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Auf engstem Raum stapelt sich Dietrich Holles Rot-Kreuz-Sammlung. Ein Teil davon wird Holle bald in seinem ersten Museum in der Ober-Bessinger-Pforte ausstellen.

"Ich sammle, um zu zeigen"

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Ob Tassen, Plakate, Briefmarken oder sogar Kekse: Alle Dinge, auf denen ein Rotes Kreuz abgebildet ist, wandern in die Sammlung von Dietrich Holle aus Lich. Seit über 40 Jahren hortet er diese Stücke, einige der über 1000 Exemplare wandern jetzt in sein erstes Museum in der Ober-Bessinger-Pforte.

In dem winzigen Raum kann man sich kaum um die eigene Achse drehen - zumindest nicht, ohne Angst zu haben, etwas umzuwerfen. Die Wände sind voll mit kleinen Bildchen, Wimpeln, Postern, Postkarten und allem, was sich noch an Stecknadeln aufhängen lässt. Kleine Spielzeugautos füllen eine Vitrine, in der zweiten steht Geschirr. Auf den Schränken stapeln sich zahlreiche Kartons. Und die Bilder, die keinen Platz an der Wand fanden, lehnen davor. Selbst in der Mitte des Raums entsteht bereits ein kleiner Turm. Was für andere nach Chaos aussehen mag, hat für Dietrich Holle System. Er weiß genau, wo welcher seiner Schätze liegt.

Seit gut 45 Jahren hortet der Licher alles zum Thema Rotes Kreuz - wirklich alles. Von A wie Anstecknadel bis Z wie zerkrümelter Keks. Langsam wird es eng für die Sammlung. Umso mehr freut es den 70-Jährigen, dass er bald mit einem Teil seiner Stücke in die Ober-Bessinger-Pforte ziehen kann. Am 21. September wird dort um 14.30 Uhr feierlich das Licher Rot-Kreuz-Museum eröffnet. Weil die ehemalige Wohnung auch nicht sehr groß ist, wird es Wechselausstellungen geben. "Erste Hilfe muss erlernt sein" wird das erste Thema sein, die Themen "Krankentransport" und "Rettungsdienst" werden folgen.

Angefangen hat alles mit einer kleinen Anstecknadel: "Bei einem Jugendrotkreuzler habe ich die gesehen", erinnert sich Holle, "die hat mir sehr gefallen, und dann hab ich sie ihm abgeschwatzt." Heute hat der ehemalige Krankenpfleger einige davon und noch vieles mehr: "Wie viele Teile ich habe, kann ich gar nicht mehr sagen. Mehrere Tausend, denke ich." Trotzdem hat Holle zu jedem Stück eine Geschichte parat. "Das hier ist auch interessant..." oder "Das hier ist besonders selten..." So fangen die meisten Sätze an, und wenn Holle anfängt, zu erzählen, wird seine Leidenschaft deutlich spürbar. Betritt der 70-Jährige sein kleines privates Museum, wird er zum Profi, kramt einen Zeigestab hervor und gibt dem Besucher einen Überblick zur Entstehungsgeschichte der Hilfsorganisation im Schnelldurchlauf.

"Das Sammeln, das ist ein Hobby", sagt der Licher, "aber ich sammle auch, um zu zeigen." Das erste Thema richte sich darum an Kinder. Schon den Jüngsten könne Erste Hilfe vermittelt werden. Holle selbst kam über die Bundeswehr zum Roten Kreuz, ist seit rund 55 Jahren aktives Mitglied und macht seit über 40 Jahren Ausstellungen zu verschiedenen Themen. "Erste Hilfe" und "Jugendrotkreuz" etwa oder zu bestimmten Jahrestagen. Dem Geburtstag des Gründervaters Henry Dunant zum Beispiel oder dem von Karl Landsteiner, der 1900 das AB0-System der Blutgruppen entdeckte. Irgendwann einmal ein Museum zu füllen, das war lange sein Traum. Denn Geschichte zu bewahren, kommt für ihn einer Pflicht gleich. "Es ist schon eine besondere Ehre, jetzt einen festen Raum dafür zu haben", sagt er. "Ich weiß, dass meine Stücke dort in guten Händen sind. Der Sinn eines Museums ist es, Geschichte zu zeigen und vor allem zu erhalten."

Zu seinen besonderen Schätzen gehören ein sehr gut erhaltenes Dreieckstuch aus den Jahren um 1900, ein Luftschutzverbandskasten aus dem Zweiten Weltkrieg, eine goldene Brosche aus Kambodscha, diverse Plakate aus dem Dritten Reich und Spielzeug aus der DDR. Außerdem originale Dienstkleidung, die der Licher zu besonderen Anlässen auch selbst trägt. "20 amerikanische Stoffabzeichen habe ich für diese hier hergegeben", sagt er und deutet auf eine dunkelblaue Jacke des bayerischen Roten Kreuzes aus dem Jahr 1955. Dass Holles Sammlung - und die Organisation selbst - international vertreten ist, zeigen Schriftzüge wie "Röda Kors", "Croix-Rouge", "Czerwony Krzyz" und weitere exotische und kaum zu entziffernde Zeichen. In etwa 190 Nationen ist die Gesellschaft vertreten, er habe etwa von der Hälfte davon etwas, sagt Holle.

Die meisten seiner Stücke hat der Sammler von internationalen Tauschpartnern, die er über die Arbeit beim Roten Kreuz kennengelernt hat. Oft wird er aber auch auf Flohmärkten fündig. "Ich habe ein Faible für Schuhkartons", erzählt er. Dort würden sich oft ungeahnte Schätze verbergen. Ein Lieblingsstück hat Holle übrigens nicht, zu dieser Entscheidung kann er sich nicht durchringen. "Es ist einfach alles interessant", sagt er und fügt hinzu: "Was heute aktuell ist, ist morgen Geschichte."

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