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Hilfskräfte im Einsatz gegen Überschwemmungen im Hungener Seegebiet.

Wasserzufluss reduzieren

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Hungen (pm). Für die Hungener Grünen waren die aktuellen Hochwasserschäden vorhersehbar. Sie schlagen nun erneut »einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen zum Hochwasserschutz« vor.

Schon im Vorfeld der vorletzten Kommunalwahlen hätten sie sich mit diesem Thema auseinandergesetzt. Denn die Geschichte der Überschwemmungen in Hungen und rund um den Inheidener-/Trais-Horloffer See sei alt, die von Hochwasser betroffenen Gebiete bekannt. »Wer dort Bebauung zulässt und wer meint, man müsste sich auf solchen Flächen ansiedeln, weiß, womit zu rechnen ist«, heißt es in der Mitteilung. Vorschläge für einen wirkungsvollen Hochwasserschutz lägen schon so lange auf dem Tisch, dass die Grünen aus einer eigenen Pressemeldung von 2011 zitieren.

Ein Grund für das Hochwasser sei die Begradigung des Bachlaufs der Horloff und die daraus resultierende Vertiefung der Bachsohle. Könnte die Horloff in natürlichen Mäandern langsam durch ihre Aue fließen, würde sie bei zu hohen Wassermengen einfach auf die umliegenden Wiesen ausweichen. Das Seegebiet könne also durch natürliche Überschwemmungsflächen geschützt werden, erläuterte Frank Bernshausen, Stadtverordneter für die Grünen.

Ergänzend käme der behutsame Einsatz von technischen Mitteln in Betracht, mit der Anlage von dezentralen Polderflächen, die bei Bedarf zu fluten sind. Ein Beispiel dafür wäre der Engelhäuser See, der im Mittelalter schon zur Fischzucht diente. In Hochwasserzeiten könnten dort in Folge der Flutung auch erhebliche Mengen an Grundwasser gebildet werden. Allerdings reichen solche Maßnahmen nicht aus, wenn das Rückhaltevermögen von Wäldern und Feldern nicht gesteigert werde.

Problematisch sei das engmaschige Netz von Rückegassen der Forstwirtschaft. Dadurch fließe Regen- oder Schmelzwasser aus Waldflächen schneller ab, dem Wald werde aber Wasser entzogen - was den Bäumen im Sommer fehlt - und Hochwasserstände steigen unnötig an, erläutern die Grünen. Ähnliche Folgen habe die vielfach praktizierte Form der Gewässerunterhaltung durch die Kommunen. Das regelmäßige Räumen der Gräben führe zu schnellerem Ablauf und transportiere mehr Wasser schneller in besiedelte Gebiete.

Kosten abwägen

Eine weitere Maßnahme sei, den Wasserzufluss zu reduzieren. Dem Lauf der Horloff folgend ist etwas unterhalb von Villingen eine markante Verengung des Tals zu sehen. Oberhalb - Richtung Villingen - liegt eine ehemalige Auenlandschaft, die nicht mehr überschwemmt wird. An dieser Engstelle ließe sich nach Einschätzung der Grünen mit relativ geringen Kosten ein Dammbauwerk einfügen, das die von der Horloff im westlichen Vogelsberg eingesammelten Wassermassen auf eine für Hungen ungefährliche Menge puffern könnte.

Die Politik müsse die Kosten für den Hochwasserschutz und die für Schäden durch Hochwasser gegeneinander abwägen, sagt Bernshausen. Auch wenn eine als Grünland genutzte, naturnahe Aue die beste Lösung darstellen würde, stehe eine weitere Nutzung von Teilen dieser Flächen für Ackerbau der Umsetzung einer Hochwasserschutzmaßnahme nicht entgegen. Es müsse mit betroffenen Landwirten ein Konsens gesucht und diese bei Auftreten der doch eher seltenen starken Hochwasserereignisse entsprechend entschädigt werden. Die Häuser in der Unterstadt Hungens und im Seengebiet von Trais-Horloff und Inheiden ließen sich »hierdurch sicher vor Überflutungen schützen«, so die Grünen.

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