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Die Steinheimer "Feuerwehrmami" im Ruhestand

  • Patrick Dehnhardt
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Sie war die erste Frau im Landkreis Gießen, die stellvertretende Wehrführerin wurde. Nun wurde Anneliese Kammer zu ihrem 65. Geburtstag in den "Feuerwehr-Ruhestand" verabschiedet.

Am 1. Juli feierte Anneliese Kammer Geburtstag. Damit erreichte sie die Altersgrenze: Nach Vollendung des 65. Lebensjahres darf man in Hessen nicht mehr zu Feuerwehreinsätzen ausrücken. Die Freiwillige Feuerwehr Steinheim wollte ihre langjährige aktive Feuerwehrfrau allerdings nicht allein mit einer Glückwunschkarte und einem Strauß Blumen verabschieden. Gleichzeitig machte Covid-19 ein großes Fest unmöglich. Doch die Steinheimer fanden eine Lösung…

Am vergangenen Freitag war die Jubilarin bei einem Freund zu Gast, als plötzlich das Feuerwehrauto vorfuhr. Verwundert nahm sie auf der Rückbank Platz, wurde vom Fahrer zum Gerätehaus gebracht. Dort wartete - mit jeweils zwei Metern Abstand und Mundschutz - die Einsatzabteilung auf sie. "Ihr seid doch verrückt!", freute sich Anneliese Kammer sichtlich gerührt.

Wehrführer André Repp gab einen Rückblick auf ihre Feuerwehrkarriere. Der Liebe wegen war sie einst nach Steinheim gezogen, am 1. April 1975 in den Feuerwehrverein eingetreten. Dort spielte sie die Querflöte im Spielmannszug. Über Jahrzehnte war sie im Vorstand aktiv, hat zahlreiche Feste und andere Veranstaltungen organisiert. Zwei Amtszeiten war sie stellvertretende Vorsitzende.

Für die Steinheim-Treffen - die jährlichen Treffen aller Dörfer mit dem Namen Steinheim - war sie stets eine der Hauptorganisatoren im Hungener Stadtteil.

Zu ihrem 44. Geburtstag trat Anneliese Kammer schließlich aktiv in die Einsatzabteilung ein. Bereits zwei Jahre später wurde sie als erste Frau im Landkreis Gießen zur stellvertretenden Wehrführerin gewählt. Zehn Jahre lang hatte sie dieses Amt inne.

Besonders die Brandschutzerziehung in den Kindergärten lag ihr am Herzen - was ihr auch den Spitznamen "Feuerwehrmami" einbrachte. Zudem packt sie seit Jahren in der Kleiderkammer der Feuerwehr Hungen mit an, gibt an neue Feuerwehrleute die Dienstkleidung aus. "Du bist der gute Geist der Kleiderkammer", dankte Stadtbrandinspektor Udo Träger, fügte dann schnell hinzu: "Was nicht heißt, dass du jetzt aufhörst." Denn solche unterstützenden Tätigkeiten sind auch nach Erreichen der Altersgrenze noch möglich.

Als Zeichen des Dankes wurde der "Feuerwehr-Rentnerin" ein Holzstrahlrohr aus der Obbornhofener Drechslerwerkstatt Thomas Willa sowie Blumen überreicht. Stadtbrandinspektor Udo Träger übergab eine Ehrenurkunde und bedankte sich mit herzlichen Worten für den jahrzehntelangen Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr, die Brandschutzerziehung und in der Kleiderkammer.pad/FOTO: PAD

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