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Seit fünf Jahren ist der Dirtpark in Hungen in Betrieb. Regelmäßig finden dort auch Wettkämpfe mit internationaler Beteiligung statt.

Erfolgreicher Dirtpark

Dirtpark Hungen: Mit Hartnäckigkeit und Engagement zum Erfolg

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Der Dirtpark in Hungen ist der größte und bekannteste in Deutschland. An diesem Wochenende trifft sich dort die internationale Elite. Dabei begann einst alles mit einer fixen Idee von ein paar Teenagern.

Ein seichter Wind weht über die erdigen Hügel auf dem Schanzenfeld. In der flachen Landschaft sehen die Erhebungen aus wie braune Riesen. Sie sind von Rissen durchzogen, das Netz der Trockenheit liegt über ihnen. Ein leises Surren kommt immer näher, plötzlich schießt ein Mountainbike über den Hügel. Gummi, Metall und Mensch heben ab, fliegen durch die Luft, vollführen Drehungen und landen mit einem dumpfen Geräusch und einem Knirschen wieder auf der Bahn.

Es ist ein überaus spektakulärer Anblick, der sich auf jenem Areal in Hungen ganz in der Nähe der B 457 bietet. Dirtbiken ist noch immer eine relativ junge Sportart, doch vor allem bei Jugendlichen erfreut sie sich immer größerer Beliebtheit. Es hat ein wenig was von Abenteuer und Wagnis. Im Prinzip geht es darum, mit einem speziell ausgelegten Fahrrad von Schanzen zu springen und in schwindelerregender Höhe Tricks zu vollführen.

Der Hungener Dirtpark, so sagen es die Betreiber, ist der größte und bekannteste in Deutschland. Regelmäßig finden Veranstaltungen statt. An diesem Wochenende etwa wird das Finale der Dirtmeisterschaft Hessen ausgetragen. Obwohl der Name irreführend ist, denn nicht nur die deutsche, sondern auch die internationale Elite trifft sich in diesen Tagen auf dem Schanzenfeld.

Dass das mittlerweile diese Dimensionen angenommen hat, war vor ein paar Jahren noch nicht absehbar. Einst fing alles mit der Idee von ein paar Teenagern an, die sich im Wald selbst Bahnen bauten und fanden, dass es Zeit sei für einen öffentlichen Park. Drei Jahre kämpften sie bei der Stadt und gegen die Befürchtungen der Bewohner, um einen Ort, an dem sie einen Dirtpark anlegen konnten. 2013 war es dann soweit, ein Platz am Stadtrand von Hungen auf einem öffentlichen Gelände wurde gefunden und übergeben. Die Bauarbeiten begannen. 2014 wurde der Park dann zum Fahren freigegeben.

Fünf Jahre später bietet der Park auf circa 3000 Quadratmetern, das sind in etwa die Ausmaße eines halben Fußballfeldes, den Fahrern sechs umfangreiche Bahnen mit unterschiedlichsten Schwierigkeitsstufen. Vor allem aber ist jene Anlage ein Paradebeispiel dafür, was mit Hartnäckigkeit und viel ehrenamtlichem Engagement entstehen und instand gehalten werden kann. "Wir machen das mit Leib und Seele", sagt Janis Vogt, einer der Verantwortlichen.

Ein bunter Wohnwagen steht mitten auf dem Gelände. Es ist das Quartier der Betreiber. Genau genommen sind es neben Vogt noch fünf weitere junge Männer, zwischen 17 und 23 Jahre. Alle sind Mitglieder des Radfahrer-Vereins Germania 1912. Sie kümmern sich um alles, was es braucht, um die Anlage in Schuss zu halten. "Das ist durchaus aufwendig", erzählt Vogt. Allein die Trockenheit der vergangenen zwei Jahre macht dem Team ordentlich zu schaffen. Regelmäßig müssen sie die Hügel gießen. Und weil sie keinen eigenen Wasseranschluss haben, geht es dann eben mit dem Traktor zum örtlichen Landwirt, der ihnen das Wasser für ihren Wassertank kostenlos zur Verfügung stellt.

Es ist ein durchaus zeitintensives Ehrenamt, dem sich die sechs verschrieben haben. "Wenn es geht, sind wir bis zu acht Stunden hier" erzählt Niklas Bonnert. Allein eine kleine Sprungschanze zu reparieren kann gut und gerne einen ganzen Arbeitstag in Anspruch nehmen. Doch genau davon lebt die Anlage, dass die Schanzen immer wieder im Wandel sind. Sie versuchen, die Grenzen des Möglichen auszuloten, genau das goutieren die Stars der Szene. Doch auch bei Anfängern kommt der Dirtpark gut an.

Und dennoch plagen Vogt und seine Mitstreiter auch Sorgen. Noch können sie das alles stemmen. "Die Frage ist nur, wie lange haben wir alle noch so viel Zeit?", sagt Niklas Bonnert. Die jungen Männer studieren mittlerweile oder orientieren sich beruflich. Ihre Zeit für den Dirtpark wird immer begrenzter. Angesichts ihres jungen Alters mutet es fast schon ein wenig kurios an, wenn Bonnert sagt: "Das Bewusstsein der jungen Generation hat sich geändert." Doch genau das ist das Problem. Für viele Biker aus dem Umkreis ist der Dirtpark mittlerweile gegebener Alltag. "Alle fahren gerne auf der Bahn, aber wenn es um die Instandhaltung und den Umbau geht, dann helfen nur wenige mit", sagt Bonnert. Und so werben sie um weitere Freiwillige, damit auch in Zukunft solche Events wie am Wochenende stattfinden können.

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