Hinter dem abgesperrten Privatgelände liegt das städtische Waldstück, das die Firma Nickel zwecks Verlagerung ihrer Produktionsanlagen ins Auge gefasst hat. Ein Areal, auf dem sich ein 180 Jahre alter Eichenbestand befindet. FOTO: TI
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Hinter dem abgesperrten Privatgelände liegt das städtische Waldstück, das die Firma Nickel zwecks Verlagerung ihrer Produktionsanlagen ins Auge gefasst hat. Ein Areal, auf dem sich ein 180 Jahre alter Eichenbestand befindet. FOTO: TI

Sorge um Baumbestand

  • vonChristina Jung
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Hungen(ti). Lä rm, Staub, Geruch - der Basaltsteinabbau der Johannes Nickel GmbH und Co. KG in Ober-Widdersheim geht am benachbarten Steinheim nicht immissionslos vorbei. Eine Verlagerung der Produktionsanlagen würde sich diesbezüglich positiv auswirken. Doch an den Ideen des Unternehmens gibt es im Hungener Stadtteil Kritik.

Die Stadtwaldkommission hatte das Thema beraten, ebenso der Magistrat. Die Beschlussempfehlung für die Stadtverordnetenversammlung war positiv. Doch die Kauf-/Pachtanfrage der Basaltwerke zu einem 2,5 Hektar großen Areal im Hungener Stadtwald wurde in der jüngsten Parlamentssitzung nicht behandelt, sondern auf Antrag des Bürgermeisters von der Tagesordnung genommen. Rainer Wengorsch begründete dies später auf Anfrage dieser Zeitung mit einem verwaltungsinternen Missverständnis. Es sei ein Versehen gewesen, dass der Punkt überhaupt auf der Tagesordnung gelandet sei. Denn weder Fachausschuss noch Ortsbeirat seien dazu gehört worden.

Worum es geht? Die Johannes Nickel GmbH und Co. KG mit Sitz in Ober-Widdersheim (Nidda) hat laut Beschlussvorlage Interesse am Kauf beziehungsweise der Pacht des besagten städtischen Waldstücks bekundet. Ziel sei es, die Aufbereitungsanlagen, die derzeit nahe Unter-Widdersheim stehen, zu verlagern und zwar näher an das Abbruchgebiet heran, so der Bürgermeister. "Die Firma möchte ein positives Signal von uns, bevor sie das Ganze weiter vorantreibt", erklärt Wengorsch und meint damit unter anderem ein Planfeststellungsverfahren, welches das Unternehmen in Gang bringen müsste. Doch ein solches ist "langwierig und kostenintensiv".

Sehr frühes Planungsstadium

Dr. Bettina Nickel, Geschäftsführerin der Basaltwerke, möchte auf GAZ-Anfrage zu den Plänen des Betriebes noch nicht viel sagen. Man befinde sich in einem sehr frühen Stadium, verschiedene Szenarien zur Weiterentwicklung des Steinbruchs würden derzeit auf Machbarkeit und Finanzierbarkeit geprüft, so Nickel.

Im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung aber war bereits Kritik laut geworden - am Prozedere und an der Wahl des Standortes. "Die Beteiligung des Ortsbeirats ist bei allen wichtigen Angelegenheiten des Ortsbezirks gesetzlich zwingend vorgeschrieben", zitiert SPD-Stadtverordneter Gunter Schmidt im GAZ-Gespräch aus der Hessischen Gemeindeordnung. Und in seinen Augen ist das Vorhaben der Basaltwerke eine wichtige Angelegenheit.

Zwar würde eine Verlagerung der Produktionsanlagen eine Entlastung für die Steinheimer bedeuten, da der neue Standort weiter vom Dorf entfernt und zudem hinter einer Anhöhe liege. Doch für die Umsetzung der Pläne müssten mutmaßlich Bäume weichen und das in einem Bereich mit sehr guten Standorteigenschaften im Hinblick auf Wasser- und Nährstoffversorgung, wie es in einer Waldwertschätzung der Forstservice Taunus GmbH heißt.

Darüber hinaus befindet sich ein 180 Jahre alter Eichenbestand mit sehr guter Bonität in dem Gebiet. "Deshalb sehen wir das kritisch", sagt Schmidt.

Unterstützung erhält er von den Hungener Grünen. Fraktionsvorsitzender Wolfgang Macht sagt im Gespräch mit dieser Zeitung, dass eine Entscheidung über die Beschlussvorlage mit Blick auf die klimabedingten Veränderungen in den Wäldern "gut überlegt sein will" und plädiert für die Suche nach einem Alternativstandort.

Der Bürgermeister ist der Ansicht, dass nicht alle Bäume in dem Gebiet gefällt werden müssten, und auch er möchte "die Solitäre erhalten".

Wann die Stadtverordneten in dieser Angelegenheit eine Entscheidung treffen, ist offen. Zunächst sind nun erst einmal Ortsbeirat und Fachausschuss am Zug.

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