Beeindruckt von der Entwicklung des "Seeblicks": Julia und Margita Kessler kehren gerne bei Markus Schmidt ein. 	(Fotos: ti/Archiv: pm)
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Beeindruckt von der Entwicklung des »Seeblicks«: Julia und Margita Kessler kehren gerne bei Markus Schmidt ein. (Fotos: ti/Archiv: pm)

Wie sich der »Seeblick« Inheiden durch Frank Rosin veränderte

Hungen (ti). Ein schlecht laufender Imbiss, einen Berg voll Schulden und gesundheitlich angeschlagen - vor zwei Jahren sah die Zukunft für Markus Schmidt alles andere als rosig aus. Dann kam Frank Rosin und drehte im »Seeblick« Inheiden eine Folge für seine Sendung. Seitdem hat sich viel getan, nicht nur wegen des Sternekochs. Wie es zwei Jahre nach dem Medienrummel um Schmidt und sein Lokal steht und welche Pläne er für die Zukunft hat, darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Der Himmel ist grau. Es weht ein kühler Wind. Teichhühner ziehen ihre Kreise auf dem Wasser. Ansonsten ist weit und breit niemand zu sehen. Kein Wunder, ein idealer Tag für einen Ausflug an den See sieht anders aus. Und dennoch: Wer bei einem Spaziergang entspannen oder weit ab vom städtischen Trubel auf andere Gedanken kommen möchte, ist hier genau richtig. Hier in Inheiden, wo die Badesaison noch auf sich warten lässt. Doch ganz nahe am Wasser wird im Hinblick auf diese bereits mit Hochdruck gearbeitet. An neuen Soßen und Currys, an einer speziellen Karte für den Abend und daran, dass der Biergarten schon bald auf einer ordentlichen Wiese öffnen kann. Markus Schmidt will mit seinem Imbiss und Kompagnon Alexander Billmann in diesem Jahr Neues wagen: Weg vom Standard, hin zum Besonderen. Damit die einen nach dem ausgiebigen Sonnenbad noch einmal im »Seeblick« einkehren und die anderen sich von daheim aus auf den Weg machen, um bei ihm ihren »Sundowner« zu genießen.

Vor zwei Jahren waren solche Gedanken für den 51-Jährigen noch weit weg. Damals schrieb Schmidt, gesundheitlich angeschlagen, mit dem Imbiss noch rote Zahlen, hielt die Frittenbude, die er nach dem Tod seines Vaters übernommen hatte, mit Nebenjobs am Laufen. Dann kam das Fernsehen. Der Sternekoch Frank Rosin krempelte für seine Sendung Speisekarte und Ambiente um und brachte dem Inheidener zumindest für diesen Sommer einige Kunden mehr. An finanzielles Aufatmen war dennoch nicht zu denken. Trotzdem sagt Schmidt im Rückblick, dass ihn der Besuch von Frank Rosin vorangebracht hat. »Ich wäre sonst nicht wach geworden und den Imbiss hätte es in fünf Jahren vermutlich nicht mehr gegeben.« Mittlerweile hat der gelernte Schreiner nicht nur den »Dornröschenschlaf« hinter sich, ihm hat der Rosin-Besuch neben neuen Gerichten und anderem Interieur vor allem eines gebracht: einen Freund, Vertrauten und Geschäftspartner, der zudem gelernter Koch ist: Alexander Billmann.

Der 39-Jährige, der heute auch das Ober-Widdersheimer Bürgerhaus führt, war damals als Mietkoch unterwegs und wohnte nahe des Sees. Regelmäßig ging er dort spazieren, irgendwann – die Sendung war gerade abgedreht – kam er mit Schmidt ins Gespräch und bot seine Hilfe an. Er gab der Speisekarte einen neuen »Touch«, verfeinerte die Gerichte, entwickelte besondere Salatdressings, kreierte seine eigenen Ketchups und Currys. Denn in einem ist er sich sicher: Mit Gulasch, Frikadellen und Toast Hawaii »kann man die Kunden langfristig nicht locken«. Darüber hinaus wurden jahreszeitlich passende Speisen gekocht und hausgemachte Kuchen gebacken. Wichtig war und ist Billmann dabei vor allem die Qualität: gute Zutaten, möglichst aus der Region. »Einfache Gerichte mit einem gewissen Etwas und die zu einem vernünftigen Preis«, sagt der Koch. Mit Blick darauf wurde auch die Getränkekarte entrümpelt – Bio-Kräutertee und Fair-Trade-Limonade statt billigen Beuteln und Bizzelwasser. Sich kulinarisch absetzen, lautet die Devise. Nach Billmanns Ansicht der einzige Weg, um auf Dauer zu bestehen. Immerhin: Mittlerweile macht Schmidt kein Minus mehr. Leben kann er von dem Imbiss allerdings noch nicht.

Bei Julia und Margita Kessler kommt die Veränderung gut an. Die beiden Damen sind in ihrer Freizeit regelmäßig am See unterwegs, so auch an diesem grauen Tag. Sie haben die Entwicklung des Lokals in den vergangenen zwei Jahren mit viel Interesse beobachtet. »Hier ist es so schön geworden, das ist nicht selbstverständlich für einen Imbiss«, finden die Steinheimerinnen, die immer wieder gerne im »Seeblick« einkehren.

Natürlich wird es auch in diesem Sommer Pommes, Wurst und Cola geben. »Das Grundprogramm bleibt erhalten«, versichert Schmidt. Aber eben mit einem »besonderen Finish« und zusätzlichem Angebot. Beispielsweise neuen Speisen und Getränken ab 19 Uhr. »Sundowner«, nennt es Billmann. Salat mit gegrilltem Zander oder karamellisiertem Ziegenkäse beispielsweise. Dazu einen guten Wein und Lounge-Musik. Damit sich der Weg vom Parkplatz zum »Seeblick« lohnt, nicht nur des schönen Sonnenuntergangs wegen.

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