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Über die sinnvolle Nutzung des Hungener Stadtwaldes streiten Naturschutzverbände, Grüne und CDU.

»Projekt nicht diskreditieren«

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Hungen (bf). Die Stellungnahme der CDU zur künftigen Nutzung des Hungener Stadtwaldes ruft Widerspruch bei Naturschutzverbänden und den Grünen hervor. Beide zeigen sich verwundert über die Aussagen der Christdemokraten. Die CDU hatte sich unter anderem dagegen gewandt, Flächen aus der Bewirtschaftung des Waldes herauszunehmen.

So schreibt Stephan Kannwischer, Vorstandssprecher vom Naturschutzbund Horlofftal, im Namen von NABU und HGON, die »unterschwellig verbreitete Behauptung, dass der Stadtwald Hungen in Gänze stillgelegt werden soll, ist falsch«. Er wirft den Christdemokraten vor, ein diskussionswürdiges Projekt auf diese Weise zu diskreditieren, Ängste und Unsicherheiten zu schüren, das sei »höchst unsachlich und unverantwortlich«. Ähnlich äußern sich die Grünen.

Naturschutzgruppen und Grüne schlagen vor, von rund 1200 Hektar Stadtwald etwa 200, das entspricht rund 16 Prozent, als Entwicklungsfläche in den Wildnis-Fonds der Bundesregierung einzubringen und damit aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. Hierfür könnte die Stadt Hungen in Anlehnung an den Erlös des Waldwildnis-Projektes der Gräflichen Rentkammer Solms-Laubach bis zu 5 Millionen Euro erlösen, wobei die Stadt Waldeigentümer bleiben würde.

Diese Gelder sollten im Teilnahmefall für »den dringend notwendigen klimaresilienten Umbau« der restlichen etwa 1000 Hektar Stadtwald, den Hochwasserschutz und die Katastrophenvorsorge eingesetzt werden. Der Großteil des Stadtwaldes könnte weiterhin gemäß forstlicher Nachhaltigkeitsprinzipien bewirtschaftet werden und Rohstofflieferant bleiben.

Wegekonzept entwickeln

Die Idee zur Teilnahme am Wildnis-Fonds der Bundesregierung fuße auf der Erkenntnis, dass Wälder in der aktuellen Klimakrise eine Widerstandsfähigkeit (Resilienz) entwickeln müssen, um langfristig ihren ökologischen, sozialen und auch ökonomischen Funktionen gerecht werden zu können. Hierzu gehören auch Wildnis-Teilbereiche.

Die CDU nehme forstliche Nachhaltigkeit als allgemeines Bewirtschaftungsprinzip an. Angesichts vieler hausgemachter forstwirtschaftlicher Probleme, auch in der jüngeren Vergangenheit, sei die forstliche Praxis von einer Zugrundelegung dieser Nachhaltigkeitsprinzipien jedoch teilweise noch weit entfernt, so die Verbände.

Durch das bereits bestehende Wald-Wildnisgebiet aus Flächen des hessischen Staatsforstes und des Privatwaldes Solms-Laubach und die dazwischenliegende vorgeschlagene Stadtwaldfläche würde neben dem Nationalpark Kellerwald/Edersee das größte zusammenhängende Naturwald-Reservat Hessens entstehen. Das könnte positive Effekte auch auf Naherholung und Tourismus haben. Im Gegensatz zu den Behauptungen der Hungener CDU dürfe auch dieser Teil des Stadtwaldes nach wie vor betreten werden.

Die Grünen werfen der CDU vor, »verbissen für ein längst gescheitertes Konzept der Forstwirtschaft« zu kämpfen. Aufgrund erheblicher Schäden im Wald und unklarer Strategien zur Pflege und Aufforstung hatten jüngst die Naturschutzverbände alle Fraktionen zu einer Waldbegehung geladen. »Alle kamen - nur von den Vertretern der CDU-Fraktion war niemand erschienen«, kritisieren die Grünen ebenso wie die Verbände.

Der Jagdnutzen und andere Nutzungen blieben bei einer Teilnahme am Bundesprogramm bei der Stadt Hungen, sie könne als Flächeneigentümer zusammen mit einem Sachverständigen eigenständig ein Wege- und Jagdkonzept für die Fläche entwickeln. Der Zugang zum Wald sei damit für die Bevölkerung im bisherigen Umfang ermöglicht.

Neben den von den Verbänden angeführten Argumenten sehen die Grünen zudem durch die Einnahmen dringend benötigte finanzielle Spielräume, die zum Beispiel für den Hochwasserschutz und die bessere Ausstattung der Feuerwehren für die zu erwartenden Herausforderungen in der klimabedingten Katastrophenabwehr genutzt werden könnten.

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