Den Wandel im Blick

Wie wird aus einem Wohnhaus eine Apotheke, dann eine Metzgerei und schließlich eine Gaststätte? Manch ein Hungener Gebäude kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückschauen. Gerade solche Häuser waren am Samstag das Ziel der "Tour de Shops". Unter diesem Namen besuchten Interessierte Hungener Geschäfte, um etwas über deren Geschichte und die heutige Nutzung zu erfahren.

Wie wird aus einem Wohnhaus eine Apotheke, dann eine Metzgerei und schließlich eine Gaststätte? Manch ein Hungener Gebäude kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückschauen. Gerade solche Häuser waren am Samstag das Ziel der "Tour de Shops". Unter diesem Namen besuchten Interessierte Hungener Geschäfte, um etwas über deren Geschichte und die heutige Nutzung zu erfahren.

"Zum Otto" 1475 erbaut

Eines der besuchten Geschäfte mit einer sehr langen Geschichte findet sich in der Obertorstraße 13 – in Hungen seit über 20 Jahren als Gaststätte "Zum Otto" bekannt. Dort stellte die heutige Geschäftsführerin Susanne Schmidt die Geschichte des historischen Gebäudes vor: Das Haus wurde 1475 als spätgotisches Fachwerkhaus erbaut – Spuren davon finden sich noch heute im Fischgrätenmuster, in dem die Deckenbalken verlegt wurden. 1724 vergrößerte dann Stadtschultheiß Conrad Weber das bestehende Gebäude und nutzte den vorderen Teil als Apotheke. Einige Schüsseln, Schalen, Krüge und Werkzeuge der damaligen Apotheke wurden bei der Renovierung des Gebäudes 1994 gefunden. Als 1847 die neue Hof-Apotheke in der Kaiserstraße gebaut wurde, war für die hiesige kein Platz mehr. Danach befand sich dort die Metzgerei Schmidt, bis 1858 die Gaststätte "Zum goldenen Hirsch" eröffnet wurde. Von 1994 bis 1996 renovierten die heutigen Besitzer das Gebäude und benannten es nach dem Vater von Susanne Schmidt in "Zum Otto" um. Ebenfalls zur Führung gab es auch die Möglichkeit, einmal einen Blick in den alten Keller des Gebäudes zu werfen. Auch dieser wurde erst beim Umbau in den 1990er Jahren wiederentdeckt.

Doch auch andere Hungener Geschäfte haben eine eigene Geschichte – wenn auch nicht ganz so lange wie die der Gaststätte: So befindet sich Buck’s Buch- und Papierladen in einem 1965 erbauten Haus. Zuvor standen dort zwei mittelalterliche Fachwerkhäuser, die unter anderem eine Bäckerei und eine Drogerie beherbergten. In den 1950er Jahren gab es dort auch den ersten Hungener Supermarkt unter Pächter Günter Ramin. 1965 wurden beide alten Gebäude abgerissen und neu errichtet. Seitdem waren dort ein Modehaus, Filialen von Lebensmittelketten und ein Küchenstudio untergebracht – und seit 2003 der Buch- und Papierladen von Stefan Buck.

Neben den beiden genannten wurden auch die Graphic Factory, Optik Ringmaier, BewegLich und das Blumenlädchen im Rahmen der Tour besucht. Die Idee hinter der "Tour de Shops" stammt vom Stadtmarketing: "Wir haben überlegt, was für Aktionen wir noch in Hungen machen könnten", erklärt Martina Beele-Peters. "Wir wollten zeigen, was für wechselhafte Geschäfte es hier in Hungen gibt, ohne dabei eine Verkaufsveranstaltung zu schaffen". Damit sollen auch die Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt stärker in die Wahrnehmung gerückt werden, zugleich aber auch ein Einblick in die Stadtgeschichte ermöglicht werden. Bei den Teilnehmern kam dieser eher ungewöhnliche Einblick in die Geschichte auf jeden Fall sehr gut an.

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