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Die Flüchtlingshilfe Hungen konnte wegen Corona nur eingeschränkt arbeiten. Auch der Mutter-Kind-Sprachkurs konnte nicht stattfinden. ARCHIVFOTO: US

Schwierig, aber nicht unmöglich

  • Ursula Sommerlad
    VonUrsula Sommerlad
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Hungen (us). Der Montag war ein großer Tag für die Hungener Flüchtlingshilfe. Erstmals seit März 2020 konnte das Café Glücklich wieder stattfinden, draußen, auf dem Hof vor dem Kulturzentrum, mit rund 30 Gästen. Wie wichtig dieses in normalen Zeiten wöchentliche Treffen für die geflüchteten Menschen in Hungen und die ehrenamtlichen Helfer ist, machte Gemeindepädagogin Sabine Nickel am Mittwochabend in der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses in der Inheidener Mehrzweckhalle deutlich.

Das Café Glücklich ist nicht nur ein geselliger Ort, sondern eine wichtige Anlaufstelle, wo Probleme besprochen und nebenbei gebündelt auch viel Bürokratie erledigt werden kann. Und nicht nur das Café Glücklich konnte in den vergangenen Monaten nicht stattfinden. »Wir haben versucht, das Treffen virtuell anzubieten. Das hat gar nicht geklappt«, konstatierte die Gemeindepädagogin.

Auch Angebote wie die Fahrradwerkstatt, die individuelle Nachhilfe, der Mutter-Kind-Sprachkurs, der Eltern-BabyTreff oder Sportangebote waren zum Erliegen gekommen. Sie sollen nun angesichts stark gesunkener Infektionszahlen wieder aufgenommen werden. Laut Nickel hat Corona die Flüchtlingsarbeit zwar deutlich erschwert, aber nicht zum Erliegen gebracht hat. Der Kontakt sei telefonisch, per WhatsApp oder durch kurze Besuche aufrechterhalten worden.

Aktuell lebten in der Großgemeinde rund 105 Asylsuchende ausschließlich in Privatwohnungen. Im Oktober 2020 wurde die letzte Gemeinschaftsunterkunft mit rund 26 Plätzen geschlossen. Die Wohnungen, die in dem Mehrfamilienhaus stattdessen entstanden, seien an ehemalige GU-Bewohner vermietet worden. Nur wenige Flüchtlinge hätten Hungen verlassen, berichtete Nickel. »Viele haben in Hungen eine zweite Heimat gefunden und möchten hier leben.« Etliche gingen einer festen Arbeit nach, hätten teilweise ihre Familien nachgeholt und seien gut vernetzt. Die zahlreichen privaten Kontakte hätten auch geholfen, die Kontaktbeschränkungen des vergangenen Jahres zu meistern.

Laut Nickel gibt es aber auch eine kleinere Zahl von Familien, die keinen Kontakt suchen und sehr für sich bleiben. Deren Situation habe sich nicht zuletzt wegen schlechter Sprachkenntnisse während der Pandemie deutlich verschlechtert. »Sie sind durch alle sozialen Systeme gefallen.« Teilweise hätten versäumte Behördengänge dazu geführt, dass kein Geld mehr floss. Die Betroffenen hätten sich erst gemeldet, als sämtliche Fristen verstrichen und das Konto leer war. »Dann wurde es anstrengend«, schilderte Nickel.

Eine große Unterstützung sei in dieser Zeit der Hungener Formularlotse Gerald Hänsel gewesen, dessen Dienste auch von anderen sozial benachteiligten Menschen in den vergangenen Monaten stärker nachgefragt worden seien. »Fast ein halber Sozialarbeiter«, beschrieb die Gemeindepädagogin die Rolle des pensionierten Juristen. Ebenfalls sehr wertvoll sei die Arbeit von Katharina Traoré, der neuen Gemeinwesenarbeiterin für Hungen des ZAUG. Sie sei in Behördenangelegenheiten geschult und sorge dafür, dass die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer nicht überfordert werden.

Ein weiteres großes Problem der vergangenen Monate: Insbesondere viele Frauen hätten ihre Sprach- und Integrationskurse nicht fortsetzen können. Durch die lange Pause seien Sprachkenntnisse teilweise wieder verloren gegangen. Nach wie vor knapp sei bezahlbarer Wohnraum. Umso mehr freue es die Ehrenamtlichen, dass drei Familien in den neuen städtischen Mehrfamilienhäusern im Turmweg ein neues Zuhause gefunden haben.

Im vierten Jahr fortgeführt wird das Projekt »Sport und Flüchtlinge«. »Die Förderung bewirkt sehr viel Gutes«, findet Nickel. Trotz Corona hätten im vergangenen Sommer eine Reihe von Aktivitäten unter Beachtung der geltenden Abstandsregeln realisiert werden können.

Alles in allem bewertet die Gemeindepädagogin die Situation der geflüchteten Menschen in Hungen positiv. »Das Geheimnis des Erfolgs ist die tolle Ehrenamtsgruppe mit rund 25 Helfern und die Unterstützung durch die Stadt in Form von Personal, Geld und Räumlichkeiten.«

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