Immer der Nase nach

  • Lena Karber
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Die Rettungshundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes Mittelhessen mit Sitz in Wettenberg feiert in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. Allerdings mangelt es an Nachwuchs. Nach Einschätzung von Staffelleiter Alexander Strombach scheuen sich heutzutage viele davor, sich zu etwas zu verpflichten - noch dazu, wenn es zeitaufwendig und bisweilen unbequem ist.

Erst als Sam sich fokussiert hat, bekommt sie von Tobias Müller das Signal, loszulaufen. Mit dem Arm zeigt der Hundeführer die Richtung an, dann rennt die Hündin los und sucht das Gelände ab. Dabei darf sie sich nicht auf ihre Augen verlassen, sondern muss die Millionen von Riechzellen in ihrer Nase gezielt einsetzen. Schließlich kann es gut sein, dass sich vermisste Personen an Stellen befinden, die für sie nicht einsehbar sind. Wenn es um Leben und Tod geht, ist es wichtig, dass Sam sie mit ihrem Geruchssinn genau lokalisiert und die Stelle durch Bellen anzeigt - ohne sich von anderen Dingen ablenken zu lassen.

Sam ist einer von zehn geprüften Rettungshunden der Staffel des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Mittelhessen mit Sitz in Wettenberg, die die Polizei bei der Suche nach vermissten Personen unterstützt. Das können demente Senioren sein oder Personen, die sich umbringen wollen, vermisste Kinder, nicht zurückgekehrte Sportler oder Menschen, die nach einem Unfall im Schock davongelaufen sind, erklärt Staffelleiter Alexander Strombach. Mit den Mitgliedern trainiert er etwa zehn Stunden pro Woche, damit sie für den Ernstfall gewappnet sind - der in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt 8,7 Mal eingetreten ist. Zudem gehört allerlei Theorie zum Rüstzeug der Ehrenamtlichen.

»Man braucht schon eine ordentliche Portion Idealismus, um das zu machen«, sagt der 41-Jährige, der seit dem Gründungsjahr 2006 Mitglied der ASB-Rettungshundestaffel ist.

Der hohe Aufwand ist es wohl auch, der dazu führt, dass die Einheit heute, im 15. Jahr ihres Bestehens, Nachwuchssorgen plagen. »Ich habe das Gefühl, dass die Leute sich allgemein nicht binden wollen«, sagt Strombach. So sei ja aktuell die Hilfsbereitschaft nach dem Hochwasser im Ahrtal immens, vor der Verpflichtung, die mit dem Beitritt in eine Hilfsorganisation einhergehe, würden viele hingegen zurückschrecken. Zudem sieht er seine Organisation hierzulande in einer ungünstigen Position, da es drei Hundestaffeln gebe: »Der ASB ist in der Gießener Region relativ unbekannt«, sagt er. Daher seien Johanniter oder Deutsches Rotes Kreuz bei der Werbung von Ehrenamtlichen im Vorteil. »Wir sind aber keine Konkurrenten, sondern arbeiten super zusammen«, betont er.

Neben den geprüften Hunden befinden sich beim ASB aktuell zwei weitere Anwärter in der Ausbildung. Ab einem Alter von 12 Wochen können die Tiere prinzipiell am Training teilnehmen, in der Regel seien sie zu Beginn der Ausbildung ein bis zwei Jahre alt, sagt Strombach. Der Schwierigkeitsgrad der Übungen wird entsprechend an den Hund angepasst, auch die grundsätzliche »Menschgewöhnung« wird trainiert. »Allerdings muss man sagen, dass alles, was im Bereich der Unterordnung liegt, viel in Eigenarbeit geübt werden muss«, sagt er.

Geeignet sind laut Strombach etwa Hütehunde, weil diese in der Regel sehr daran interessiert seien, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Andere Rassen könnten jedoch ebenso gut zum Rettungshund ausgebildet werden. »Wir haben auch einen slowenischen Straßenhund dabei«, sagt er. »Der Hund sollte gesund sein, etwa kniehoch und sich motivieren lassen.«

Für entscheidender hält Strombach die Eignung des Menschen. »Wir sind kein Hundesportverein, der einfach nur Spaß macht. Das muss einem klar sein«, sagt er. Sich im Wald oder im Gelände zu verstecken und bei Wind und Wetter zu trainieren, sei nicht für jeden etwas. Zudem müsse man Interesse daran haben, mit anderen Hunden zu arbeiten, diszipliniert zu sein und sich ins Team zu integrieren. »Wir brauchen keine Einzelkämpfer«, sagt er. Deshalb sei es wichtig, zwei Dinge mitzubringen: Zeit und die richtige Grundeinstellung. »In erster Linie geht es um die Rettung von Menschenleben«, betont der Staffelleiter. »Und erst in zweiter Linie um Beschäftigung für den Hund.« Wenn diese Motivation da sei, sei auch der Antrieb größer, dabeizubleiben.

Er selbst empfindet die ehrenamtliche Tätigkeit als wertvolle Teamarbeit, die ihm auch nach 15 Jahren noch Freude bereitet. »Man kommt so richtig raus aus seinem Alltag und an die frische Luft, hat spannende Erlebnisse und kann dabei etwas Gutes tun«, sagt Strombach. »Dass man das gemeinsam mit seinem Hund machen kann, ist unheimlich erfüllend.«

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