Zu den Meilensteinen in der Geschichte des Musicalchores Treis zählen so aufwendige Inszenierungen wie "Becky Sharp – Aufstieg einer Mörderin"
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Zu den Meilensteinen in der Geschichte des Musicalchores Treis zählen so aufwendige Inszenierungen wie »Becky Sharp – Aufstieg einer Mörderin«

Im »Starlight Express« nach Treis

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Große Momente beschert der Musicalchor Treis seit einigen Jahren einer stetig wachsenden Fangemeinde. Für den nächsten Knüller wird längst eifrig geprobt, größtenteils virtuell. Die Pandemie jedenfalls kann den »Starlight Express« nicht ausbremsen.

Sie brennen für ihr Projekt, nehmen dafür Zoom-Konferenzen und Online-Singstunden in Kauf, lassen sich durch widrige Bedingungen wie etwa Gesangsproben auf dem Sportplatz (August 2020) oder in einer Dreschhalle (Herbst 2020) nicht unterkriegen: Der »Starlight Express« soll im Oktober durch die Sport- und Kulturhalle in Treis brettern - und das gleich sechs Mal.

Schon länger hatte der Treiser Jugendchor mit den Aufführungsrechten für eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten geliebäugelt - zunächst war der Plan am Prioritätsrecht des Bochumer Musicaltheaters gescheitert, das Werk des Komponisten Andrew Lloyd Webber lag für Laiengruppen »auf Eis«. Im zweiten Anlauf kam dann vor etwa einem Jahr der Zuschlag. Die Treiser selbst hatten dem »Starlight Express« in einer internen Abstimmung den Vorzug gegeben vor »Grease«, »9 to 5«, »Loserville« und »Fame«. Und das nicht nur, weil sie von der Geschichte um die liebenswerte Dampflok Rusty überzeugt sind: Der Chor hat in dieser Inszenierung einen entscheidenden Part und wird keineswegs auf eine Nebenrolle reduziert.

Musicalchor ist eine Art Familie geworden

Über die Jahre ist der Musicalchor Treis für die jungen Leute zu einer Art Familie geworden. Startete der »Ableger« der evangelischen Kirchengemeinde vor 15 Jahren mit neun Mitwirkenden, so ist das Ensemble unter der Leitung von Dekanantskantorin Daniela Werner mittlerweile auf 44 aktive Sängerinnen und Sänger angewachsen. Wobei diese Beschreibung viel zu kurz gegriffen ist: Neben Chor- und Sologesang beherrschen »die Treiser« längst auch Choreografie und Schauspiel. Das stellten sie in Inszenierungen wie »Aida« (2010), »Jesus Christ Superstar« (2011), »Die Zehn Gebote« (2013). »Die Schöne und das Biest« (2015), »Natürlich blond« (2017) und »Becky Sharp - Aufstieg einer Mörderin« (2019) eindrucksvoll unter Beweis. In der Regel vor mehrfach ausverkauftem Haus.

»Schmankerl« sind stets Kulissenbau und Kostüme - ebenso aufwendig wie originell. Dafür kann der Chor auf eine bewährte Mannschaft zählen. Nur eine Vorbesprechung war nötig, dann ging Anni Hillgärtner mit Nadel, Faden und Nähmaschine ans Werk; Verstärkung bekommt sie von Cathrin Schuch und Erika May. Die ersten Kostüme sind bereits fertig und können demnächst anprobiert werden.

Der Musicalchor Treis will den Publikum Spektakuläres bieten.

Die neue Inszenierung verspricht Spektakuläres, schließlich sind besondere »Zutaten« mit im Spiel: Laut Original-Skript werden Lokomotiven oder Waggons von Darstellern auf Rollschuhen oder Inlinern recht temporeich dargestellt. »Einige Solisten werden tatsächlich auf Rollschuhen unterwegs sein«, verspricht Daniela Werner. Die passenden Anleitungen wird sich der Chor beim Rollschuhverein Gießen holen - mehr wird an dieser Stelle nicht verraten.

Musicalchor Treis: „Eigener Anspruch hat sich nach oben geschraubt“

Das Musical als Show, als Erlebnis für das Publikum: Das soll auch und gerade trotz der durch die Pandemie erschwerten Bedingungen gewährleistet sein. »Unser eigener Anspruch hat sich weit nach oben geschraubt«, sagt die Chorleiterin. Sie selbst hatte den Herbst über damit zu tun, das gesamte Musical einzusingen, damit sich die jungen Akteure anhand von Übungs-Files orientieren und auf die Proben vorbereiten können. Damit wenigstens jeweils zehn von ihnen gemeinsam im Gemeindehaus in Treis proben können, war ein Hygienekonzept notwendig. Auch das ertragen alle geduldig. »Die, die bei uns mitmachen, haben Spaß und freuen sich, dass überhaupt etwas stattfindet«, sagt Werner.

Nicht alles aber kann im kleinen Kreis bzw. per Videokonferenz eingeübt werden: »Mehrstimmigkeit und Choreo funktionieren nur gemeinsam«, erläutert Werner. Um die Aufführungstermine im Oktober 2021 halten zu können, müsste nach Pfingsten der gewohnte Probebetrieb losgehen - nach Rücksprache mit dem TSV Treis könnte dafür der Sportplatz genutzt werden. Anfang Juli jedenfalls schlägt die Stunde der Wahrheit - dann wird entschieden, ob sich der »Starlight Express« coronabedingt erst 2022 in Bewegung setzen wird. Werner: »Wenn nur jeder dritte Platz besetzt werden darf, kriegen wir das finanziell nicht gestemmt.« Kosten von rund 36 000 Euro (für Ton- und Lichttechnik, Aufführungsrechte, Kostüme, Kulissen, die Band) müssen schließlich erwirtschaftet werden. FOTO: IK

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