Das Hungener Parlament tagt in voller Stärke, aber auf Abstand. FOTO: US
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Das Hungener Parlament tagt in voller Stärke, aber auf Abstand. FOTO: US

Weichenstellung für Hungen

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Hungen(us). Ein großes Wohngebiet im Westen, die Erweiterung des Gewerbegebiets an der Königsberger Straße und nachhaltiges Wachstum in der Innenstadt: Die Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag hatte es in sich. Die Entscheidungen, die an diesem Abend getroffen wurden, werden die weitere Entwicklung der Stadt im kommenden Jahrzehnt prägen.

Auf Abstand

Auch das Ambiente, in dem das Parlament tagte, war besonders. Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen hatten sich die Verantwortlichen in Hungen gegen ein verkleinertes Corona-Notparlament entschieden. Das Plenum tagte in voller Größe, dafür aber in der geräumigen Stadthalle mit jeder Menge Abstand, einem eigenen Tisch für jeden Teilnehmer, Händedesinfektion sowie Maskenpflicht beim Rein- und Rausgehen. Mit dem Verzicht auf die Sitzungsrunde im März und der Vertagung in den Mai habe der Ältestenrat eine gute Entscheidung getroffen, bilanzierte Stadtverordnetenvorsteher Karl-Ludwig Büttel, den etwa 30 Meter von den Kolleginnen und Kollegen in den hinteren Reihen trennten.

Ein zentrales Thema der Diskussionen an diesem Abend war die Siedlungsentwicklung und der damit einhergehende Verbrauch an Flächen, bei denen es sich in Hungen häufig um wertvolles Ackerland handelt.

Vor allem die Grünen mahnten einen behutsamen Umgang damit an. Zwar begrüßen sie das klimaschonende Konzept für das Baugebiet-West, das großzügige Grünflächen, innovative Verkehrskonzepte und soziale Durchmischung vorsieht. Insgesamt betrachtete Frank Bernshausen die Entwicklung allerdings skeptisch. "20 Hektar für Hungen-West, dazu 22 Hektar für das Gewerbegebiet Hungen-Süd und knapp sieben Hektar für die Erweiterung an der Königsberger Straße - da ist ruckzuck ein halber Quadratkilometer verschwunden."

Vor allem die Erweiterung des Gewerbegebiets Königsberger Straße/Herrenacker stößt den Grünen übel auf. Der Vorschlag des Magistrats zielt darauf ab, den dort ansässigen Unternehmen Entwicklungschancen zu eröffnen und weiteren Betrieben Flächen in der Kernstadt anzubieten. Dafür allerdings muss die Kita "Dreikäsehoch" aufgegeben und die Trasse der Königsberger Straße verlegt werden. Die Kosten sollen durch den Verkauf der Gewerbegrundstücke refinanziert werden. "Das Gebiet ist im Raumordnungsplan für die Erweiterung der Gewerbeflächen vorgesehen", argumentierte Bürgermeister Rainer Wengorsch. Die Hessische Landgesellschaft soll nun im Auftrag der Stadt die Bodenbevorratung übernehmen und die erforderlichen Flächen ankaufen.

Die Grünen stimmten dagegen. "Wir sehen dafür keinen Bedarf," formulierte Fraktionsvorsitzender Wolfgang Macht. Der Verbrauch von Flächen müsse in angemessenem Verhältnis zu Arbeitsplätzen und Gewerbesteuereinnahmen stehen. An der Königsberger Straße könne man die Fortentwicklung der bestehenden Betriebe auch auf anderem Wege sichern, etwa durch Flächentausch. Ihr Vorschlag: Die Stadt sollte darüber zunächst in Verhandlungen treten und solange auf den Ankauf von Flächen verzichten. Eine breite Mehrheit war anderer Meinung. Die Bodenbevorratung durch die HLG an der Königsberger Straße wurde ebenso beschlossen wie der städtebauliche Entwurf für das neue Baugebiet-West. Hier fasst das Parlament auch den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan.

Zustimmung fand auch das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept für die Teile der Innenstadt rund um Friedberger Straße, Kaiserstraße und Friedberger Straße. Es sieht insgesamt 27 Maßnahmen vor. Die ungewöhnlichste dürfte der Umbau des Darmstädter Hofs sein, in dem neben Wohnungen auch eine interkulturelle Kleinkunstbühne entstehen soll.

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