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Unter fachlicher Anleitung werden Setzlinge im Markwald Bellersheim gepflanzt.

Ziel ist »enkeltauglicher« Markwald

  • vonKarl-Josef Graf
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Hungen (kjg). Einen Überblick über den Zustand des Bellersheimer Markwaldes verschaffte sich kürzlich Kanzleramtsminister Prof. Helge Braun (CDU) auf Einladung der örtlichen Markgenossenschaft. Markmeisterin Sylvia Ruppel und deren Stellvertreter Klaus Launspach boten neben Gesprächen und Stellungnahmen auch die Besichtigung von Wasserlöchern, eines Schadholzpolters, Aufforstungsinseln und Nachpflanzungen an.

Ein besonderer Wald

Ruppel sagte, selbst der gut strukturierte Laubmischwald leide unter der Klimaveränderung. Hitze und Dürre der vergangenen drei Jahre forderten ihren Tribut. Um den Markwald für kommende Generationen zu erhalten, erfordere es standortspezifische Maßnahmen, nachhaltiges Bewirtschaften und manchmal auch mutige Entscheidungen.

Die 200 Hektar Laubmisch-wald befinden sich im Besitz von 46 Privatpersonen, zwei Kirchengemeinden und der Stadt Hungen. Nach dem Selbstverständnis der Markgenossenschaft (»Gemeinnutz vor Eigennutz«) werde der Wald nachhaltig durch den Forstservice Peppler bewirt-schaftet. Fast alle Überschüsse würden in den Wald gesteckt, um ihn zu stabilisieren und zu erhalten. In Zukunft könne man indes nicht mehr mit Überschüssen rechnen, machte Ruppel eine bedrohliche Lage deutlich: »So, wie die Deutschen eine besondere Beziehung zum Wald haben, so emotional sind die Märker mit ihrem Markwald verbunden. Ihre Anteile am Markwald können nicht verkauft, sondern seit Generationen nur vererbt werden.« Im Markwald befänden sich die Spuren einer alten Römervilla, 15 der 19 in Hessen vorkommenden Fledermausarten sowie Horste von Rotmilanen. In jedem Spätsommer sammelten sich die Rotmilane am Markwald, um gen Süden aufzubrechen.

Seit 1. Januar 2020 wird der Markwald durch den Forstservice Peppler aus Ranstadt beförstert. Wolfram Peppler habe in schwerer Zeit diese Aufgabe übernommen, sagte Ruppel. Er habe einen schweren Start mit viel Schadholz gehabt. Aber er gehe diese Aufgabe gut an, um mit standortspezifischen Maßnahmen den Wald »enkeltauglich« zu machen, so Ruppel. Er arbeite sehr schonend, setze häufig Rückepferde für den Transport der Baumstämme ein, um schwere Maschinen im Wald zu vermeiden.

Zum Abschluss des Ortstermines pflanzte Braun unter Anleitung von Förster Wolfram Peppler dann Setzlinge der Amerikanischen Schwarznuss und von Kirschen. Die Kosten, um eine Fläche von einem Hektar neu zu bepflanzen, bezifferte Peppler auf etwa 25 000 bis 30 000 Euro.

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