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Der Ministerpräsident plaudert mit den Erstklässlern. »Seid ihr aufgeregt?«, fragt er sie. Jeder neue Schüler erhält am Ende einen Turnbeutel.

»Ihr seid uns wichtig«

  • VonStefan Schaal
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1610 Kinder im Kreis haben ihren ersten Schultag gefeiert. Bei einem Besuch einer Einschulungsfeier in Pohlheim hat Ministerpräsident Bouffier den Erstklässlern Wünsche mit auf den Weg gegeben und die Eltern zum Impfen aufgerufen. Vor allem eines gelte es an der Grundschule zu lernen: die Bedeutung von Gemeinschaft.

Der Ministerpräsident schaut in den Himmel, dann lässt er den Blick von der Bühne nach vorne durch die Stuhlreihen streifen. »Was für ein schöner Tag«, sagt Volker Bouffier. Vor ihm, im Innenhof der Lückebachschule in Garbenteich, sitzen 34 Kinder, viele von ihnen fein zurechtgemacht, ein Junge trägt eine Fliege. »Seid ihr aufgeregt?«, fragt Bouffier. In der zweiten Reihe springt der sechs Jahre alte Frederik auf. »Jaaa«, ruft er.

1610 Kinder haben im Kreisgebiet ihren ersten Schultag gefeiert. Er habe sich zum Start des Schuljahrs bewusst für den Besuch einer Grundschule entschieden, sagt Bouffier, »weil hier Grundlagen geschaffen werden«. Der Ministerpräsident spricht die Erstklässler direkt an: »Hier lernt ihr Lesen, Rechnen und Schreiben. Und wie man sich miteinander verträgt.« Wenn man das nicht vernünftig lerne, fügt er hinzu, »zieht sich das durch das ganze Leben«.

Hinter den Erstklässlern haben die Eltern Platz genommen. Schule könne vieles erreichen, sagt Bouffier. »Aber nicht alles.« Der Ministerpräsident fordert die Eltern auf, sich aktiv im Schulleben ihrer Kinder zu engagieren, beispielsweise bei Festen. Kinder, erklärt der Ministerpräsident, sollten schnell den Unterschied zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft lernen. »Wenn es ein Problem gibt, hofft man in der Gesellschaft, dass irgendeiner eine Lösung findet. In der Gemeinschaft aber steht man zusammen.«

Dramatische Klänge und Musik aus dem Film »Fluch der Karibik« dringen aus Lautsprechern, als die Erstklässler hintereinander auf den Schulhof laufen. Ältere Schüler schwingen zur Begrüßung bunte Bänder, Eltern winken. »Ihr steht alle im Mittelpunkt«, ruft Bouffier den Erstklässlern zu. »Ihr seid uns wichtig, wir haben uns auf euch gefreut. Ihr seid jetzt Schulkinder und nicht mehr die Kleinen.«

Erinnerungen an den eigenen ersten Schultag Ende der 50er Jahre werden wach, räumt Bouffier eine Stunde später, als die Kinder zum ersten Mal in ihren Klassenzimmern sitzen, ein. »Wir waren damals an der Schillerschule in Gießen 64 Kinder in einer Klasse«, erzählt er. »Auf dem Tisch hat ein Tintenfass gestanden. Wir haben auf Klappstühlen gesessen.« Damals habe man in der Familie den ersten Schultag noch nicht so gefeiert, wie es heute inzwischen Tradition ist.

Bouffier dankt den Lehrern, sie bereiten den Schülern »ein Stück Heimat«, sagt er. Dann unterhält er sich mit den Erstklässlern. Einmal fragt er, wer denn schon ein Handy hat. Vier, fünf Kinder heben ihre Hände. Wer nicht lesen und schreiben lernt, könne damit gar nichts anfangen, betont Bouffier. »Im Mittelpunkt aber muss immer das Persönliche stehen. Und nicht die Technik.«

Auch auf Corona kommt Bouffier zu sprechen. »Für euch gibt es ja noch keinen Impfstoff«, sagt er den Erstklässlern. Glücklicherweise blieben Kinder weitgehend von schweren Krankheitsverläufen verschont. »Wir müssen an den Schulen aber besonders vernünftig sein.«

Bouffier appelliert an die Eltern. Zwar sei die Impfung der Lehrkräfte beinahe flächendeckend abgeschlossen, und die der Kinder und Jugendlichen über 12 Jahren gewinne an Fahrt. »Aber jede zusätzliche Impfung hilft, den Schulbetrieb sicher zu machen.«

Dass bei einem Corona-Fall an einer Schule ganze Klassen unter Quarantäne gestellt werden, schließt Bouffier aus. Nur die betroffenen Kinder und ihre Familien müssten in Quarantäne, »und wir testen in der Schule dann jeden Tag«.

Die Pandemie sei kein Anlass für Angst, sagt Bouffier den Erstklässlern und ihren Eltern. »Aber zu Vorsicht.« Wer sich nicht impfen lasse, »wird Corona bekommen«, betont Bouffier. »Und wer geimpft ist, wird nicht schwer erkranken.« Der Ministerpräsident erklärt, dass mit 95 Prozent so gut wie alle Covid-19-Patienten, die in den Krankenhäusern liegen, Ungeimpfte seien, währenddessen raunt eine Erstklässlerin leise »Ah«. Als Bouffier hinzufügt, dass man in den ersten zwei Schulwochen »deutlich mehr als bisher testen« werde, ist es erneut der sechs Jahre alte Frederik, der lautstark reagiert. »Jaaa«, ruft er wieder.

Nach Bouffier erobern dann Viertklässler die Bühne. Sie haben aus Papier Sonnenblumen gebastelt, auf die sie Wünsche für die Erstklässler geschrieben haben. »Dass ihr viele Freunde findet«, sagt Nadine. Andere wünschen gute Noten und »viel Spaß in den Pausen«. Viertklässlerin Sofia sagt ins Mikrofon: »Wenn ihr Hilfe braucht, bin ich immer für euch da.« Frederik hebt unterdessen seinen Schulranzen, lässt sich für ein Klassenfoto mit dem Ministerpräsident ablichten. Auf die Frage, worauf er sich als Erstklässler am meisten freut, sagt er: »Auf das Auspacken der Schultüte.«

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