Unterwegs zu Schauplätzen eines Heimatromanes

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Hungen (pm). Das geschichtlich-literarische Potenzial des fast 100-jährigen autobiografischen Romans "Sohn des Irrbühls" von Karl Reinhardt erlebten nun knapp 20 Teilnehmer einer "Landschaftsführung" des Naturschutzbundes Horlofftal. Von der alteingesessenen Hungenerin Brigitte Hofmann-Schmidt (jetzt Lich) vorgetragene Schilderungen der Natur des einstigen Residenzstädtchens Hungen in der Zeit vor und um den Ersten Weltkrieg ließen die Zuhörer in der "Hungener Schweiz" zur Reise in die Vergangenheit aufbrechen.

Am Horloffwehr etwa wähnte man sich während des Lesens einer Szene mit der Roman-Protagonistin "Annemarie" in einer anderen Epoche. Weiter ging es mit Ausschnitten des Kapitels "In den Bergen" und der Beschreibung der "Wolfsschlucht", von dem man vieles situativ auch noch heute nachempfinden kann. Der Bereich des Kapitels "Vor der Höhle" ist heute verschüttet. Dann ging es vorbei an der "Untermühle", wo die letzten Müller Gustav und Karl Vogt bis in die 1980er Jahre Getreide vermahlten. Die "Wolfsschlucht" durchquerend, erreichte man den Inheidener "Schützenberg", wo heute wie anno dazumal Weidetiere die auf Kargheit spezialisierte Vegetation des Magerrasens abknabbern. Beim Blick auf die nördliche Horloffseite wurde erkenntbar, welche Entwicklung die Landschaft im Spannungsfeld zwischen Eisenerz-Bergbau, Intensiv-Ackerbau bis zur Extensivierung durch den Neueigentümer OVAG ab den frühen 2000er Jahren aus Gründen des Grundwasserschutzes und der Trinkwasserförderung im Wasserwerk Inheiden nahm. Die hierzu von Stephan Kannwischer abgegebenen Erläuterungen zur Landschaftsgeschichte und Ökologie komplettierten die Leseinhalte vortrefflich.

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