dass eine intensive Bejagung die Reproduktion und Ausbreitungsgeschwindigkeit eher verstärkt«. Nur im Einzelfall könne eine Jagd auf Waschbären sinnvoll sein, um »lokal gefährdete Arten lokal zu schützen«, etwa in Wiesenbrütergebieten. Der Landesjagdverband Hessen hingegen bezeichnet dies als »Käseglocken-Naturschutz«, mit dem sich nur Arten schützen ließen, die an bestimmte Gebiete gebunden sind. Andere, wie das Rebhuhn, die Feldlerche, die Gauammer oder der Feldhase würden nicht berücksichtigt.

Waschbären im Kreis Gießen: Blick in die Statistik

Der Verband hält die Jagd »vor allem im Rahmen der Niederwildhege beziehungsweise des Artenschutzes« daher für notwendig und spricht sich für die Jagd mit Lebendfallen aus. Durch diese werde auch das oftmals unterschätzte Ausmaß der Ausbreitung sichtbar gemacht.

Dass der Waschbär - im Gegensatz zum Wolf - in unseren Gefilden mittlerweile sehr verbreitet ist, zeigt auch ein Blick auf die Jagd-Statistik: So wurden im Jagdjahr 2019/2020 mit 1689 Tieren so viele Waschbären erlegt, wie noch nie zuvor. Zum Vergleich: 2002/2003 waren es 202 Tiere gewesen. Zwar kann man aus den sogenannten »Jagdstrecken« nicht zwangsläufig auf die realen Besätze schließen, doch der Landesjagdverband verweist auf wissenschaftliche Untersuchungen, die im Fall des Waschbären von einer Korrelation ausgehen.

Kreis Gießen: Waschbären keinen Anreiz bieten

Um ungebetenen Besuch zu vermeiden, sollte man darauf achten, Waschbären keinen Anreiz zu bieten, auf einem Grundstück zu verweilen. Und wer die nächtlichen Unruhestifter kennenlernen will, kann es machen wie unser Leser aus Odenhausen: Mithilfe einer Wildkamera halt er die »maskierten« Einbrecher auf frischer Tat ertappt - im vergangenen Jahr waren es mindestens sechs verschiedene, in diesem Jahr hatte er bereits einen hungrigen Gast.

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