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Laut Polizeistatistik zeigen die verschiedenen Maßnahmen an der Biker-Strecke B 276 bei Laubach Wirkung, die Unfallzahlen waren im vergangenen Jahr rückläufig. Dennoch kracht es dort immer wieder - wie hier im April 2020.

Gießen

Unfallstatistik veröffentlicht – Im Landkreis kracht es im Schnitt alle 95 Minuten

  • VonRedaktion
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Die Zahl der Unfälle im Kreis Gießen ist rückläufig. Dennoch verunglückten im vergangenen Jahr im Schnitt alle eineinhalb Stunden Auto-, Rad- oder Motorradfahrer.

Gießen – Alle 95 Minuten registrierte das Polizeipräsidium Mittelhessen im vergangenen Jahr einen Unfall im Kreis Gießen. Alle 8,5 Stunden wurde ein Mensch bei einem Unfall leicht oder schwer verletzt. Alle 46 Tage starb im Kreisgebiet ein Mensch durch einen Verkehrsunfall. Alle fünfeinhalb Stunden beging ein Autofahrer Unfallflucht. Und alle 7,6 Stunden wurde ein Wildunfall polizeilich registriert.

Polizeipräsident Bernd Paul hat am Dienstag die Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr vorgestellt. Die Zahlen sowohl für das gesamte Gebiet des Polizeipräsidiums Mittelhessen als auch den Landkreis Gießen sind demnach zurückgegangen. Auch die Zahl der Verkehrstoten ist rückläufig.

Unfallstatistik im Landkreis Gießen für 2020: Pandemie macht sich bemerkbar

Präsidiumsweit starben im Vorjahr 42 Menschen (2019: 49) bei 19 615 Unfällen (23 786). Mehr als die Hälfte davon entfallen auf Wildunfälle (5201) und Unfallfluchten (5204).

»Die Pandemie hatte im letzten Jahr deutliche Auswirkungen auf die Verkehrsunfallstatistik«, erklärt Paul. Diese Entwicklung, ein Rückgang von etwas über 4000 Unfällen, bedeute gleichzeitig den niedrigsten Wert seit Einrichtung des Präsidiums vor 20 Jahren. Der Polizeipräsident beklagt die weiter hohe Anzahl an Verkehrstoten auf den mittelhessischen Straßen. Von den 42 Personen, die in den vier Landkreisen und auf den Bundesautobahnen in Mittelhessen ums Leben gekommen sind, starben 19, also fast die Hälfte, weil zu schnell gefahren wurde. Zu hohe Geschwindigkeit sei mit fast 20 Prozent weiterhin die Hauptunfallursache, wenn Menschen verletzt oder getötet werden. »Wir wollen unsere Bemühungen weiter verstärken und gegen rücksichtslose Raser konsequent vorgehen«, kündigte Bernd Paul an.

Im Landkreis Gießen sind die Unfallzahlen um etwas mehr als 18 Prozent auf 4543 Unfälle gesunken. Bei der Zahl der Unfälle mit Toten und Schwerverletzten kam es zu einem Rückgang von 153 auf 126. Bei diesen Unfällen starben im vergangenen Jahr sechs Menschen, 134 wurden schwer verletzt, 676 leicht. 2019 waren es acht Verkehrstote, 2017 elf. Die Zahl der Schwerverletzten sank kontinuierlich, 2019 waren es 164, zwei Jahre zuvor 219.

Gießen: Polizei konnte 2020 mehr gemeldete Unfallfluchten aufklären

»Sehr erfreulich ist die Entwicklung bei der Aufklärungsquote bei den Unfallfluchten. Wir konnten 45 Prozent aller gemeldeten Unfallfluchten aufklären«, erklärt der Leiter der Polizeidirektion Gießen, Joachim Bernard. Dies bedeute den besten Wert der letzten Jahre. »Weiter im Fokus stehen für uns Raser, Poser und Tuner«, sagt Bernard. Bereits im vorletzten Jahr hat die Polizei dazu eine Arbeitsgruppe eingerichtet. In 170 Fällen kam es seit Mai 2019 zum Erlöschen der Betriebserlaubnis. Alle Fälle hatten Verfahren zur Folge. »Viele der Autofahrer sind sich nicht bewusst, dass sie mit den vorgenommenen illegalen Veränderungen an ihrem Fahrzeug sich und andere gefährden«, so Bernard.

Silke Fritzsch, Leiterin des regionalen Verkehrsdienstes in Gießen, ergänzte, dass die Unfallzahlen der im Fokus stehenden Strecken Bundesstraße 457 zwischen Gießen und Hungen und Bundesstraße 276 bei Laubach reduziert werden konnten. Auf der bei Bikern beliebten Strecke wurden im vergangenen Jahr fünf Motorradfahrer getötet oder schwerverletzt. Dies bedeutet einen Rückgang gegenüber 2019. Im vorletzten Jahr zählte die Polizei dort 16 Biker, die ums Leben kamen oder schwer verletzt wurden.

»Wir haben 2020 unsere Kontrollen dort intensiviert und sind konsequent gegen Raser vorgegangen«, berichtete die Leiterin des Verkehrsdienstes. Zudem wurden dort in Zusammenarbeit mit anderen Behörden bauliche Maßnahmen umgesetzt. Ähnlich verhält es sich an der B 457. Insbesondere durch bauliche Veränderungen, beispielsweise im Bereich der Auffahrt zur A 5, konnten die Unfallzahlen auf dem Abschnitt zwischen der Automeile Gießen und dem Kreisverkehr in Hungen auf zuletzt 71 deutlich reduziert werden. Fast die Hälfte davon waren Wildunfälle. 2019 wurden noch 102 Verkehrsunfälle aufgenommen.

Unfallstatistik für den Kreis Gießen: Polizei setzt auf Präventionsprogramme

Insgesamt gelte »ein besonderes Interesse« der Polizei der Verkehrsprävention. Leitender Polizeidirektor Manfred Kaletsch erinnert als Leiter der Abteilung Einsatz an das umfangreiche Präventionsprogramm »Verkehrssicher in Mittelhessen«, das vor 14 Jahren ins Leben gerufen wurde und ein »breites Fundament in der Präventionsarbeit geschaffen« habe. Es wurde mit vielen Aktionen - zum Beispiel »BOB« vor allem für junge Erwachsene oder »MAX« mit Blick auf Senioren - bekannt gemacht. »Wir wollen damit die Verkehrsteilnehmer über Unfallgefahren und deren schlimme Folgen aufklären.« Beispielsweise sei durch die Aktion »BOB« erreicht worden, dass im vergangenen Jahr über 70 Prozent weniger junge Personen am Steuer durch den Einfluss von Alkohol verunglückten, als noch vor Beginn des Projekts 2006.

»Diese vorbeugenden Maßnahmen, in denen wir unterschiedliche Zielgruppen zu unterschiedlichen Themen ansprechen, wollen wir weiter ausbauen und dabei auch eng mit anderen Institutionen zusammenarbeiten«, erklärte Kaletsch. Denn laut Statistik war ein Fahrer der Generation 65plus im vergangenen Jahr im Landkreis alle neun Stunden an einem Unfall beteiligt. Junge Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren verunfallten im Schnitt alle 6,8 Stunden. (red)

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