Workshop gegen den Flächenfraß

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Hungen(pm). Mit der Inbetriebnahme der Horlofftal-Bahn wird Hungen in wenigen Jahren ein besonders attraktiver Wohnstandort. Kaum 60 Minuten nach Frankfurt - ohne umzusteigen - und eine für Familien hervorragende Infrastruktur an Kitas, Schulen und Vereinen ist verlockend, aber für die Stadt auch immer eine Herausforderung. Mit der Frage, wie sich die Kernstadt und ihre elf Stadtteile auf den zu erwartenden Siedlungsdruck vorbereiten können, ohne sich übermäßig am grassierenden Flächenfraß in Mittelhessen zu beteiligen, beschäftigten sich die Hungener Grünen in einem Workshop.

"Da ist zunächst die planerische Vorgabe der Landesregierung zur Entwicklung von Neubaugebieten", erläutert der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Stadtparlament, Wolfgang Macht: "Eigenbedarf in den Ortsteilen, Zuzug in der Kernstadt". Derzeit diene noch ein rund 30 Jahre alter Flächennutzungsplan als Grundlage zur Ausweisung von Baugebieten, der unter heute längst nicht mehr gültigen Vorgaben aufgestellt worden sei. Nun sei die Verwaltung mit Blick auf die zu erwartende Neubelebung der Horlofftalbahn der langjährigen Forderung der Grünen nach einem zukunftsorientierten Entwicklungskonzept für die Großgemeinde gefolgt. In dem Diskussionsvorschlag sind für alle Ortsteile derzeit bekannte Leerstände, Baulücken und mögliche Erweiterungsflächen markiert. "Es ist längst Zeit für einen neuen Flächennutzungsplan", meint Magistratsmitglied Andrea Krüger, "denn die häufigen Änderungen kosten langsam mehr als eine komplette Überarbeitung".

Baulücken - ein Ärgernis

Baulücken sind für die Grünen ein besonderes Ärgernis, denn hier werde Infrastruktur (Straßen, Leitungsnetz) bereitgehalten, ohne angemessenen Rücklauf in Form der Grundsteuer B. Auch Leerstände. etwa in alten Hofreiten, trügen nicht zu einem positiven Lebensgefühl bei. Die Grünen wünschen sich einen externen Kümmerer, der im Auftrag der Stadt auf Eigentümer zugeht, um gemeinsam neue Nutzungsmöglichkeiten zu entwickeln. Zusätzlich müsse bei der Ausweisung von Bauplätzen in Randlagen zuerst geprüft werden, ob die an diesen Stellen verfügbare Infrastruktur den Ausbau überhaupt verkraftet.

Im kürzlich vorgestellten Baugebiet Hungen West, das im Laufe der Jahre mit über 600 Wohneinheiten die Nachfrage in der Kernstadt decken soll, ist ökologisches Bauen die Vorbedingung für Fördermittel vom Land. Die Grünen hoffen, dass das dann auch durchgesetzt wird. Am Beispiel von Schottergärten werde deutlich, wohin ein Vollzugsdefizit führt. Die meisten dieser geschotterten, ökologischen Ruinen seien illegal, weil sie gegen die Vorgaben der Baugenehmigung verstoßen. "Aber von ›Knöllchen‹ hat in diesem Zusammenhang auch in Hungen noch niemand gehört", heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen.

Von den beiden vorliegenden Konzeptstudien für das Baugebiet Hungen West ist für die Grünen die Variante 2 die interessantere. Neben Details der Flächenplanung sollen in mehreren Bauabschnitten 611 Wohneinheiten entstehen. Allerdings gehen damit bei konventioneller Planung rund 1200 Stellplätze für Pkw, einher. Um diesen Flächenverbrauch zu verhindern, sei eine gute Anbindung des Gebietes an den ÖPNV und z. B. über Radwege an Schulen, den Bahnhof und die Innenstadt vorzusehen. "Das muss sich auch in einer entsprechend veränderten Stellplatzverordnung widerspiegeln", schreiben die Grünen.

Abgesehen von den ökologischen Aspekten sollten nach Vorstellung der Grünen auch Anforderungen aus dem sozialen Wohnungsbau und barrierefreie Wohnungen für Menschen mit Behinderungen ausreichend berücksichtigt werden.

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