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Ein Wollschwein auf der Weide - dreht es sich um, kann es Villingen sehen.

Rote und blonde Schweine

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Hungen (nab). Der 20. März ist der "Internationale Tag des Glücks". Für Familie Babitz gab es an diesem Datum in diesem Jahr allen Grund zum Glücklichsein. Endlich war die Genehmigung für ihre Wollschweinzucht in Villingen da. Am Samstag haben sie nun mit einer kleinen Feier den Betrieb offiziell eröffnet und sich bei Unterstützern und Wegbegleitern bedankt.

Die vergangenen zweieinhalb Jahre waren alles andere als leicht. "Ich hatte viele Sorgen und schlaflose Nächte", sagte Gisela Babitz-Koch, die Mutter von Züchter Andrej Babitz. Babitz hat zusammen mit seiner Lebensgefährtin Michaela Behnke in sechster Generation den Hof der Großeltern in Villingen übernommen. Ursprünglich stammt er aus Rödgen bei Bad Nauheim, wo er einen Malerbetrieb betreibt.

Das Genehmigungsverfahren für die Wollschweinzucht war lang und kompliziert. Nicht nur mehr als zehn verschiedene Behörden und Gremien mussten ihr Einverständnis geben, sondern auch aus Gründen des Seuchenschutzes ein doppelter Zaun um die Weide gestellt werden. Damit dieser aber errichtet werden konnte, war eine naturschutzrechtliche Genehmigung nötig. Der Hungener Magistrat gab erst im dritten Anlauf sein Einverständnis dafür.

Gut 70 putzige Wollschweine tummeln sich nun ein gutes Stück außerhalb von Villingen auf der Weide. Auf der vier Hektar großen Freifläche können sie das ganze Jahr über bleiben. Die Rasse ist sehr robust und kaum krankheitsanfällig. "Ein trockener Unterstand genügt den Tieren", erklärte Rudi Gosmann, Rassebetreuer für Wollschweine in Deutschland im Auftrag der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.

Seit 2010 baut Gosmann, der aus der Nähe von Osnabrück kommt, ein Zuchtbuch auf. Bisher sind dort 28 Züchter mit 85 Zuchttieren gelistet. "Der Trend geht nach oben, schließlich sehen sie niedlich aus und geistern immer öfter durch die Medien", berichtete Gosmann. Und das ist auch gut so, denn vor zwei Jahrzehnten war die Rasse, die ursprünglich aus Ungarn stammt, noch vom Aussterben bedroht.

Die Wollschweine - von denen es rote und blonde Varianten gibt - wachsen langsam. In Villingen werden sie nicht mit industriellem Futter gemästet, sondern beispielsweise mit gekochten Kartoffeln, Gerste und Gemüse. Im Vergleich zu den gewöhnlichen Mastschweinen setzen die Wollschweine mit 17 bis 19 Zentimetern eine mehr als doppelt so dicke Fettschicht an. "Ihr Fleisch ist reich an Omega-3-Fettsäuren", erläutert Michaela Behnke. "Außerdem ist es marmoriert und geht ins Rötliche wie beim Rind. Es schmeckt auch kräftiger." Geschlachtet werden die Tiere in der Landmetzgerei Weil in Münzenberg. Verarbeitet werden sie beispielsweise zu Schinken und Salami, Kotelett, Schnitzel, Cranberry-Schmalz, Lende, Braten und Haxe. All das kann man nun ab Hof bei Familie Babitz in Villingen kaufen oder demnächst über einen Onlineshop bestellen.

Doch bis sie den Gang zum Schlachter antreten müssen, können sich die Tiere gerade jetzt im Herbst noch herrlich im Schlamm suhlen und unter freiem Himmel das Leben artgerecht genießen.

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