Dr. Giovanni Di Favero ist neuer Chefarzt der Abteilungen für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Asklepios-Klinik Lich. FOTO: US
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Dr. Giovanni Di Favero ist neuer Chefarzt der Abteilungen für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Asklepios-Klinik Lich. FOTO: US

"Ich habe immer ein Ziel"

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Sao Paulo, Berlin, Hamburg: Dr. Giovanni Di Favero hat in drei Weltstädten gelebt und gearbeitet. Jetzt sucht der Gynäkologe, dessen Spezialgebiet schonende Operationstechniken sind, eine neue Herausforderung: als Chefarzt an der Asklepios-Klinik Lich.

Ein Leben ändern, wenn man alles hat - ist das wirklich eine gute Idee? Giovanni Di Favero hat lange über diese Frage nachgedacht. Am Ende hat er sie mit Ja beantwortet. Der 44 Jahre alte Gynäkologe, seine Frau und die drei Kinder haben ihrem schönen Zuhause, ihren Freunden und Kollegen in Hamburg ade gesagt und sind umgezogen, vom Norden in die Mitte Deutschlands.

Dr. Di Faveros neuer Schreibtisch steht im dritten Stock der Asklepios-Klinik Lich. Seit zwei Monaten leitet er als Chefarzt die Frauenklinik mit ihren Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe. "In Hamburg ging es uns supergut", sagt der gebürtige Brasilianer. Doch ihn reizte eine doppelte Herausforderung: Die Möglichkeit, insbesondere in der gynäkologischen Abteilung neue Impulse zu setzen. Und die Chance, durch die Anbindung an das UKGM auch seine Habilitation voranzutreiben. "Ich habe immer ein Ziel", sagt er.

Di Faveros Spezialgebiet ist die minimalinvasive gynäkologische Onkologie, also die sogenannte Schlüssellochtechnik in der Krebsbehandlung. Für sich entdeckt hat er diese Methode vor bald 20 Jahren während der Facharztausbildung in Sao Paulo. Ein Team von der Berlinder Charité war dort zu Gast, um die damals bahnbrechende Vorgehensweise zu demonstrieren. Für Di Favero ein Moment, der sein Leben veränderte. "Diese Technik muss ich lernen und beherrschen" - so schildert er im Rückblick seine damalige spontane Begeisterung. Und weil seine Frau Tatiana Pfiffer, die ebenfalls Ärztin ist, einen Teil ihrer Jugend in Deutschland verbracht hatte und für die Gäste aus Berlin während des Aufenthalts in Sao Paulo übersetzte, entwickelte sich rasch eine Freundschaft, die Folgen haben sollte. Mit einem DAAD-Stipendium in der Tasche und gemeinsam mit seiner Frau zog Di Favero 2007 nach Berlin. "Das war essenziell für meine Entwicklung. Ich konnte an der Quelle lernen."

Nach der Promotion "summa cum laude" und einer Zeit als Facharzt an der Charité ging er 2010 zunächst als Leiter eines Krebszentrums zurück nach Sao Paulo. Vier Jahre lang bildete der Gynäkologe brasilianische Operateure nach deutschen Standards aus. Dann kam erneut ein Ruf aus Deutschland. Di Faveros Doktorvater Prof. Christhardt Köhler war nach Hamburg gewechselt und wollte seinen einstigen Schüler als Leitenden Oberarzt an seiner Seite sehen.

Die Eheleute haben damals lange überlegt. "Es ist nicht einfach, Familie und Freunde hinter sich zu lassen", erzählt Di Favero. Aber die sich anbahnende Wirtschaftskrise, die extreme soziale Spaltung der brasilianischen Gesellschaft und die daraus resultierende Kriminalität gaben für die Familie mit damals zwei kleinen Kindern den Ausschlag. Und auch die Aussicht, sich akademisch weiterentwickeln zu können.

An seiner ersten Station in Hamburg, der Asklepios-Klinik in Harburg, lernte der Gynäkologe übrigens einen jungen Klinikmanager kennen, der ein paar Jahre später seinem Leben eine entscheidende Wende geben würde. Uwe List ist heute Geschäftsführer der Asklepios-Klinik Lich. Er hat Di Favero, der seit 2017 als Chefarzt bei der Konkurrenz, nämlich der Helios-Mariahilf- Klinik Hamburg arbeitete, nach Mittelhessen geholt und dabei eine offensichtlich erfolgreiche Taktik angewandt: "Er hat über meine Frau angefragt..." Die Familie war letztlich einverstanden. "Wir kommen überall gut zurecht. Die Hauptsache ist, dass wir zusammen sind."

Für seinen neuen Verantwortungsbereich hat Di Favero eine glasklare Diagnose gestellt. Das Haus in Lich wachse insgesamt, und die Geburtshilfe stehe sehr gut da. Aber die Gynäkologie sei nach mehreren Führungswechseln in den vergangenen Jahren ins Hintertreffen geraten. "Ich habe eine Klinik mit Perspektiven übernommen, aber sie muss neu aufgebaut werden."

Die Corona-Krise, die virulent wurde, als er gerade loslegen wollte, hat der neue Chefarzt für Strukturveränderungen und die Modernisierung des Equipments genutzt. "Moderne Gynäkologie macht man nicht ohne moderne Geräte", sagt Di Favero, zu dessen Team sechs Assistenzärzte und demnächst vier Oberärzte gehören.

Für Schlüsselpositionen wie die Geburtshilfe und die Behandlung von Brustkrebs habe man kompetente Leute gewonnen. In Kürze werde noch ein Experte für Gebärmutterhalskrebs zum Team stoßen. Und im kommenden Jahr eine Fachfrau für Beckenboden-Chirurgie. Ihr Name: Dr. Tatiana Pfiffer. Geschäftsführer List hat die Eheleute im Doppelpack für Lich angeworben.

Eines ist dem neuen Chef, der auch die Kontakte zu den niedergelassenen Gynäkolgen in der Region intensivieren möchte, besonders wichtig: Glaubwürdigkeit. Wer gute Zahlen wolle, brauche einen guten Ruf. "In der Region gibt es viel Konkurrenz. Wir können nur mit Qualität bestehen."

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