Spaziergang durch Waldrevier

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Hungen/Nidda (pm). Zu einem ökologischen Waldspaziergang durch den Stornfelser Wald lud dieser Tage der Naturschutzbund Horlofftal ein. Heimat verwurzelt, verständig und verantwortungsvoll zu erleben, war das gemeinsame Ziel der etwa 25 Naturfreunde. Sie durchstreiften behutsam auf den Wegen das etwa 150 Hektar große Waldrevier von Waidmann und Naturfreund Rainer Wengorsch im Staatsforst, der vielerlei Informationen zur Jagdausübung, das jagdbare Wild und die umgebende Natur parat hatte. Neben einigen Anekdoten zitierte er zur Einstimmung auch noch zum Thema passende Gedichte.

Das Revier ist ein Rotwild-Wechselgebiet, in das sich auch mal Luchs und Wolf verirren. Die Sichtung junger Wildkatzen bestätigte auch deren Reproduktion. Waschbären kommen wesentlich zahlreicher vor, wobei man im Revier bisher von keiner Problemlage sprechen könne, sagte Wengorsch. An einer Wildschwein-Kirrung mit Suhle erläuterte er die Lebensweise und Jagd auf das Schwarzwild. Da Wildschweine intelligente Tiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten sind, sei deren Erlegung nicht einfach.

Aber auch an Oberhessen geht der Klimawandel wohl nicht vorbei, da nach zwei dürreartigen Jahren mit sehr trockenen Sommern und ungünstig verteilten Niederschlägen, ganze Baumbestände am Vertrocknen und Absterben sind. Und es trifft beileibe nicht nur die standortfremden Fichten, sondern auch natürlich vorkommende Rotbuchen aller Altersstufen. Die Spaziergänger begegneten dennoch einigen imposanten Buchenriesen, die aufgrund ihres Alters fast 200 Jahre Forstgeschichte Revue passieren lassen könnten.

Zum Schluss Wildvesper

Forstliche Fehler werden oft als Erklärungsmuster bemüht, jedoch sind auch die Wirkungen des Klimawandels nicht zu unterschätzen, erläuterte der mitwandernde Forstwissenschaftler Thomas Ullrich. Der Wald als lebendiges Ökosytem reagiert mit Anpassung, wobei alle nicht anpassungsfähigen Baumarten wie zum Beispiel die Fichte in unseren Breiten abzusterben drohen. Somit sei der Klimawandel die größte Herausforderung der Forstwirtschaft seit der Wiederbewaldung nach dem raubbauartigen Spätmittelalter und den nachfolgenden, noch nicht der forstlichen Nachhaltigkeit verpflichteten Epochen. "Diesem ist nur mit der Anwendung ökologischer Erkenntnisse, waldbaulichem Fingerspitzengefühl bei konsequenter forstlicher Nachhaltigkeitsausrichtung beizukommen, will man die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen", sagte NABU-Sprecher Stephan Kannwischer.

Angekommen am über 200 Jahre alten Forsthaus Wolfslauf der Familie Bornemann empfingen Familienmitglieder und der Damwildbetreuer Herbert Diehlmann die Wanderschar. Auf einer Fläche von rund vier Hektar lebt dort ein im Schnitt 15 bis 20 Köpfe zählendes Damwildrudel ganzjährig bei Winterfütterung mit Heu.

Im Kronenschatten einer etwa 200 Jahre alten und 50 Meter hohen Tanne mit mächtigem Stamm und intensiver Verzweigung widmeten sich die Wanderer der von Sonja Wengorsch und Stephan Kannwischer vorbereiteten Wildvesper mit Brot, buntem Gemüseallerlei und einigen Wurst- und Schinkenvariationen vom heimischen Wild.

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