Der Riedgraben läuft im Seegebiet Inheiden/Trais-Horloff an vielen Stellen über den Damm. Die Bewohner waren zuvor evakuiert worden.
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Der Riedgraben läuft im Seegebiet Inheiden/Trais-Horloff an vielen Stellen über den Damm. Die Bewohner waren zuvor evakuiert worden.

Überschwemmungen

Hochwasser im Kreis Gießen: So heftig trafen die Überschwemmungen die Region

  • vonConstantin Hoppe
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In Hungen war die Hochwasserlage dramatisch, hier mussten Teile des Seegebiets evakuiert werden, nachdem die Fluten über den Damm liefen. Auch in Langgöns war die Feuerwehr im Einsatz.

Hungen/Langgöns - Keller laufen voll, Gärten und Ferienhäuser versinken in den Fluten, Menschen müssen evakuiert werden: Von Freitagmittag bis zum Samstagabend waren die Einsatzkräfte der Hungener Feuerwehren im Dauereinsatz.

Am Freitagmittag war der Pegel der Horloff in Ruppertsburg auf 2,20 Meter gestiegen, lag nur noch knapp unter der Hochwassermeldestufe 3. Zu dieser Zeit war die Feuerwehr bereits in Villingen im Einsatz, um Häuser mit Sandsäcken abzusichern.

Hochwasser im Kreis Gießen: Lage spitzte sich gegen Mitternacht zu

»Die Erfahrung zeigt uns schon, dass es dann nach fünf bis sechs Stunden auch die Kernstadt erreicht«, berichtete Stadtbrandinspektor Udo Träger. Diese Einschätzung bewahrheitete sich: Gegen 20 Uhr erreichte eine wahre Flutwelle Hungen und ließ den Wasserstand der Horloff schnell in die Höhe steigen.

Kurz darauf trat der Bach im Bereich der Niddaer Straße, der Dammstraße, der Nonnenröther Straße und der Laubacher Straße über die Ufer und flutet Kleingärten und Keller. »Die Lage ist dramatisch und wird so schnell wohl nicht besser«, sagte Träger gegen Mitternacht.

Für etwas Entspannung sorgte die Brücke über die Horloff in der Niddaer Straße: Diese fungierte gewissermaßen als Damm und sorgte dafür, dass der Wasserstand auf der anderen Seite nicht so schnell stieg, wie es ungehindert der Fall gewesen wäre. Rund 40 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Hungen, Langd, Bellersheim, Steinheim und die technische Einsatzleitung waren in der Kernstadt im Einsatz, um Sandsäcke zu stapeln und Keller auszupumpen. »Ein Ehepaar musste seine Wohnungen verlassen und wurde in einem Hotel in Nonnenroth untergebracht«, berichtete Bürgermeister Rainer Wengorsch, der sich vor Ort ein Bild der Lage machte.

Überschwemmungen in Hungen: Viele Anwohner müssen Häuser verlassen

Gegen Mitternacht spitzte sich die Lage in Inheiden und Trais-Horloff zu: Dort war der Riedbach so hoch angestiegen, dass eine Überflutung des Damms drohte. Diese ist bei entsprechendem Pegel unvermeidlich: Denn der Wasserstand muss angesichts des nahen Bahndamms immer einen Meter unterhalb der Schienen bleiben, um ein Unterspülen dieser zu vermeiden, erklärte Stadtbrandinspektor Träger auf Nachfrage.

Darum mussten in der Nacht viele Anwohner oder Besucher im Seegebiet ihre Ferienhäuser verlassen. Bei der Evakuierung des Gebiets half auch das Deutsche Rote Kreuz. Wer in der Nacht nicht wusste wohin, der konnte in der nahen Mehrzweckhalle in Inheiden eine Unterkunft finden.

Diese Vorsichtsmaßnahme erwies sich als begründet, als kurz darauf der Damm an gleich mehreren Stellen überspült wurde und das gesamte Gebiet unter Wasser setzte. Den Einsatz aller Hungener Feuerwehren unterstützten das Technische Hilfswerk sowie die Kameraden aus Pohlheim und Buseck, die Sandsäcke an die Einsatzorte lieferten.

Viel ausrichten konnten die Einsatzkräfte hier allerdings in der Nacht nicht mehr. Am Samstagmittag standen dann weitere Sicherungsmaßnahmen an: Der überspülte Damm wurde von Feuerwehr und Bauhof mittels einer Barriere erhöht, um so die Überlaufmenge einzugrenzen. Auch in den kommenden Tagen dürfte es in diesem Bereich noch Überflutungen geben.

Auch die Feuerwehr Langgöns war zeitweise im Großeinsatz.

Hochwasser: Auch in Langgöns Feuerwehren im Einsatz

Auch in Lang-Göns und Niederkleen waren die Feuerwehren im Hochwassereinsatz. Als der Kleebach über die Ufer zu treten drohte, wurden 1300 Sandsäcke, die seit den letzten Überflutungen bereitliegen, in Stellung gebracht und aus ihnen zusammen mit Teichfolie Dämme an gefährdeten Stellen gebaut. Der größte Damm wurde in der Kreuzstraße am Dorfbrunnen errichtet. Als weitere Schutzmaßnahme wurden Staubretter eingesetzt.

Zudem wurden gefährdete Häuser abgesichert. In einige Häuser drang das Wasser bereits ein, sodass Tauchpumpen zum Einsatz kamen. Nachdem das Wasser zurück gegangen war, wurden Schlamm und andere Verunreinigungen beseitigt.

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