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Die Rübenernte anno dazumal

  • vonred Redaktion
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Der Herbst ist die Zeit der Zuckerrübenernte. Die Rübenroder sind auf den Feldern in der Wetterau und am Rande des Vogelsbergs unterwegs. Automatisch werden die Früchte geerntet, zunächst von der Maschine in einem Lagerraum gesammelt und dann am Feldrand in der sogenannten Miete - der Laie würde von einem Haufen sprechen - abgelegt.

Dort kommt später die Rübenmaus vorbei, welche über Förderbänder die Rüben auf Laster schaufelt. Mit diesen geht es in die nächste Zuckerfabrik.

Was heute vollautomatisch abläuft, war früher einmal Knochenarbeit. Werner Fuchs aus Bellersheim kann sich noch gut erinnern, wie die Rüben früher per Muskelkraft mehrfach bewegt werden mussten: Zunächst wurden sie aus der Erde gezogen, dann auf einen Traktoranhänger geworfen. Mit diesem ging es an den Bellersheimer Bahnhof, wo große Güterwaggons bereitstanden. Auf diese mussten die Rüben nun hinaufgeworfen werden.

Bis so ein Güterwaggon voll war, mussten zig Fuhrwerke entladen werden. Da wundert es nicht, dass in Bellersheim - und auch in anderen Rübendörfern - niemand ein Fitnessstudio brauchte. Als es später die ersten Förderbänder gab und damit das Umladen am Bahnhof leichter wurde, waren die Landwirte heilfroh.

Vieles davon ist längst Geschichte: Güterzüge mit Zuckerrüben gibt es im Horlofftal schon lange nicht mehr - die Bahnstrecke ist stillgelegt. Dabei könnten doch so ein paar Laster eingespart werden. Auch der Bahnhof in Bellersheim ist seit den Zeiten des Braunkohletagebaus abgehängt. Und die Zuckerfabrik in Friedberg ist mittlerweile ein Wohngebiet. Wo einst tonnenweise Rüben auf ihre Weiterverarbeitung warteten, findet man das süße "weiße Gold" mittlerweile nur noch als Päckchen in Küchenschränken.pad/FOTO: FUCHS

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