Waldentwicklung und Klimawandel

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Hungen(pm). Der BUND Kreisverband Gießen hatte kürzlich zu einer Exkursion zum Thema Waldentwicklung und Klimawirkung in den neu ausgewiesenen Naturwald "Hirschrod und Plattenwald" östlich von Hungen eingeladen. Rund 40 Interessierte waren der Einladung gefolgt. Thomas Ullrich, Mitarbeiter der Abteilung Waldentwicklung und Umwelt beim Landesbetrieb HessenForst, erläuterte gemeinsam mit Holger Brusius, Funktionsbeschäftigter Naturschutz am Forstamt Wettenberg, die Zusammenhänge zwischen Klimawirkungen und den derzeit zu beobachtenden Veränderungen im Wald. Die sogenannte Kernfläche "Westlicher Vogelsberg", in der die Exkursion stattfand, ist eine Waldfläche, die seit etwa einem Jahr nicht mehr forstlich bewirtschaftet wird.

Der erste Halt führte die Gruppe in einen Mischwald mit über 200 Jahre alten Eichen und jüngeren Buchen. Hier konnte deutlich gemacht werden, dass auch der so natürlich wirkende Laubwaldbestand bereits Ergebnis von forstlichen Bemühungen vergangener Generationen, so etwa des Forstmeisters Georg Ludwig Hartig, ist. Die kolossalen, noch in der Zeit von Hartig gepflanzten Eichen, wären bei natürlicher Entwicklung und gleichbleibendem Klima von den größer werdenden Buchen längst überwachsen worden. Eine jahrhundertelange Pflege durch den Menschen hat dazu geführt, dass die Eichen sich so gut entwickeln konnten. Die sich unter dem Einfluss des Klimawandels verändernden Klimawirkungen verschaffen der Eiche in Zukunft wahrscheinlich einen Vorteil, sodass sich die Alteichen auch ohne Hilfe des Menschen weiter entwickeln können.

Die eigentlich fast überall in Deutschland typische Baumart Buche hat stärker unter den neuartigen klimatisch bedingten Stresssituationen gelitten, was an einzelnen, bereits abgestorbenen Bäumen am ersten Exkursionspunkt deutlich zu erkennen war. Ein baumartenreicher Wald kann daher flexibler auf Klimastress reagieren, wenn sich eine bisher verbreitete Baumart, wie die Buche, nicht mehr an einem Ort halten kann. Diese Artenvielfalt kann zum einen durch forstliche Maßnahmen gesteuert werden, zum anderen entstehen vielfältige Wälder auch bei natürlicher Waldentwicklung, wie sie in Zukunft in den Kernflächen stattfinden soll.

Die abschließende Diskussion verdeutlichte, dass das Ökosystem Wald nicht losgelöst von sonstiger Ressourcennutzung betrachtet werden kann. Der Wald kann schädliche Entwicklungen durch den Klimawandel nicht als alleiniges System kompensieren, unabhängig davon, ob er sich natürlich oder forstlich gesteuert entwickelt.

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