Kornelia Karger
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Kornelia Karger

Stabwechsel im Rathaus

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Hungen(pad). "Rentnerin 2020 - für dieses Shirt musste ich lange arbeiten" steht auf dem T-Shirt, das Kornelia Karger trägt. Nach 42 Dienstjahren geht sie nun in den Ruhestand. Am Donnerstagvormittag wurde sie von Kollegen sowie Bürgermeister Rainer Wengorsch mit einer kleinen Feierstunde verabschiedet.

"Ich bin nicht traurig, ich habe diese Zeit genossen", versicherte Karger anlässlich ihrer Verabschiedung. Das Berufsleben begann für die Echzellerin 1966 als Justizangestellte beim Landgericht Frankfurt. Danach war sie zwei Jahre Stenotypistin in der Personalabteilung der Bank für Gemeinwirtschaft, bevor sie von 1978 bis 1987 als Justizangestellte in Friedberg arbeitete.

Im Anschluss war sie als Konkurssachbearbeiterin, als Personalsachbearbeiterin sowie als Anwaltssekretärin und Büroangestellte tätig. 1993 trat sie dann in den Dienst der Stadt Friedberg ein. Zunächst arbeitete sie fünf Jahre im Kulturamt, danach fünf Jahre als Standesbeamte.

2003 folgte der Wechsel nach Hungen ins dortige Standesamt und ins Friedhofsamt.

Im Vorstellungsgespräch wurde sie vom damaligen Bürgermeister Weber gefragt, warum sie in die Schäferstadt wollte. "Ich sagte: Weil die Eisdiele direkt gegenüber ist", erzählt Kornelia Karger augenzwinkernd. Die empathische und humorvolle Art wussten die vielen Brautpaare zu schätzen, die sich bis Dezember 2014 vor ihr das Jawort gaben.

Ist in all der Zeit mal eine Braut oder ein Bräutigam geflohen oder konnte nicht getraut werden, da der Personalausweis zu Hause lag? Kornelia Karger schüttelt den Kopf: "Die Brautpaare waren immer gut vorbereitet." Die Arbeit als Standesbeamtin machte ihr sehr viel Spaß: "Das Standesamt war mein Baby."

Ein "neuer Mann"

Dabei war es egal, ob die Zeremonie im Hungener Rathaus oder dem ehemaligen Obbornhofener Rathaus stattfand. "Es kommt bei der Trauung auf die Leute, nicht auf die Räumlichkeiten an", sagte sie. Besonders habe sie sich gefreut, wenn die Brautpaare ihr später noch Dankesworte hatten zukommen lassen. "Ich habe auch Männer verpartnert - das hat mir besonders viel Freude gemacht."

Als die Zuständigkeit für Trauungen im Zuge der Interkommunalen Zusammenarbeit nach Lich wechselte, entschied sich Karger dafür, in Hungen zu bleiben - und zwar nicht nur wegen der Eisdiele: "Es gefällt mir hier gut, es gibt nette Kollegen und einen netten Bürgermeister. Ich wollte in Hungen arbeiten." Seitdem konzentrierte sie sich auf das Friedhofsamt. Noch vor der Covid-19-Zeit arbeitete sie ihre Nachfolgerin Jasmin Grigo ein, wird nun in einem Minijob weiterhin die Verwaltung unterstützen. "Von 100 auf Null ist einfach nichts für mich."

Bürgermeister Wengorsch dankte: "Sie haben mit ihrem Fachwissen gute Dienste für die Stadt geleistet, in einem Bereich, der Nerven und Empathie braucht." Er habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen im Ruhestand keine Zeit mehr hätten. Auch Karger hat viele Hobbys, vom Inlineskaten über Tanzen und E-Bike-Touren bis zu Unternehmungen mit ihrem Zwillingsbruder. Zudem habe ihr Horoskop für 2020 vorhergesagt, dass ein Mann in ihr Leben treten werde. "Das ist vor fünf Wochen passiert", sagt sie lachend, um dann aufzuklären, dass sie Oma geworden ist. FOTO: PAD

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