Mit der Situation am Inheidener See setzen sich die Teilnehmer einer Grünen-Veranstaltung auseinander. Dabei werden neben viel Lob für das Naherholungsgebiet auch Sorgen geäußert. FOTO: KJG
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Mit der Situation am Inheidener See setzen sich die Teilnehmer einer Grünen-Veranstaltung auseinander. Dabei werden neben viel Lob für das Naherholungsgebiet auch Sorgen geäußert. FOTO: KJG

"Schönster Platz der Welt"

  • vonKarl-Josef Graf
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Hungen(kjg). Bei strömendem Regen fand am "schönsten Platz der Welt", so die Aussage einer Teilnehmerin, am Inheidener und Trais-Horloffer See ein Bürgerdialog statt. Eingeladen hatten Wolfgang Macht (Grüne-Fraktion Hungen), Christian Zuckermann (Grüne Kreistagsfraktion) und als Verantwortlicher Stephan Kannwischer. Die Landtagsabgeordnete Katrin Schleenbecker (Grüne) war ebenfalls dabei. Insgesamt waren etwa 40 Menschen zusammengekommen.

Kannwischer fragte die Teilnehmer, was sie mit dem Inheidener See verbinden. Viele nannten Stichworte wie Freizeit, Segeln, Heimat, Schwimmen, Kindheitserinnerungen und ein Paradies in unserem Land. "Da brauche ich nicht ans Meer fahren", sagte Michael Weide von der DLRG Butz-bach, die seit 25 Jahren die Sicherheit am See gewährleistet. Natur- und Vogelschutz waren weitere Nennungen.

Großes Lob kam auch von denen, die sich als Zugezogene zu erkennen gaben. Eine Frau berichtete begeistert vom Eisvogel und verschiedenen, auch seltenen Lurcharten, die man hier entdecken könne. Kannwischer sagte, dass der Naturschutzbund (NABU) Horlofftal dort etwa 40 Brutvogelarten kartiert habe.

Der Inheidener See ist aus einem stillgelegten Braunkohletagebau entstanden. Nachdem die beiden Quellen des zulaufenden Köstgrabens in den 1950er Jahren versiegten, wird der See durch Niederschlags- und Grundwasser innerhalb der tiefer liegenden Horloffaue gespeist.

Wasserspiegel fällt

Außer Fremdenverkehr, Landschafts- und Naturschutz dient er auch der Trinkwassergewinnung. Obwohl das Wasserwerk Inheiden der OVAG mit 18 Millionen Kubikmetern Leistung eines der größten in Hessen sei, erfolge die Wasserförderung relativ naturverträglich, erklärte Kannwischer. Aufgrund der Trockenheit der vergangenen Jahre falle der Wasserspiegel.

Beim Meinungsaustausch ging es um den naturnahen Tourismus. Wolfgang Macht bezeichnete das Seengebiet als Naherholungs- und attraktives Wohngebiet um den See und am Wingertsberg. Er fragte, ob es notwendig sei, den Campingplatz zu erweitern. Manfred Zorn aus Inheiden meinte, die Stellplätze für die Camper neben den Pkw-Parkplätzen seien unmöglich. Er plane einen Reisemobil-Stellplatz vor dem Industriegelände auf seinem Grundstück.

Kannwischer sagte, dass vieles um den See so nicht mehr gewollt sei. Habe man früher kleine Hütten gesehen, ständen dort heute architektonische Bauten, die nicht mehr dem Bebauungsplan entsprächen. Bemängelt wurde, dass man Ortsfremden keine Beschilderung anbiete, die zeige, wo der See, der Parkplatz und andere wichtige Dinge seien. Anzahl und Qualität der Toiletten seien miserabel, was zur Folge habe, dass die Leute ins Feld gingen, so eine weitere Stimme. Der vor einigen Jahren geplante Campingplatz mit 600 Stellplätzen hätte dem See in dieser Dimensionierung sehr geschadet, meinte Kannwischer.

Für den Verein der Seefreunde (über 100 Mitglieder) merkte Professor Lutz Voigt an, dass seine Anregungen und Briefe mit Vorschlägen an die Stadt von der Verwaltung nicht beantwortet würden. Kannwischer sagte, er habe Sorge, dass die Situation am See "aus dem Ruder" laufe. Auch tage der Arbeitskreis Seegebiet seit drei Jahren nicht mehr. Man brauche ein Konzept, das die Anregungen der Anwohner mit aufnehme. Derzeit gebe es über die Situation eine allgemeine Unzufriedenheit.

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