Lukas Krauskopf überwacht, dass der historische Mähbinder richtig funktioniert. FOTO: CON
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Lukas Krauskopf überwacht, dass der historische Mähbinder richtig funktioniert. FOTO: CON

Mähbinder

Villinger "Schrauberchaoten" erwecken alte Erntemaschine zu neuem Leben

  • vonConstantin Hoppe
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Was ist ein "Mähbinder"? Die Antwort darauf lieferten nun die Villinger "Schrauberchaoten" bei einer Vorführung.

Golden stehen die Ähren auf den Feldern. Die Sonne scheint, es ist trocken, sommerliche Temperaturen sorgen für das ideale Erntewetter. Die Maschine, die am Rand des Ackers der Familie van der Woude steht, dürfte vielen der Besucher unbekannt sein. Der historische Mähbinder wirkt etwas aus der Zeit gefallen, mit seinen hölzernen Mähbalken, dem Tuch zum Auffangen der Ähren oder dem Bindegarn, mit dem die abgeernteten Ähren zu Garben zusammengebunden werden, um danach auf das Feld zu fallen.

Bis in die 1960er Jahre kamen solche Geräte überall zum Einsatz, bis sie dann schließlich vom Mähdrescher verdrängt wurden. Die Interessengemeinschaft "Schrauberchaoten Mittelhessen" organisierte am Samstagnachmittag in Villingen eine Vorführung über den Einsatz solcher historischen Mähgeräte.

Schaudreschen in Stangenrod geplant

Der Mähbinder stammt vermutlich vom Anfang der 1950er Jahre und verbrachte die letzten Jahrzehnte in einem Museum in Wetzlar. 2017 wurden die "Schrauberchaoten" auf die Maschine aufmerksam, erwarben sie. Nun stand der erste - oder eher der neue - Einsatz des Geräts bevor.

Bis der Mähbinder am Samstag auf einem kleinen Feld bei Villingen zum Einsatz kommen konnte, mussten erst einmal einige Hürden genommen werden. Denn mit der Technik kannte sich keiner so richtig aus. Etwas ungemütlich war die erste Fahrt: "Eigentlich war ich bei der ersten Tour nur damit beschäftigt, nicht herunterzufallen", berichtet Lukas Krauskopf. Am Samstag sitzt er erneut auf dem Mähbinder und muss darauf achten, dass die Ähren auf der richtigen Höhe abgeschnitten werden, ordentlich auf das Fangtuch fallen und der Bindefaden korrekt um die Garben gelegt wird.

Zu Beginn macht die richtige Fahrtgeschwindigkeit ein paar Probleme: "Fährt man zu langsam, verstopft der Mähbinder", meint René Klaumünzer, der die Zugmaschine - einen Deutz-Traktor aus dem Jahr 1959 mit 18 PS - fährt.

Reihe für Reihe fallen die Ähren auf dem Feld und werden zu Garben zusammengebunden. Direkt im Anschluss werden diese von Helfern auf einen bereitstehenden Leiterwagen geladen.

Die eingesammelten Garben sollen beim Schaudreschen anlässlich der 800-Jahr-Feier in Stangenrod zum Einsatz kommen: Eigentlich sollte die 800-Jahr-Feier bereits in diesem Jahr an den Start gehen, aber wegen Covid-19 war an ein großes Fest nicht mehr zu denken. Deshalb wurde die Jubiläumsfeier auf Juni 2021 verschoben.

Da hätte es aber ein logistisches Problem gegeben. "Im Juni ist das Getreide noch nicht erntebereit - deshalb werden die Garben bis kommendes Jahr eingelagert", erklärt Nicole van der Woude.

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