Niedermoor-Brüche wie die Kühweide bei Steinheim halten Abflusswasser zurück und stärken die lokale Grundwasserneubildung für die regionale Wasserversorgung. FOTO: PM
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Niedermoor-Brüche wie die Kühweide bei Steinheim halten Abflusswasser zurück und stärken die lokale Grundwasserneubildung für die regionale Wasserversorgung. FOTO: PM

Strategien gegen die Trockenheit

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Hungen(pm). Der Naturschutzbund Horlofftal macht sich Sorgen wegen der Trockenheit. Weil Niederschläge in Form von Regen und Schnee in ausreichenden Mengen und zur rechten Zeit in den letzten drei Jahren vielerorts ausgeblieben sind, fordert der Verband Maßnahmen, um den von manchen Fachleuten bereits befürchteten Wassernotstand in vielen Regionen abzuwenden. "Großflächig absterbende Wälder unterstreichen die Dramatik der Lage", konstatiert der Biologe Frank Bernshausen (Inheiden) kürzlich während einer Begehung bei Hof Grass.

Die Grundwasseranreicherung durch Rückhaltung von Horloff-Abflusswasser und Abpufferung vor allem von Stark-regen in den Auen sei ein zentrales Element einer nachhaltigen Strategie zur Grundwasserneubildung, heißt es in einer Pressemitteilung des Nabu. Wenn Niederschlagswasser zur Verfügung stehe, müsse es durch die Speicherung in Böden und langsame Versickerung in den Auen der Horloff und ihrer Nebengewässer zurückgehalten werden. "Dies gilt auch für die direkte Niederschlagswasser-Versickerung in Siedlungsbereichen", erklärte Diplom-Ingenieur Franz Poltrum, der OVAG-Bereichsleiter Wasser.

Nützlicher Biber

Dem vor einigen Jahren in seinen angestammten Lebensraum zurückgekehrten Biber fällt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle zu: Durch die Errichtung seiner Staudämme zur Aufrechterhaltung eines im Jahresverlauf annähernd gleichen Wasserspiegels im Fluss betreibe er aktive Wasser-Rückhaltung und fördere die Biodiversität. "Diesen eigentlich positiven, ökologischen Systemleistungen stehen aber auch kritische Einwände gegenüber, die bei sachgerechter Behandlung von begründeten Schadens-Einzelfällen jedoch kompensiert werden können und müssen", fordert Bernshausen.

Der naturnahen Auennutzung durch standortangepasste landwirtschaftliche Bewirtschaftung und Pflege kommt nach Ansicht des Naturschutzbundes ebenfalls eine zentrale Bedeutung zu, um überschüssige Nährstoffe und auch Schadstoffe nicht über längere Zeiträume schleichend ins Grundwasser einsickern zu lassen. Bedarfsangepasste Düngung, ökologischer Landbau sowie dauerhafte Vegetationsbedeckung in Hanglagen und auf obligaten Grünlandböden seien hierfür notwendig und förderlich. Beweidung mit durchschnittlich geringen Weidevieh-Besatzdichten über das Jahr fördere die Artenvielfalt, gibt der Biologe und Vorsitzende des national tätigen Vereins Weidewelt, Gerd Bauschmann aus Friedberg, zu bedenken.

Der Landwirtschaftsbetrieb BGSW Hof Graß als Pächter des Anfang der 2000er Jahre durch die OVAG erworbenen 110 Hektar großen Gutsbetriebes schreibt sich mit einem nachhaltigen Beweidungskonzept und angepasster Weiderinder-Besatzdichte hierzu einige positive Beiträge auf seine Fahnen, so der BGSW-Mitgesellschafter und Ökonom Roland Werner aus Villingen. Letztlich sorge die Stabilisierung der Grundwasserkörper durch auenökologische Prozesse, nachhaltiges Bewirtschaftungs-Management sowie moderne Trinkwasser-Aufbereitungstechnik für eine langfristig qualitativ hochwertige Sicherung der Wasserversorgung, sagte der OVAG-Vorstandsvorsitzende Joachim Arnold. Nabu-Vorstandssprecher Stephan Kannwischer erläuterte, wie wichtig die Vernetzung verschiedener Akteure sei. "Wissen einsetzen, um Naturgüter zu schützen", war sein Credo.

Die Teilnehmer der Begehung waren sich einig, dass weitere gemeinsame Aktivitäten zur Förderung von Biodiversität und Grundwasserschutz in der Region notwendig seien.

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