Viel Verkehr in der Ortsdurchfahrt Utphe. Deshalb fordert die CDU eine Ortsumgehung, Grüne und Naturschutzbund widersprechen.	FOTO: PAD
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Viel Verkehr in der Ortsdurchfahrt Utphe. Deshalb fordert die CDU eine Ortsumgehung, Grüne und Naturschutzbund widersprechen. FOTO: PAD

»Probleme werden nur verlagert«

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Hungen (bf). Sohwohl der Stadtverband der Grünen als auch der Naturschutzbund Horlofftal setzen sich kritisch mit dem Vorschlag der Hungener CDU auseinander, für Utphe und Inheiden eine Ortsumgehung voranzutreiben.

Die Grünen schreiben, im vergangenen Jahr hätten Landwirte auch in Hungen grün gestrichene Kreuze auf ihre Äcker gestellt. Dabei ging es unter anderem um den »Flächenfraß«. Am Nordrand der Wetterau liegen mit die fruchtbarsten Böden von Mittelhessen. »Hier müssen wir den Flächenverbrauch durch Siedlungsgebiete und Straßenbau besonders sorgfältig abwägen«, erklärte Wolfgang Macht, Fraktionsvorsitzender der Hungener Grünen.

Ein »immer weiter so« führe nach Meinung des Stadtverordneten Frank Bernshausen nicht zur Lösung, sondern nur zur Verschärfung, bestenfalls zur Verlagerung der Probleme. »Die Landwirtschaft lebt von der Natur - und das geht auf Dauer nur, wenn sie auch mit der Natur lebt«, sagt Bernshausen. Deshalb sei es wichtig, landwirtschaftliche Flächen nicht zu zerschneiden und massive Eingriffe in die Landschaft zu vermeiden.

Bei Belastungen durch Schwerlastverkehr gelte es zunächst, die Strecken möglichst unattraktiv zu machen. Dabei sind Geschwindigkeitsbegrenzungen nach Einschätzungen der Grünen ein probates Mittel. Entlastungen vom Pkw-Verkehr können - statt Ortsumgehungen - gut ausgebaute öffentliche Verkehrsangebote bringen. Dazugehöre für Hungen die Reaktivierung der Horlofftalbahn mit direkten Verbindungen bis nach Frankfurt ab etwa 2025. »Zukunftsfähige Verkehrslösungen« kämen ohne Straßenneubauten aus, sagt Macht.

Ein weiterer Aspekt zur Vermeidung überbordender Verkehrsbelastung betreffe die kommunale Planung. Bei der Ansiedlung von Gewerbe sei darauf zu bestehen, dass Flächen fressende Konzepte mit Logistikern zwingend ausgeschlossen werden, erklärten die Grünen. Im geplanten Gewerbegebiet »Hungen Süd« (zwischen Trais-Horloff und Inheiden) scheine die Stadt Hungen derzeit einen anderen Weg zu bevorzugen.

Wer keinen zusätzlichen Lkw-Verkehr in Utphe und Inheiden haben will, sollte innovative Konzepte für die Erschließung von Gewerbeflächen unterstützen. Laut Macht könnte hier der geplante interkommunale Gewerbepark in Nidda-Harb ein gutes Beispiel sein.

Ackerland schützen

Die Grünen-Fraktion strebt an, den Bebauungsplan des Gewerbegebiets Süd derart zu gestalten, dass innovative Gewerbeansiedlung mit der Ausrichtung auf eine möglichst große Anzahl zukunftsfähiger Arbeitsplätze, der Einsatz erneuerbarer Energien und eine landschaftsgerechte Gestaltung umgesetzt wird.

Auch der Naturschutzbund kritisiert die CDU-Initiative. Eine Ortsumgehung würde »durch bestes Wetterauer Ackerland« führen. Mit der Begründung, dass dies aufgrund der zunehmenden Verkehrsbelastung notwendig sei, würden alte Lösungsmuster bedient, anstatt innovative Vorschläge zur Problemlösung zu benennen, wie die Mobilität von Personen und Waren zu gewährleisten ist, ohne Natur und Umwelt zu zerstören.

Der zunehmende Verlust von Flächen und damit einhergehende Zerstörung wertvollster Ackerböden sei nicht mehr akzeptabel. Die Ursachen dramatisch wachsender Verkehrsbelastungen seien vor allem im gestiegenen Mobilitätsbedürfnis und einem »dramatischen Anstieg der Gütertransporte auf der Straße« begründet. Gut ausgebauter ÖPNV sowie die systematische Verlagerung von Güterverkehren auf die Bahn (wo möglich) sind schon seit Jahrzehnten seitens zahlreicher Verkehrsexperten und Forschungsinstitute auf die politische Tagesordnung gesetzt worden.

Dies betreffe auch die Region mit den zu erwartenden Mehrverkehren durch große Logistikzentren. Diese Landschafts- und Bodenverbräuche seien möglich geworden durch Beschlüsse in den kommunalen Parlamenten und den regionalen Planungsversammlungen - auch unter Beteiligung der CDU. Deshalb sei der Hinweis der Hungener Christdemokraten auf den Naturschutz als Planungshindernis »geradezu absurd«, zumal die Naturschutzverbände sich bezüglich der in den vergangenen Jahren gebauten und Bürger entlastenden Ortsumgehungen Lich, Langsdorf, Nieder-Bessingen, Hungen, Berstadt und Friedberg konstruktiv verhalten haben und keine anhaltende Blockadehaltung eingenommen hatten.

Das »Opfern« von weiteren etwa 100 000 Quadratmetern bester Wetterauer Ackerböden für die Ortsumgehungen Utphe und Inheiden werden deshalb vom NABU Horlofftal und dem Arbeitskreis Gießen der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) abgelehnt und als Kommunalwahl-»Spiegelfechterei« eingestuft.

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