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In die Diskussion über die künftige Nutzung des Stadtwaldes schaltet sich Bürgermeister Wengorsch ein. Er will zu diesem Thema eine Bürgerinformationsveranstaltung einberufen.

Wengorsch will Bürger beteiligen

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Hungen (bf). Sollen Teile des Stadtwaldes dem Bundesprojekt Wildnisfonds angeschlossen werden? Darüber wird in der Hungener Kommunalpolitik diskutiert. Jetzt schaltet sich auch Bürgermeister Rainer Wengorsch ein.

Wie der Bürgermeister in einer Pressemitteilung erläutert, sei diese von der Grünenfraktion aufgerufene Frage keine leichte. Sie müsse sehr sorgfältige und umfassend unter Einbindung der Bürgerinnen und Bürger sowie Darlegung möglicher Alternativen erörtert werden. Dann könne »eine vernünftige und ideologiefreie Entscheidung« durch die Stadtverordnetenversammlung getroffen werden.

Es gebe andere Möglichkeiten, die eine naturnahe Waldwirtschaft mit den Erhaltungszielen des FFH-Gebietes »Laubacher Wald« mit sukzessiver Stilllegung des Waldgebietes über Ökopunkte sicherstellen können, »ohne den Wald als städtisches Eigentum zu verlieren«, so Wengorsch. Er sehe durch den Verkauf von Ökopunkten langfristig höheren Benefit, sowohl monetär als auch hinsichtlich Biodiversität.

Derzeit werde der Stadtwald bereits naturnah und im Einklang mit den Erhaltungszielen des FFH-Gebietes bewirtschaftet. Möglich sei die Förderung der Wildnisentwicklung über Komplettverkauf, Verkauf der unbefristeten Nutzungsrechte an die Stiftung oder eben die naturnahe Waldwirtschaft im Einklang mit den FFH-Erhaltungszielen mit sukzessiver Stilllegung des Waldgebietes über die Kompensationsverordnung (Ökopunkte).

Die Alternativen gelte es ohne Zeitdruck zu erörtern und bei Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen abzuwägen. Wengorsch sieht derzeit in der naturnahen Waldbewirtschaftung des bestehenden FFH-Gebietes den langfristig größeren Vorteil für die Stadt. Es werde bereits jetzt der Lebensraumtyp Waldmeister-Buchenwald durch naturnahe und strukturreiche Bestände mit stehendem und liegendem Totholz, Höhlenbäumen und lebensraumtypischen Baumarten in verschiedenen Entwicklungsstufen und Altersphasen erhalten, erläutert er. Ebenso mit entsprechenden Aufwand die Habitate von Bechstein-Fledermaus, Kammmolch und Gelbbauchunke. Ein weitestgehend naturbelassener Wald in dem Gebiet zwischen Villingen, Hungen und Langd könne in großen Teilen durch sukzessive Stilllegung und auf Grundlage eines mit Naturschutzverbänden und örtlichen Naturschutzgruppen abgestimmten Plans Ökopunkte generieren, so der Bürgermeister.

Weitere Vorteile wären seiner Ansicht nach der Verbleib als Eigentum der Stadt sowie die Verantwortung als Waldbesitzer. Dadurch mache es auch ökonomisch Sinn, weiterhin Forstwirte zu beschäftigen. Durch in Teilbereichen noch mögliche Holznutzung bleibe der Forstbetrieb insgesamt rentabler und biete die Möglichkeit, heimische Hölzer nachhaltig nutzbar zu machen. Die Brennholznutzung durch Bürger wäre weiter möglich, ebenso eine Jagdnutzung und -verpachtung ohne Verlust von Jagdpachterlösen.

Bei einem Verkauf des Nutzungsrechts bliebe zu klären, was mit der ehemaligen Deponiefläche im Waldbereich geschieht. Derzeit werden weitere Maßnahmen durch das RP Gießen geprüft. Zudem bliebe die Verkehrssicherung der Schottener Straße, die als öffentliche Straße ausgewiesen ist, als Kostenfaktor bei der Stadt bestehen. Der Abschnitt wird gerne als Abkürzung zwischen Langd und Villingen benutzt. Nicht zu vergessen wären die Kulturflächen, die in den vergangenen Jahren durch Hessen Forst und die städtischen Forstwirte angelegt wurden. »Hier ist eine weitere Pflege durch Mahd nötig, um die Kulturen zu erhalten«, erklärt Wengorsch. Würde das nicht geschehen, könnten diese Flächen mit Konkurrenzvegetation - wie zum Beispiel Brombeere - überwachsen. Die getätigten Investitionen wären somit hinfällig und als Verluste oder Fehlinvestitionen abzuschreiben.

Auch Ortsbeiräte einbeziehen

Für die Erörterung zum Thema Wildnisfonds und naturnahe Waldwirtschaft will Wengorsch zu einer Bürgerinformationsveranstaltung in Villingen oder Langd einladen. Es gehe im Wesentlichen um den Wald der beiden Ortsteile, da dürfe man die Ortsbeiräte sowie Bürgerinnen und Bürger nicht übergehen.

Kritisch äußert sich Wengorsch zu den Waldbegehungen von Fraktionen, zu denen das Beförsterungsunternehmen Forstservice Taunus, Magistrat und Bürgermeister sowie die Stadtwaldkommission nicht direkt mit eingebunden worden seien. Dies zeige, dass »man offensichtlich ohne offene und sachliche Diskussion sowie Klärung von Alternativen und über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hinweg Fakten schaffen will«.

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